Abkotzen statt Abo

Mit einem „Herzlich Willkommen“ (sic!) werden die Menschen begrüßt, die sich die SchwäZ probeweise für zwei Wochen ins Haus bringen lassen. Da vergeht einem gleich am ersten Tag die Lust auf ein Abo, denn wenn man bereits in der ersten Zeile mit einem Rechtschreibfehler gequält wird, dann weiß man: hier handelt es sich garantiert nicht um eine Qualitätszeitung. Schade, dass den BürgerInnen der Wielandstadt so etwas zugemutet wird.

Wenn der Zeuge zweimal lügt…?

Samstagnachmittag in der Flüchtlingsunterkunft in der Bahnhofstraße. Öffnet man im zweiten Stock die Tür zu einem Zimmer, in dem mehrere Gambier wohnen, bietet sich einem ein seltsames Bild: zwei Männer sitzen dort, einer offenbar afrikanischer Herkunft, haben Bibeln auf dem Schoß und diskutieren mit einem der Flüchtlinge. Missionierung im Flüchtlingsheim? Das darf wohl nicht sein. Kurze Pause der Geschichte: ein Besuch in der Bleicherstraße ist nötig. Von dort ein Anruf aus der Bahnhofstraße und zurück geht’s dorthin mit dem Fahrrad. Die beiden Männer mit den Bibeln sitzen immer noch da. Auf Nachfrage geben sie sich als Zeugen jehovas zu erkennen. Dass ihre Missionsarbeit nicht gestattet sein soll, sei ihnen nicht bekannt. Frage: Soll ich die Security holen oder die Polizei. Einer der beiden entscheidet sich für die Security, die wir dann gemeinsam aufsuchen. Fazit: Missionsarbeit sei nicht gestattet.
Rückkehr aufs Zimmer. Der zweite Mann hat sich mittlerweile vom Tatort entfernt. Der Missionar aus Afrika aber behauptet, von dem Verbot nichts zu wissen. Dann hat ihn wohl seine „Kirche“ schlecht informiert. Und er behauptet noch etwas Weiteres: Im Flüchtlingsheim in der Bleicherstraße dürfe er missionieren. Das habe er schriftlich vom Landratsamt. Kaum zu glauben, dass das LRA das genehmigt haben soll. In der Hausordnung, die in der Bleicherstraße aushängt, ist von Missionsarbeit allerdings nirgends etwas zu lesen. Da wird man wohl noch einmal nachfragen müssen.
Mehr zum Thema hier.

In München sieht man die Dinge so:
„Frage 1: Ist der Oberbürgermeister auch der Meinung, dass die Flüchtlinge, die verunsichert und oft traumatisiert endlich in München, in staatlichen und städtischen Einrichtungen sicher untergekommen sind, vor Sektenmitgliedern und anderen Fanatikern geschützt werden müssen?
Antwort:
Alle neu in München ankommenden Flüchtlinge suchen bei uns in erster
Linie ein sicheres Leben, sie suchen die Achtung ihrer Menschenwürde
und ihrer Menschenrechte. Was sie sicher nicht suchen, ist eine neue Religion.
Das Ausnutzen ihrer etwaigen Traumatisierung oder Unsicherheit im
neuen Lebensumfeld zu Missionierungen jeglicher Art ist nicht vereinbar
mit dem uneingeschränkten Grundrecht auf Religions- und Meinungsfreiheit
in Deutschland und muss verhindert werden. Besonders unsichere
oder einsame Menschen bzw. Menschen in unsicheren Lebenssituationen
lassen sich von Sekten leicht abhängig machen“

Gülen – Ein Beitrag zur Differenzierung

In dieser Zeit des Schwarz-Weiß Denkens (Erdoğan = böse – Putsch = nicht so ganz demokratisch oder Gülen=Terrorist  – Erdoğan=Retter der Demokratie) hilt es, möglichst viele verschiedene Stimmen zu lesen. Der Deutschlandfunk trägt jetzt in seiner Religionssendung „Von Tag zu Tag“ zur Differenzierung bei. Lesen Sie selbst hier. Und dann diskutieren sie darüber mit ihren türkischstämmigen MitbürgerInnen.

Zitat des Tages

„In diesen Tagen denke ich tatsächlich oft an Nazim Hikmet. Er war der beste Dichter der Türkei und starb im Exil. Der beste Regisseur dieses Landes war Yilmaz Güney – er starb im Exil. Der beste Sänger dieses Landes war Ahmet Kaya – er starb im Exil. Wir haben eine lange Tradition von Regierungen, die Andersdenkende hassen. Doch niemand erinnert sich an die Namen dieser Regierungen. Woran wir uns erinnern sind jedoch Nazim Hikmet, Yilmaz Güney und Ahmet Kaya.“
Can Dündar in der FAZ

Informatives über kurdische Kultur

Wer mehr über die Kurden wissen möchten, zu denen die Türkei ein so problematisches Verhältnis hat, dem sei die folgende Sendung im Deutschlandfunk heute abend um 19.15 Uhr empfohlen.

106, Rue de la Fayette, Paris – Über die Entwicklung der kurdischen Gesellschaft im Brennpunkt vielfältiger Kulturen

Seit mehr als 30 Jahren fördert der Leiter des Kurdischen Kulturinstituts in der Rue de la Fayette, der Teilchenphysiker Kendal Nezan, den Dialog zwischen Vertretern der zentralasiatisch geprägten kurdischen Welt, den verschiedenen Strömungen des Islam und der französischen Republik. Damit hat das Kulturinstitut die französische Politik im Nahen Osten wesentlich beeinflusst. Obwohl es nur über einen Bruchteil der Mittel verfügt, mit denen der französische Staat und Saudi Arabien das benachbarte Institut du Monde Arabe finanzieren, das in Paris ein Aushängeschild des sunnitischen Islam ist. Darüber hinaus engagiert sich Kendal Nezan für die Integration der Exilkurden in die demokratischen Strukturen ihrer europäischen Gastländer und für den Aufbau eines modernen Staatswesens in den kurdischen Gebieten im Irak und in Syrien. Dort sollen die Menschenrechte genauso respektiert werden wie die eigenen Traditionen.

Wer ist dieser Fethullah Gülen?

Schwer zu sagen. Hier mal seine Website. Und hier ein Leserbrief aus der heutigen SZ.

