Die Stadt liebt Freiräume. Das verkündet sie jedenfalls auf Hochglanzbroschüren, bei Pressekonferenzen und in wohlklingenden Leitbildern. Freiräume für Gastronomie. Freiräume für Begegnung. Freiräume für urbanes Leben.
In der Realität sehen diese Freiräume erstaunlich nach Gebührenbescheiden, Sondernutzungssatzungen und neuen Auflagen aus. Wer einen Tisch vor die Tür stellen möchte, braucht inzwischen fast ein Studium der Verwaltungswissenschaften – und selbstverständlich die passende Überweisung.
Man könnte meinen, die Stadt habe den Begriff „Freiraum“ einfach neu definiert: Freiräume entstehen dort, wo Gastronomen weniger Geld haben und die Stadtkasse mehr. Das schafft schließlich Platz – zumindest in den Haushaltsplänen.
Die einzigen, die tatsächlich von großzügigen Freiräumen profitieren, scheinen die Bürokraten im Rathaus zu sein. Dort gedeihen kreative Ideen für weitere Formulare, neue Gebühren und noch originellere Begründungen, warum all das selbstverständlich dem lebendigen Stadtleben dient.
So bleibt am Ende nur eine Erkenntnis: Die Stadt schafft tatsächlich Freiräume. Nur eben nicht für ihre Bürger, sondern für die grenzenlose Fantasie ihrer Verwaltung.
Persönlicher Zusatz:
Freiräume gibt es ehrlicherweise ausschließlich in der geistigen Umnachtung der bürokratischen Stadtmitarbeiter.
Ein Beitrag von Harry Haller.