Ein Prüflauf am vergangenen Sonntag in der Innenstadt verlief verheerend: VHS Platz gegenüber den ohnehin schon darbenden und womöglich bald entsorgten „Grünen Baum“: Zwei neue Leerstände. Gut, die beiden Geschäfte auf dem etwas verwaisten Platz am Späti waren nun nicht gerade die Burner, aber dennoch, eine bedauerliche Entwicklung. Zwei leere Geschäfte mehr. Daneben kaum 30 Meter entfernt steht ja nun auch die ehemalige Kinder und Spielboutique blank da, nachdem der Laden umgezogen ist (zur Stadthalle in die ehemalige Stadtbuchhandlung). Ein Blick zum Porterhouse beruhigt wenig: Alles leer im Erdgeschoß, oder ebenfalls nicht bespielt. Eine Art Kantine neben einer Art Minicafé, beides wirkt verlassen. Da wo früher mal DAS PORTERHOUSE war (wir erinnern uns an die 70er Jahre) heißt es sinngemäß: Neue Pächterin kommt. – Wann ist allerdings unklar. Da wo eine Art Spielhalle war heißt es ein Sushi Laden sei in Arbeit. Ob der Name May als zeitliche Orientierungshilfe gelten kann? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Entwicklung ist wirklich dramatisch. Und die genannten Standorte mögen noch so „unattraktive C – Lagen“ sein – das Signal scheint fatal.
Ein zentraler Grundsatz trifft (leider?) auch für Biberacher Händler zu: im Jahr 2026 ticken Käufer anders, als vor 20 oder mehr Jahren. Der Einzelhandel wird also nicht mehr funktionieren können wie früher. Klingt banal, ist es aber nicht. Seit Fritz Kolesch gibt es schon Werbetafeln (Kundenstopper) auf der Straße. Zeitgemäß?
Glaubt wirklich jemand, dass die Besucherfrequenz in Biberach von Rabattmärkle profitiert? Umsatz unterscheidet sich von Frequenz und die letztere leidet.
Verkaufen im engeren Sinne geht nicht mehr. Heute muss der Handel einen Kunden erstmal zum Kommen und danach zum Kaufen bewegen. Das ist etwas grundsätzlich anderes als das althergebrachte Verkaufen. Wer die Verkäuferrolle verlässt und „die Schuhe der Kunden“ anzieht, wird es sehen und erleben. Kunden sind keine amorphe Masse, sondern Menschen mit Bedarfen und Bedürfnissen. Um Letztere auch nur gedanklich erfüllen zu können, muss man seinen Blickwinkel, die Perspektive ändern. Dann kann es wieder besser werden.
Einfach „Einkaufen“, einen Bedarf befriedigen, kann jeder heute überall. Ob in Ulm, Waldsee, Ravensburg oder am PC. In Biberach kennt und trifft man sich. Me schwätzt. Aber weder die Möblierung des Marktplatzes noch der Einzelhandel treffen dieses tiefsitzende Biberacher Schwätz- und Treff-Bedürfnis in der wunderschönen Innenstadt.
Es gibt sicher ein paar gute Ideen in BC!