SZ, Leserbriefe, 18.8.2016

Gülen und die Wissenschaft

Christiane Schlötzer schreibt. „Dass Gülens Anhängerschaft bald viel schneller wächst als die anderer Gruppierungen, liegt an der Botschaft: Moderne Wissenschaft und Islam sind kein Widerspruch.“
Der Leser könnte daraus den Schluss ziehen, dass Fethullah Gülen und seine Anhänger der Wissenschaft zugeneigt seien.
Das Gegenteil ist der Fall. Lassen wir Gülen selbst seine Widerspruchsfreiheit zwischen Glauben und Wissen erklären: „Koran und Hadith sind wahr und absolut. Wissenschaft und wissenschaftliche Fakten
sind wahr, solange sie mit Koran und Hadith übereinstimmen. Sobald sie aber eine andere Position einnehmen oder von der Wahrheit von Koran und Hadith wegführen, sind sie fehlerhaft * “ (F. Gülen, Fragen
an den Islam 1, Offenbach 2009). Nach dieser Logik ist ein Widerspruch zwischen Wissenschaft und Islam schlecht möglich, weil der Islam die Wahrheit selbst ist.

Gülen schreibt über die Evolutionstheorie: „Es dürfte uns kaum gelingen, ein Gedankengebäude zu finden, das ähnlich stark ausgehöhlt und untergraben wurde wie der Darwinismus. Trotzdem wurde der
Kern der Theorie Darwins bis heute künstlich am Leben gehalten.“ Gülens astrononiisches Weltbild entspricht dem des Ptolemäus, das zu Lebzeiten des Propheten Mohammed Stand der Wissenschaft war. Danach kreisen die Sterne und Planeten am Himmel um die Erde: „Innerhalb dieser
Ordnung“, schreibt Gülen, „werden die Himmelskörper von unsichtbaren Stützen gehalten.“ Dann zitiert er den Koran (Sure 22, Vers 65): „Und er [Allahl hält den Himmel zurück, damit er nicht auf die Erde fällt, es sei denn mit seiner Erlaubnis.“

Das sind Vorgaben, nach denen weltweit in Gülens Schulen unterrichtet und an seinen Universitäten gelehrt wird. Unglaube ist für Gülen und seine Anhänger das schwerste denkbare Verbrechen: „Unglaube ist ein viel schwereres Verbrechen als Mord.“ Es lohnt sich, Fethullah Gülens Bücher zu lesen. Man versteht ihn dann besser. Sie werden in Deutschland kostenlos verteilt.

Dr. Hermann Funke, Hamburg

Freunde des Erdoğan-Bashings dürften sich über diesen Link freuen. Für dessen Seriosität übernehmen wir keine Garantie. Die Fotos sind allerdings beeindruckend. Und natürlich darf hier ein Quantum Verschwörungstheorie nicht fehlen. Donald Trump macht es möglich.

 

Wie sich die Eindrücke gleichen…

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„Die Türken fragen den Deutschen, warum dem Westen der Erfolg der Türkei missfalle. Sie hätten gehört, dass die Deutschen den dritten Flughafen, das neue Drehkreuz für Turkish Airlines in Istanbul, verhindern wollten, aus Sorge um die Lufthansa. Ein anderer fragt, warum die USA vor dem letzten IS-Anschlag in Istanbul ihre Bürger warnten, einen Hinweis auf die Website der Botschaft setzten – aber die Türken nicht informierten.

Die CIA wisse Bescheid über alles in der Türkei, glaubt Bezirksvorsteher Can Cumurcu, daraus folgert die Runde am Tisch, sie habe auch von dem geplanten Putsch gewusst, sagte aber nichts. Warum? Menschen sperren sich ein in ihrer Weltsicht, sie lassen niemanden mehr hinein. “
Diese Zeilen schreibt der Journalist Raphael Geiger am 11. August 2016 im Stern. Auch hier finden sich die Anklänge an Verfolgungswahn und Verschwörungstheorien. Geiger weiter: „Erdogan weiß, dass die Leute sich herabgesetzt fühlen vom Westen, sie möchten bewundert werden für ihren Aufstand gegen den Putsch. Sie sind verletzt, empfänglich für Verschwörungstheorien. Empfänglich für alles, was Erdogan sagt.“

Dass Geigers Eindrücke auch noch in anderen Punkten mit unseren übereinstimmen, können Sie hier nachlesen.

Ausnahmsweise… Mein Urlaub in der Türkei. Fragmente einer Reportage. (Teil 5)

Hinweis: Sie möchten unsere Türkeiartikel kommentieren? Dann klicken Sie jeweils links auf „Leave a comment“.

(16) Das mit der Meinungsfreiheit ist so eine Sache. „Was darf die Satire?  Alles.“ schrieb Kurt Tucholsky am 27. Januar 1919. Erklären Sie mal einem Türken, wieso so ein Schmähgedicht wie das von Böhmermann erlaubt sein soll. Viel Spaß! Da nützt es Ihnen auch nichts, darauf zu verweisen, dass ja in Deutschland auch so etwas und so etwas und so etwas und so etwas über Merkel erlaubt sei. Aber in der Diskussion wandert der Schieber von „Das ist doch geschmacklos!“ ganz schnell zu „Hier wird das ganze türkische Volk beleidigt.“ Und angesichts der Titanic-Titel hat man es mit deren Verteidigung schon schwer. Die Titanic legt natürlich zum Thema Erdoğan noch pubertär nach, siehe August-Titel. Und was John Oliver zum Thema einfällt, sehen Sie hier.

(17)

sicak

Es ist heiß in der Türkei. die Metro in Izmir zeigt auch um 23 Uhr noch eine Außentemperatur von 34  Grad an.

