Lass den Klick in der Stadt! Diese Aktion der traditionell weltoffenen Werbegemeinschaft Biberach hat wenig genutzt. Amazon gibt es immer noch. Und mehr denn je kauft auch der Biberacher weiterhin online. Ob da nun Plakate hingen oder nicht. Ähnliches spielt sich gerade beim Schützenfest ab: Weiterhin läuft der Wunsch der Schützendirektion und der Verwaltung ganz deutlich in die Richtung: Gigelberg stärken, Innenstadt beruhigen. Die Sorge gilt sicher nicht unberechtigt dem Vergnügungspark. Neuester Versuch, nach mehreren Appellen, die Plakataktion „Mir ganged auf dr Berg“:

Um es mal ganz vorsichtig zu formulieren: Man kann sich ja vieles wünschen. Auch einen Schützenschatz zum Beispiel. Nur heißt das nicht, dass man das automatisch dann auch bekommt. Das Universum ist leider gelegentlich dann doch grausam. Und auch wenn einem der Himmel versprochen wird, kann es die Hölle sein.
Schauen wir doch der Realität ins Auge. Betrachtet man die vergangene Woche muss man feststellen, das Konzept „Schützen wieder mehr auf den Gigelberg zu verlegen“ ist grandios gescheitert. Praktisch täglich sind die Tribünen am Marktplatz spätestens ab 17 Uhr voll. Fast schon überlaufen, manche picknicken mit Getränken und Fresskörben. Die gibt es ja auch günstig in der Ratsstube als Touriattraktion (sorry der Gag musste sein) ab roundabout 89 Euro inklusive Pfand… Bis 24 Uhr sind die Tribünen voll. Auch an den „schwächeren Tagen“.
So Zentrums-belebt wie dieses Jahr und so verteilt in der Innenstadt, war Schützen noch nie. Keine Stra0e ohne Straßenverkauf. Insgesamt erschien der Gigelberg bzw. Vergnügungspark eher weniger besucht als je zuvor. Das mag auch an den Preisen liegen, wer kann sich das schon noch leisten? Ein Familienvater mit zwei Kindern berichtete von einem Bergausflug mit Ehefrau und dass der Trip ihn über 240 Ero gekostet hat. Die Halbe liegt bei 5 Euro 50 an der alten Stadtbierhalle. In der Innenstadt kostet die Halbe noch 4.50 Euro. Wenig frequentiert schien auch der Biberkeller. Dienstag Abend war da nicht mal die Hälfte des Biergartens um halb zehn Uhr Abends voll. Dafür in der Innenstadt italienisches Flair, vergleichbar mit schönen Sonnenabenden in Bergamo.
Möglicherweise muss man einfach umdenken und einiges hat sich vielleicht überlebt. Krampfhafte Versuche Besucherströme auf einen Gigelberg zu locken funktionieren wohl einfach nicht. Tribünen zu sperren funktionierte noch nie. Ob da Biberfunkeln stattfindet oder nicht – egal. Grillstände auf Sondernutzungsflächen zu verbieten. Sorry – haben wir sonst noch andere Probleme?
Schützen behutsam neu denken – das wäre vielleicht angesagt.
Ergänzend noch ein Leserbrief, der an die Schwäbische Zeitung gerichtet ist und auch uns zur Verfügung gestellt wurde. Der Leserbrief bezieht sich auf die Absage des Biberfunkelns wegen der Tribünengebühren – auch wir hatten darüber berichtet:
Leserbrief zum Artikel „Enttäuschung für Besucher: Beliebte Veranstaltung am Schützendienstag abgesagt“ (15.07.2026)
Als treue Schützen Besucherin frage ich mich inzwischen, ob wir uns noch auf dem größten Heimatfest Oberschwabens befinden oder bereits in einem Freilichtmuseum für Verordnungen und Gebühren.
Mit der Absage des Biberfunkelns verschwindet wieder ein Stück gewachsene Tradition. Schade eigentlich. Vor allem, wenn der Eindruck entsteht, dass Engagement und Gemeinsinn immer häufiger an Vorschriften scheitern. Aber vielleicht habe ich das Konzept auch einfach noch nicht verstanden.
Womöglich gehört die Zukunft des Schützen tatsächlich einem neuen Geschäftsmodell. Sitzt man demnächst mit seinem Eis auf einer ohnehin aufgebauten Tribüne, erscheint ein freundlicher Kontrolleur und kassiert eine „Sitzplatznutzungsabgabe“. Für besonders spontane Besucher könnte man gleich Automaten aufstellen: 2 Euro fürs Sitzen, 1 Euro fürs Stehen und 50 Cent Zuschlag fürs Genießen des Festes. Ein kleines Spendenkässle daneben würde die Sache zumindest sympathisch machen.
Auch kulinarisch scheint eine neue Ordnung einzuziehen. Auf dem Festplatz werden Bierpreise abgestimmt, während in der Altstadt unsere geliebten Wurstwagen verschwinden sollen. Dabei waren diese doch nie die große Konkurrenz. Ihre wahre Stärke lag darin, den hungrigen Nachtschwärmer zu versorgen, wenn auf dem Gigelberg längst aufgeräumt wurde – und das oft zu Preisen, bei denen man nicht erst einen Kleinkredit beantragen musste.
Natürlich braucht ein Fest Regeln. Ohne sie würde vermutlich das blanke Chaos ausbrechen. Doch momentan entsteht leider der Eindruck, dass immer mehr geregelt, gesteuert und eingeschränkt wird. Und wo viele Menschen vor allem Tradition, Gemeinschaft und Lebensfreude sehen, scheinen andere zuerst Taschenrechner und Paragraphen zu zücken.
Liebe Schützendirektion, Schützen ist groß geworden, weil Menschen zusammenkommen, etwas auf die Beine stellen und gemeinsam feiern. Vielleicht lohnt es sich, in einer ruhigen Minute darüber nachzudenken, ob wirklich jede Entscheidung dem Geist des Festes dient oder manchmal doch eher dessen Kassenlage.
Eine Schützen Freundin, die lieber Menschen zählen würde als Vorschriften.