Der Autor dieses Textes wäre nicht nur deswegen in diesen Zeiten nicht unbedingt in die Türkei zum Urlauben gefahren. Man machte das ja auch früher nicht: im Franco-Spanien zu urlauben, unter den Militärjunta-Griechen Retsina zu schlürfen, in die USA mit der Todesstrafe, äh, Moment…
Es war die Einladung eines studentischen Freundes, der im letzten Jahr ein zweimonatiges Praktikum in Biberach absolvierte, am Weberberg zu Gast wohnte und als gläubiger Moslem das Schützenfest ohne Alkohol durchlebte, der der Autor folgte. Die große Schwester des Studenten heiratete in Bilecik, einer Stadt etwa von gleicher Größe wie unsere Kreishauptstadt an der Riss. Anlass genug, trotz allem, für einen Besuch in der Türkei. Auch wenn dadurch die zweite Hälfte des Schützenfests verpasst wurde.

kordon

Aber im quirligen Izmir gab es dafür tröstlichen Ersatz. Der Kordon, die lange Promenade, die sich am Golf von Izmir entlangzieht, ist dort, wo das Vergnügungsviertel Alsancak an die Küste stößt, voller Menschen, die auf dem Rasen sitzen, plaudern, Bier trinken, kiffen oder flirten. Da lässt sich Vieles vergessen, bis man dann sein Smartphone wieder einmal hervorzieht und spiegel.de aufruft.

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Der Journalist Hasnain Kazim, einst SPIEGEL-Korrespondent in Istanbul, aber seit Kurzem dort nicht mehr geduldet, schreibt, gemischte Studentenwohnheime seien unter Erdoğan nicht mehr geduldet. Die Metro fährt durch die Nacht und meine Freunde zeigen auf ein Studentenwohnheim an der Bahnstrecke. Durch die Fenster sieht man junge Männer und Frauen miteinander plaudern….

(18) Mit Türken in Deutschland über Politik zu reden, ist mitunter schwierig. Der SPIEGEL-Mann erhält nach kritischen Artikeln regelmäßig wüste Beschimpfungen und Morddrohungen. In Biberach geht es friedlicher zu, aber nur zu oft ist man auch hier bei Diskussionen mit einer unauflösbaren Mischung von Minderwertigkeitskomplex, Größenwahn, Verfolgungswahn und Verschwörungstheorien (11. September?  Die Juden waren’s! Charlie Hebdo? Eingefädelt, um die Moslems zu diskreditieren. usw.) konfrontiert. (Das mit den Verschwörungstheorien dürfte sich in Zukunft noch verschärfen. Die Türkei baut derzeit den größten Flughafen der Welt. Die Folge wird sein, dass die Türken mehr denn je den gefährlichen Chemtrails ausgesetzt sein werden.)

Meine Türkeireise begann mit einem Musterbeispiel. Im kleinen Flughafen von Friedrichshafen steht ein einsamer Streifenwagen unweit der Treppe, mit der man den Flieger nach Istanbul besteigt. Und ein türkischstämmiger Biberacher Kleiderhändler fühlte sich dadurch beleidigt. Offenbar traue man den Türken nicht. „Warum steht gerade hier die Polizei und nicht bei den anderen Flugzeugen da? Was ist das für eine Missachtung?“ Die anderen Flieger parkten nur. Passagiere für sie waren nicht in Sicht. Dass der Streifenwagen vielleicht auch zur Sicherheit der türkischen Fluggäste anwesend sein könnte, kommt dem jungen Mann offenbar nicht in den Sinn.

Dass dann auch noch sein kritischer deutscher Gesprächspartner gleich neben ihm platziert wird, ist Anlass für weitere Mutmaßungen. Ausgerechnet diese „Missgeburt“ (O-Ton) sitzt neben ihm! Der Deutsche, Verfasser eines von etlichen Lernern geschätzten Türkischkurses, kennt das Heimatland des türkischen Fluggastes zwar wesentlich besser als der selbst, aber Respektlosigkeit gegenüber Erdoğan und somit dem türkischen Volk, dessen Gastarbeiter Deutschland groß gemacht hätten, kann man ihm getrost unterstellen. Deutsch-türkische Beziehungen sind – und bleiben – wohl einfach nicht einfach.

Kein Trost ist es, dass auch die Deutschtürken in Diskussionen immer schwieriger zueinander finden, wie DIE ZEIT berichtet.

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(19) „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“ – Bundespräsident Gustav Heinemann auf die Frage, ob er diesen Staat denn nicht liebe. Zitiert von Hermann Schreiber in DER SPIEGEL, 13. Januar 1969. Schwer vorstellbar, eine solche Aussage aus dem Munde eines türkischen Präsidenten zu hören. Schwer vorstellbar auch, in der Tagesschau einen bei einem Terroranschlag verwundeten Deutschen im Krankenhaus liegen zu sehen, hinter ihm an der Wand die schwarz-rot-goldene Fahne, die er dann im Verlauf des kurzen Interviews küsst. In der Türkei ist das (mit türkischer Fahne, versteht sich) nicht ungewöhnlich.

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Bildtext: „Die Türkei bei der Demokratiewache – Die Landsleute verlassen die Platze millionenfach nicht.“ Gemeint sind die Plätze in den Großstädten, in denen TürkInnen nachts zu Tausenden für die Demokratie demonstrieren.

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Bild: auf dem Konak in Izmir.

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Bildtext: Dieses Vaterland ist unser. Diese Fahne ist unsere.

Sind die Fahnenküsser, -träger und -schwenker alle verbohrte Nationalisten? Oder haben wir es einfach mit einer anderen Geschichte und einer anderen Kultur zu tun, die wir erst noch verstehen müssen? In Deutschland fänden sich sicher genügend Leute, denen es im Traum nie einfallen würde, ihr Auto mit einer deutschen Fahne zu schmücken, nicht einmal zu Zeiten der EM oder WM. Aber wie erklärt man dies einem Türken? Und wie erklärt der Türke einem dies:

Wirtschaftsminister Nihat Zeybeki drohte ihnen (den Putschisten, d. Red.) eine brutale Bestrafung an. „Wir werden sie in Löcher stecken, und in diesen Löchern werden sie eine solche Bestrafung erhalten, dass sie bis zu ihrem letzten Atemzug die Sonne nicht mehr sehen werden“, wurde er von der Nachrichtenagentur Dogan zitiert. „Sie werden keine menschliche Stimme mehr hören. ‚Tötet uns‘, werden sie betteln“, sagte der Minister demzufolge weiter. (Zitiert nach  der österreichischen „Die Presse“)

Glaubt man in der Türkei, dass man an einen Staat, in dem ein Minister so etwas sagt, Menschen ausliefert, in dem treuen Glauben, dass sie dort ein gerechtes Verfahren erwartet?

Und noch etwas eignet sich als interkulturelles Diskussionsthema: Warum ist BILD.de in der Türkei seit langem nicht mehr zugänglich? Sind es Artikel wie dieser hier, die irritieren?

(Wird fortgesetzt.)

Ausnahmsweise… Mein Urlaub in der Türkei. Fragmente einer Reportage. (Teil 4)

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(12) Es ist schwierig, sich ein genaues Bild davon zu machen, was tatsächlich vorgefallen ist. Schon lange spricht Erdoğan von „Parallelstrukturen“, die sich in Staat und Gesellschaft bildeten. Strukturen, die, so liest man jetzt, von Fethullah Gülen initiiert und gesteuert wurden, dem Mann, von dem manche sagen, er wäre nach einem erfolgreichen Putsch, wie einst Chomeini aus Frankreich in den Iran, aus seinem Exil in Pennsylvania in die Türkei zurückgekehrt. Über die Gülen-Bewegung, die in Deutschland etwa 300 Schulen und Bildungseinrichtungen betreiben soll, weiß der Verfassungsschutz Einiges, der Durchschnittsdeutsche wenig.  In vielen Zeitungsartikeln ist der Hauptvorwurf an die Organisation: zu wenig Transparenz.
In der Türkei nennt man sie jetzt stets schlicht FETÖ (Fethullahçı Terör Örgütü), also die Terrororganisation der Fethullah Gülen-Anhänger. Einen Gerichtsentscheid braucht es für diese Beurteilung nicht. Es ist aus türkischer Sicht alles eindeutig, nur der Westen wolle davon nichts wissen. In der Türkei aber gilt: „Halk demokrasi için tek yürek“  – Das Volk ist für die Demokratie einen Herzens. Und Gülen gehört garantiert aus dieser Position nicht zu den demokratischen Kräften. Der oben abgebildete Buchtitel „Das lächelnde Gesicht des Teufels“ spricht für sich.

(13) Mit dem lächelnden (türkisch: gülen) Baby unten hat es eine besondere Bewandnis. Das Baby taucht am Ende eines mysteriösen Werbespots auf, der im Fernsehen für die der Gülen-Bewegung nahestehende Zeitung ZAMAN wirbt. (Klicken Sie auf das Babyfoto, um ihn zu sehen. Der anfangs eingeblendete weiße Text auf schwarzem Grund gehört nicht dazu.) Man hört Sirenengeheul und sieht Luftaufnahmen einer Stadt. Es folgt kurz ein Schwarzbild und dann ein lächelndes (gülen) Baby. Zum Schluss der Schriftzug ZAMAN (auf Deutsch: Zeit). Welche Botschaft wollte dieser Spot vermitteln, der etwa neun Monate (so lange braucht ein Baby bis zur Geburt) vor dem Putsch ausgestrahlt wurde? War er ein Startzeichen zum neun Monate später folgenden Putsch? Ist das Verschwörungsparanoia? Wenn nicht, wie aber ist der Spot zu interpretieren? Ein Mysterium.

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(14) Es wäre schlimm gewesen, wenn der in Deutschland ungeliebte Staatschef Erdoğan einem Attentat zum Opfer gefallen wäre. „Endlich wieder Demokratie!“ hätten sicher einige Idioten in Deutschland gejubelt und sich verblüfft die Augen gerieben, wenn die Alternative so ganz anders ausgefallen wäre, vielleicht, so einige Vermutungen, als Gottesstaat nach iranischem Muster. und keineswegs als Demokratie westlichen Musters.  Überhaupt gibt es befremdliche Ausblendungen. Das Bild von dem Chinesen, der sich alleine den Panzern auf dem Tiananmen-Platz entgegenstellte, ist zur Ikone geworden. Photos von den mutigen Türken und Türkinnen (mit und ohne Kopftuch), die Panzer in Istanbul ausbremsten, sind rar, wenn man sie denn findet. Und niemand postet ein „Ich bin Istanbul“ auf Facebook, trotz 250 Toten und Tausender von Verletzten.

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Im türkischen Fernsehen aber laufen Videos der Putschnacht auch drei Wochen nach dem Ereignis immer wieder und illustrieren die endlosen Diskussionen zum Thema, die dort stundenlang zu verfolgen sind. Ebenso häufig sieht man Live-Einblendungen von den zahllosen Massendemonstrationen für die Demokratie in den großen Städten.

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(15) Wer verstehen will, wie erleichtert die Türken über das Scheitern des Coups waren, sollte sich noch einmal die Folgen des Putsches von 1980 vor Augen führen:

  • The Turkish Parliament was dissolved, the Constitution was revoked, all political parties were shut down and their assets were seized.
  • 650,000 people were taken into custody
  • 230,000 people were put on trial
  • 1,683,000 people were blacklisted
  • Military prosecutors demanded the death penalty for 7,000 people
  • 517 people received the death penalty
  • 50 people were hanged
  • The military rule revoked the citizenships of more than 14,000 people
  • 388,000 citizens were denied Turkish passports
  • 30,000 people fled Turkey to seek refuge abroad
  • 299 inmates died in prisons due to „indeterminate“ reasons
  • 14 inmates died in hunger strikes
  • 171 people died under torture
  • 3 journalists were killed
  • 4,000 years of prison time was requested for 400 journalists
  • 31 journalists were jailed
  • Newspapers could not print for 300 days
  • 39 tons of newspapers and periodicals were destroyed
  • 937 movies were banned from screening

(Quelle: Hürriyet Daily News)

(Fortsetzung folgt.)

Hilfe gesucht

In den Sommerferien machen einige Deutschkurse für Flüchtlinge Pause. Und auch die ehrenamtlichen Deutschhelfer gehen in Urlaub. Das führt zu Engpässen, denn die Zahl der lernbegierigen Flüchtlinge, die derzeit keinen regelmäßigen Kurs besuchen können, wächst und gleichzeitig nimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Lernhelfer ab. Vor einigen Wochen war das noch ganz anders. Wenn Sie also Lust haben, Menschen Deutsch beizubringen, die es dringend brauchen, oder sie beim Deutschlernen zu unterstützen, schauen Sie mal im LivingRoom in der Waaghausstraße 6, gleich hinter dem Rathaus,  vorbei. Der offene Treffpunkt ist montags, mittwochs und freitags von 9:30 Uhr bis 11 Uhr besetzt, am Dienstag und Donnerstag von 15:30 Uhr bis 17 Uhr.

Ausnahmsweise… Mein Urlaub in der Türkei. Fragmente einer Reportage. (Teil 3)

(8) Parolen, Parolen, Parolen

minet

„Wir sind unserer Nation dankbar. Für das Vaterland sind wir auf der (Mahn-)Wache.“

inan

„Wir glauben an die Demokratie“ – In der U-Bahn und auf vielen Großbildschirmen zu lesen.

egil

„Die Nation beugt sich nicht. Die Türkei wird nicht besiegt.“

tekyurek

„Millionen sind einen Herzens.“ – TeilnehmerInnen der Kundgebung Erdoğans und zweier Oppositionsführer in Istanbul. Fünf Millionen Menschen sollen laut Angaben der Polizei daran teilgenommen haben.

sehit

„Wir haben den Putschisten eine Lektion erteilt. Die Demokratie ist als Sieger hervorgegangen. Danke, Bürger von Osmaneli!“ steht links. Auf dem Plakat ist ein Soldat aus Osmaneli abgebildet, der offenbar beim Putsch zu Tode gekommen ist. Üblicherweise werden im Dienst getötete Soldaten oder Polizisten als Şehit, als Märtyrer, bezeichnet. Verwundete erhalten den Ehrentitel Gazi.

irade

„Der Willenskraft der Nation kann ein Putsch nichts anhaben.“

ordu

Volksarmee war gestern: „Armee und Volk Hand in Hand“.

(9) Eine große Anzeige in „Yeni Akit“, bezahlt von der Liga der Freunde Eurasiens, lässt wissen, dass es sich bei Recep Tayyıp Erdoğan um einen „Lider“, einen Führer also, handelt, der auf der Welt seinesgleichen nicht hat. Wütend berichtet die Zeitung darüber, dass die Live-Übertragung einer Rede Erdoğans an die Mammutdemonstration (dev mitingi) in Köln nicht genehmigt wurde. (Ursprünglich war dort mit 30.00, dann mit 50.000 TeilnehmerInnen gerechnet worden. Während auf spiegel.de dann von letztlich nur 20.000  Menschen die  Rede ist, flackert die Zahl 100.000 über einen türkischen Fernsehschirm.) Später scheint sich dann die Zahl 40.000 durchzusetzen.  Das große Treffen für die Demokratie in Istanbul zog, so berichten türkische Medien später, fünf Millionen Menschen an. Auch als die Zahl erst bei 3,5 Millionen lag, berichtete die deutsche Presse lediglich von Hunderttausenden. Wer ist jetzt das Lügenmedium?

(10) Die regierungskritische Cumhuriyet erscheint nach wie vor. Der Sözcü ist auch zu haben, die Website der Bir Gün ist nach längerer Pause wieder zugänglich. Sie macht heute mit einem neuen Skandal auf. Nachdem kürzlich am Wiener Flughafen Schwechat eine Leuchtschrift der Kronenzeitung zu lesen war, die besagte „Wer in der Türkei Urlaub macht, unterstützt Erdoğan“, liest man jetzt: „Türkei erlaubt Sex mit Kindern unter 15 Jahren„.  (Die entsprechende Gesetzgebung ist mindestens genauso problematisch wie diese Schlagzeile.)  Auch „Leman“ gibt es wieder am Kiosk. Die Putsch-Ausgabe der satirischen Wochenzeitschrift war offenbar wegen einer Titelkarikatur verboten worden, in denen zwei große Hände das Volk und die Armee einander gegenüber schoben. Im Internet gibt es diese noch.

(11) Man kann nur zu gut verstehen, dass die meisten Türken froh sind, dass der Putsch nicht erfolgreich war. Die vielen Jahre unter Herrschaft des Militärs, die es bisher bereits in der Türkei gab, waren nie gut. Willkürliche Verhaftungen, Folter und Todesurteile gab es immer wieder. Irritierend für Deutsche ist dennoch die aus westlicher Sicht kultische Verehrung, die ein Mann wie Erdoğan findet. In den Augen vieler Deutscher sieht man ihn als Diktator, der die Presse knebelt, vom Rechtsstaat nichts hält, und – wenig souverän – einen kleinen deutschen Satiriker wegen eines albernen Schmähgedichts verklagt. Und der jetzt nach dem Motto handele „Shoot first and ask questions later“.

Der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Parlaments in Ankara, der AKP-Politiker Mustafa Yeneroğlu, formuliert das im Deutschlandfunk dezenter: das Land habe sich in einer Notsituation befunden. Jeder andere Staat in Europa hätte sich in einer vergleichbaren Lage ebenso verhalten. Mit Blick auf die Verfolgung der vermeintlichen Anhänger der Gülen-Bewegung meint Yeneroğlu, die Betroffenen würden zunächst suspendiert, anschließend werde die Verhältnismäßigkeit geprüft. Nach seiner Ansicht wird das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit dabei gewährleistet. Das dürfte schwierig werden. Die ohnehin überfüllten türkischen Gefängnisse sind jetzt noch voller. Für Prozesse braucht es Richter und Staatsanwälte. Viele von ihnen sind verhaftet, Ersatz wird nicht leicht zu finden sein. Auch  Rechtsanwälte, die noch sind, einen vermeintlichen Fethullah-Anhänger zu verteidigen, sind rar gesät. Manche fürchten, dann selbst zu Opfern der derzeitig laufenden „Säuberungen“ zu werden, sei es durch staatliche Organe, sei es durch „das Volk“.

 

 

 

 

Ausnahmsweise… Mein Urlaub in der Türkei. Fragmente einer Reportage. (Teil 2)

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(5) Aber natürlich gibt es auch die andere Seite. Der Tourist, der nächtens sich auf dem Konak, dem großen Versammlungsplatz in Izmir, eingerahmt von den Gebäuden der Stadtverwaltung und des Bezirksgouveneurs, einfindet, ganz wider der Warnung des deutschen Außenministeriums, Menschenansammlungen zu meiden, kann unbehelligt fotografieren. Und er wird Ohrenzeuge eines bizarren Disputs. Auf dem Zugangsweg zum Konak bieten HändlerInnen Schuhe und Seidenschals an, aber auch Recep Tayyıp Erdoğan-Devotionalien, patriotisch betextete Spruchbänder und natürlich Fahnen, Fahnen, Fahnen. Ein Fahnenhändler hat seine Waren auf einem Plastiklaken am Rande des Gehsteigs platziert. Er wird von zwei Männern mittleren Alters, beide mit Fahnenstangen ausgerüstet, harsch angegangen: er solle gefälligst die türkische Fahne nicht auf den Boden legen. Der Mann macht Anstalten, die Fahnen aufzuheben, die Männer ziehen weiter. Die Fahnen bleiben liegen, wo sie bisher lagen.

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(6) In den türkischen Städten ziehen dieser Tage die Menschen zu Zigtausenden nachts auf die Plätze. Eine halbe Million Menschen hat sich in Izmir in den zwei Wochen nach dem Putsch auf dem Konak eingefunden. Dort dauern die Kundgebung bis  nachts um 5. Bald fährt dann wieder die Metro.Von einem Frittierwagen aus wird – gratis – Lokma verteilt, die süßen Teigbällchen. Die Schlange davor ist lang.  Eine Gruppe junge Männer windet sich mit Fahnen polonaiseartig durch die Menge und ruft „Allahu akbar!“.

konak

Auf Großbildschirmen ertönen heiser gewordene Stimmen von Lokalpolitikern. Umgeben von Atatürkbildern, von Erdoğanbildern, von Fahnen kann man Rede um Rede verfolgen.

folkart

(7) Die beiden höchsten Bürohochhäuser in Izmir, vor kurzem noch die fünfthöchsten Wolkenkratzer in Europa, die Folkart Towers, sind normalerweise nachts mit Lichtbändern in wechselnden Farben geschmückt. Jetzt gibt es nur noch eine Farbe: das patriotische Rot der türkischen Fahne. Auf den Dächern der beiden Hochhäuser leuchten zwei Worte: „DEMOKRASİ“ steht auf einem, „KAZANDI“ auf dem anderen – „Die Demokratie hat gesiegt“ heißt das auf Deutsch. LeserInnen von Spiegel.de muss es wie Orwellscher Hohn vorkommen, aber in Deutschland, wo man sehr viel über die Repressionswelle gegen Journalisten, Richer und Lehrer liest, die zu Tausenden ins Gefängnis wandern, ist erstaunlich wenig über den Mann zu lesen, der hinter dem Putsch stecken soll und wohl zumindest beteiligt war – Fethullah Gülen.
Nicht nur an Orwell, auch an finstere Zeiten in Deutschland erinnern die unendlich vielen Plakate und Spruchbänder, die die türkischen Städte derzeit zieren: „Eine Nation. Eine Fahne. Ein Vaterland. Ein Staat.“ steht da. Und darunter: „Alle gemeinsam zum Besseren, zum Schöneren.“
Wer deutsche Maßstäbe anlegt, ist fassungslos. Aber sie anzulegen, wäre arrogant:  an der deutschen politischen Kultur soll gefälligst auch die Türkei genesen?

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(Wird fortgesetzt.)

 

 

Ausnahmsweise… Mein Urlaub in der Türkei. Fragmente einer Reportage. (1)

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(1) Şaban Güldür* seufzt. Der Zeitungshändler steht am Abend neben seinem noch vollen Zeitungsständer. Niemand will die letzten verbliebenen – regierungstreuen – Zeitungen kaufen. In den Teegärten herrscht gedrückte Stimmung. Kaum einer wagt es, politische Themen anzusprechen. „Çok sıcak!“ ist die am häufigsten gehörte Wendung: „Sehr heiß“. Das Wetter bleibt ein sicheres Thema. Am nahen Strand sieht man einzelne Frauen im Burkini baden. Einen Badeanzug oder gar Bikini zu tragen traut sich im von Erdoğan zunehmend zwangsislamisierten Land kaum noch jemand. Frauen ohne Kopftuch? Fehlanzeige. An allen wichtigen Kreuzungen stehen Panzer, Wasserwerfer oder Mannschaftswagen der Polizei. Einzukaufen ist schwierig geworden. Immer wieder sind Straßen abgesperrt, in denen gerade Verhaftungen vollzogen werden. Ein Land im Ausnahmezustand. So etwa stellen sich wohl manche Deutsche das Leben derzeit in der Türkei vor. Die Realität sieht anders aus. (*Name von der Redaktion geändert)

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(2) Eine deutsch-türkische Familie sitzt in Çadarlı, unweit von İzmir, unter Sonnenschirmen auf den Mietliegen am Strand, die es für etwa 12 Euro am Tag gibt. „Anne (Mutter), ich will nach Hause,“ quengelt ein Kind in dem für Deutschtürken typischen Sprachmix. Der Strand ist zum Bersten voll. Burkinis sieht man hier nicht. Dafür viel offenes Haar.  Und wer eine der linken, der kritischen Zeitung aufschlägt, den Sözcü etwa, die Cumhuriyet oder die Bir Gün muss kaum mit Angriffen rechnen. Auch ein Deutscher nicht. Selbst wenn die Akşam mit „Heil Merkel“ aufgemacht hat und die Kanzlerin mit Hitlerbärtchen und so genanntem deutschem Gruß zeigt.

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Selbst wenn – siehe obiges Foto –  die Yeni Akit Anfang August titelt „Deutschland ist kein Freund, Deutschland ist ein Feind“.

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(3) Richtiges bitte ankreuzen: A) Wer jetzt in der Türkei Urlaub macht, unterstützt damit Erdoğan. Unbedingt wegbleiben! B) Das autoritäre Gehabe Erdoğans und die vielen Verhaftungen von Journalisten, Lehrern und Richtern schrecken deutsche Touristen ab. Die unschuldigen Leidtragenden sind all die Kleinunternehmer mit ihren Hotels und Pensionen. Daher: Jetzt erst recht Türkeiurlaub!

(4) Man muss nicht mit halblauter Stimme murmeln, wenn man auch im Kreise von Erdoğan-Anhängern sagt, dass dessen Behauptung, in Deutschland und Österreich dürften Türken weder demonstrieren noch türkische Fahnen schwenken, äh, wohl nicht die Wahrheit sei. Fernsehbilder von der Demonstration in Köln sprechen für sich. Und Erdoğan, der unlängst beim Wahlkampf auch in Deutschland auftrat, sollte es eigentlich besser wissen. Warum sagt er dann so etwas? „Das weiß ich nicht,“ sagt mein türkischer Gesprächsparter, als ob es dafür eine akzetable Begründung geben könnte.

(Fortsetzung folgt.)

Statt Olympia

Biberachs ehemaliger Olympionike Markus Deibler verkauft jetzt, wie man weiß, Eis. Die FAZ widmet ihm heute eine gr0ße Geschichte, siehe hier. Das Wetter machte das in diesem Jahr allerdings zu keinen guten Geschäft. Pech auch für seinen Bruder, Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler. Der setzte heute die Misserfolgsserie der deutschen Schwimmer fort. Der Biberacher kam im Vorlauf über 100 Meter Delphin nicht über den 18. Platz hinaus

Pressefreiheit in der Türkei 2.0

Merkel

Wer meint, in der Türkei gebe es keine Pressefreiheit, braucht sich nur einmal die heutige Ausgabe der „Akşam“ anzuschauen. In Deutschland wäre so etwas wohl kaum möglich…
Man fragt sich, warum die Bundeskanzlerin nicht Manns genug ist, die Entscheidung irgendeines Verfassungsgerichtes in Karlsruhe (!) zu kassieren, wenn diese Entscheidung die deutsch-türkischen Verhältnisse so belastet.
Während Erdoğan bereits die dritte Bosporusbrücke bauen lässt, hat Deutschland noch keine einzige Brücke über den Bodensee gebaut. Und der neue Mammutflughafen in Istanbul wird wohl auch vor dem in Berlin fertig. Und während Erdoğan die Gülen-Schulen in der Türkei schließt, dürfen sie ihre Arbeit in Deutschland fast unbehelligt verrichten und niemand regt sich auf. Und während in Deutschland wegen einer Handvoll RAF-Hansel Notstandsgesetze… usw.
Diskussionsstoff für deutsch-türkische Begegnungen gibt es genug. 🙂
Wir wünschen viel Spaß! (Gebrauchsanleitung: Wie üblich müssen unsere LeserInnen selbst entscheiden, was ironisch gemeint ist).
INFO: Was die BBC über die Gülen-Bewegung sagt.

 

Am Marktplatz: Knapp am Tod vorbei

Eine quasi prophetische Aussage gab der Weberbberg.de-Chef heute von sich. Freunde und Bekannte reagierten besorgt darauf, dass er morgen zu einer Einladung mit Hochzeit in die Türkei fliegen wird. „Ist das nicht zu gefährlich?“ Der Weberberg.de-Chef: „Ich kann auch in Biberach überfahren werden.“ Gesagt und – fast – getan. Als er gegen 12:50 von der Engelgasse aus zum Edeka-Walke rüberging, kam von links ein Bus und der Weberberg.de-Chef musste schnell reagieren und zurückspringen. Der Busfahrer hätte nicht reagiert, denn der war beim Überfahren der Einmündung der Engelgasse im Gespräch mit einem Fahrgast und blickte zu ihr nach hinten. Eine Sekunde später hätte das das Aus für Weberberg.de sein können. So schnell kann’s gehen. Was den Türkeiaufenthalt angeht, gab es Entwarnung von einem türkischen Geschäftsmann: „Da kannst du ruhig hingehen. Jetzt sind alle verhaftet.“

Gemeinderat Ozi?

ozi

Immer wieder gut für neue Nachrichten zu Pizzabäcker Ozi: der Südfinder. Vergangenen Mittwoch war der Mann von der Pizzatheke wieder einmal groß vertreten – mit einer angekündigten Kandidatur zum Gemeinderat. (Bis mal wieder Wahlen sind, dürfte das wohl in Vergesseneheit geraten sein.)  Wahlprogramm des Migrationsgastronomen: Verkürzung der Sperrzeit an Schütza.  Erfolg dürfte er damit bei den Mehrheitsverhältnissen in dem Gremium kaum haben. Aber gut gemeint ist es. Auch in seinem eigenen Interesse, denn er würde nachts gerne länger verkaufen und liegt dabei schon lange mit der Stadt im Clinch.  Diese Woche wird der Südfinder wohl noch einmal nachlegen. Motto Stadtrat – Stadträtin – Stadtrad. Was es mit Letzterem auf sich hat, lesen Sie – so ist zu hören – am morgigen Mittwoch.

Herrgöttle-News

Das Herrgöttle von Biberach meinte es bisher gut mit der Schütza, die am Freitag wieder eröffnet wurde. Wir es der Brauch ist, wurde das Kinder- und Heimatfest mit einem heuer geringfügig weniger ) holprigen festgedicht von Schulleiter und Schützadirektor Klaus Bott eröffnet. Es gehört zur Biberacher Liberalitas, dass das Kinderfest mit einem offiziellen Ansporn zum Kampftrinken beginnt. Ab Donnerstag könnte es allerdings wacklig werden mit dem Wetter. Die Weberberg.de-Redaktion schert das wenig. Sie wird zur Fortbildung in der Türkei weilen.

Woanders wird geputscht. Und in Biberach? Alles friedlich?

Bei diesem Schützenfest ist der beliebte Schaschlik- und Wurststand neben dem Café Weichhardt verschwunden. Ebenfalls Fehlanzeige: der leckere Thai-Imbiss in der Weberberggasse. Was mehrere Jahre prima ging, geht plötzlich nicht mehr. Auch Adibs Falafelstand fehlt am üblichen Platz. Immerhin gibt es ihn noch und zwar um die Ecke vor der Gastwirtschaft „Zum Biber“. Bitter für Gastronom Adib, denn so findet man ihn fast nur, wenn man’s weiß. Auf dem Berg gibt’s leckere Bio Pizza auf Wunsch auch vegan mit veganen Käse. Ein Trost?

Weberberg.de-Mundartservice

Wir in der Redaktion haben unsere norddeutsche Herkunft nie verleugnet. Aber wir haben ein großes Herz auch für die schwäbische Mundart. Daher hier ein aktuelles Gedicht (von Peter Rieger):

Uf dr Schwäbscha Eisabahna,
muesch amol am Samschtig fahra.
Schtuegert, Ulm ond Biberach –
noch lieget dir d’Nerva brach.

An dr Schwäbscha Eisabahna,
hanget oft zwenig Wäga dana.
Neipresst bisch wia en Dosafisch,
Dementsprechend isch d’Luft au frisch.

Jedes Wochaend an See, fendet älle
Schtuegerter schee.
Dass ma do au zoiga ka,
wer em Land hot d‘ Hosa a.

Jeder Schduegerter hot a Mädle,
ond en ganza Wurf mit Rädle.
Älles en da Zug bugsiert,
ond de andre d’Hos verschmiert.

En dr Schwäbscha Eisabahna,
sieht ma koin Politiker fahra.
Bloß it nei en so en Gschtank,
weil do droht des Volkes „Dank“….

En dr Schwäbscha Eisabahna,
hand se scho am Morga Fahna.
Saufa, Fressa, s’Zuig omleera,
oiner wirds scho zammakehra…

Obeds en dr Eisabahna, sieht ma
bloß no Ziefer fahra.
Brauchsch en Schaffner,
suechsch omsuscht,
weil der en sei Deckong huscht.

Werden und vergehen in der Szene

Das war’s also mit Plan B, der geräumigen Kneipe in der Hindenburgstraße gegenüber von  Ozis Pizzabackstube. Gestern war die letzte Nacht und es war beste Stimmung. Demnächst wird das Etablissement unter neuer Leitung öffnen – als Shisha Bar.

Gleich um die Ecke dann Trubel auf der Straße. Etliche Menschen wollten in das vor Kurzem eröffnete Poco Loco, das sich mit seinen ungewöhnlich hohen Räumlichkeiten und reichlich Gästen prächtig präsentierte.

Eine Botschaft der „Kleinen Feger“

Liebe Freunde,

es gilt wieder für Stimmung zu sorgen. Wir brauchen euch alle!
Samstag 16.07.2016 kurz vor der Abnahme. Flashmob 2.0.

2010 waren wir 80 Kleine Feger vor dem Alten Haus. Wir schaffen jetzt 100+x auf dem Marktplatz!

Folgendes Szenario:
Samstag 16.07., Marktplatz 13:30Uhr, halbe Stunde vor Beginn der offiziellen Feierlichkeiten marschieren die Kleinen Feger auf den Marktplatz. Die Tribünen sind voll. Wir spielen unser erstes Stück.
Ihr seid bereits irgendwo auf/um den Marktplatz/Tribünen/Publikum verteilt. Auf unser Zeichen kommt ihr zu uns auf den Marktplatz. Wir stellen uns auf. Jeder weiß wo er hinläuft und was er zu tun hat. Es folgt ein gemeinsamer Marsch. Die Schützendirektion weiß Bescheid und kehrt hoffentlich mit.
Falls wir gut performen, die Zugabe. Im Anschluss Abmarsch und Verteilung zurück ins Publikum.

Zwei Stunden vorher:

Es wird insgesamt eine Probe am Flashmob Tag selbst stattfinden, Treffpunkt 11:30Uhr im Stadtgarten Rondell beim Weißen Turm. Bei Regen treffen wir uns direkt vor der Stadthalle unter der Überdachung.
Zur Orientierung hier ein Video vom Flashmob 2010:
https://www.youtube.com/watch?v=VpmFJ-CRFL4

Wir spielen die gleichen Märsche wie im Video, schaut euch schon mal die Drehungen und Einsätze an. Bekommt ihr hin.

Dress code:
Obenrum gelb, untenrum blau (gerne der klassische Blaumann), Kopfbedeckung nach Wahl und natürlich der Besen.
Die original Kleinen Feger spielen aus akustischen Gründen auf Besen mit Metallborsten. Natürlich tut es für den einen Auftritt auch den Klassiker mit Plastik Borsten, welcher zu Hause rumsteht.
Metall und Plastikversion bekommt ihr bei Eisenwaren Keinath (Bachgasse 23, 07351 7 24 59) für ca 15€. Allerdings ist eine telefonische Vorbestellung notwendig. Begrenzter Vorrat. 5 Tage Lieferzeit. Die Besen könnten vor der Probe direkt im Laden abgeholt werden. OBI Biberach hat zur Not auch noch ne paar Besen rumstehen.

Wer auf sein Gelbes Shirt ein blaues Feger Logo gesprüht haben möchte kommt ebenfalls auf seine Kosten. Nach der Probe werden unsere Helfer mit Airpumps und Textilfarbe im Stadtgarten bereit stehen.

Es wird eine einmalige und einzigartige Aktion auf dem Marktplatz werden und bleiben.

Je zahlreicher und massiver wir sind, desto besser! Die Stadt soll sehen warum das geilste Fest der Welt in Biberach stattfindet.
Also gebt euch nen Ruck. Jeder bringt noch zusätzlich 2,3 Freunde mit. Keine Altersbegrenzung. Kinder, Opa, Oma. Mega! Hauptsache blau/gelb.

Nach dem Sieg

Schweinsteiger, Özil und Müller hatten dem Elfmeterschießen zum Ende des Spiels Deutschland gegen Italien besonders viel Spannung verliehen. Dass le Mannschaft zum Schluss vorne lag, sorgte für entsprechende Begeisterung in Biberachs Kneipen. Denn: Der Fluch ist gebrochen! Auf dem Marktplatz gab es dann auch die üblichen Sprechchöre, das Auf-die-Knie-Ritual und fröhliche „Sieg Heil!“-Rufe samt gestrecktem Arm. Und dennoch war in diesem Jahr etwas anders gegenüber den vorigen Europa- und Weltmeisterschaften, wie unsere Fotos von der Nacht zeigen. Syrer und Iraner schwenkten Deutschlandfahnen. Afghanen feierten eifrig mit. Deutsche und Schwarzafrikaner in den Trikots der Nationalmannschaft lagen sich in den Armen.
Vor dem neu eröffneten Poco Loco stauten sich die Partygänger und die Türsteher hatten viel zu tun.

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Mut zu Biberach

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Jede Menge Freunde, Kollegen und Stammgäste kamen zur heutigen – noch inoffiziellen – Eröffnung des Poco Loco.  Wer weiß, wie heruntergekommen die Räume des einstigen Agenturhauses waren, staunte nicht schlecht über das Ergebnis der aufwändigen Renovierung.  Wirt Alexander Ristić (Mitte mit Personal und Freund) glaubt an Biberach als attraktive Location und hält nichts davon, als Gastronom hier den Kopf in den Sand zu stecken. Mit dem Umzug aus dem ehemaligen Poco Loco, das unter neuer Leitung und als anderes Restaurant wieder eröffnet wird, gibt es jetzt ein Restaurant und eine Bar in Biberach, die wohl den Rekord beanspruchen kann, was die Raumhöhe angeht.  Am morgigen Samstag ab 17 Uhr ist das neue, das ganz andere Poco Loco für das Publikum geöffnet.

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