Heute: 04. Mai, 2026

Maifeier des DGB: „Verunsicherung in den Betrieben“

Foto: Albert Gratz
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vor 2 Stunden

Von Albert Gratz

„Erst unsere Jobs, dann eure Profite.“ So das Motto des 1.-Mai Festes des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Biberacher Gigelberg am Freitag. Für DGB-Kreisvorsitzenden Bertram von Waechter besonders wichtig: Die Verunsicherung der Arbeiterschaft durch Umstrukturierungen in den Firmen und Horrormeldungen in der Presse.

Foto: Albert Gratz

Vor Ort an der alten Stadtbierhalle: Erster Bürgermeister Ralf Miller und rund 150 Besucher. Unter den Zuhörern auch der ehemalige Oberbürgermeister Thomas Fettback und der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster. „Wir müssen ehrlich anerkennen, dass in der Politik wichtige Weichenstellungen versäumt wurden. Die Menschen spüren, dass etwas in diesem Land nicht mehr stimmt“, so Miller in seiner Rede. Er fordert auch für die Zukunft, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse, nicht die Bilanz. Arbeit und Kapital dürften keine Gegner sein.

Erster Bürgermeister Miller und Bertram von Wächter (Foto: Albert Gratz)

Anschließend eine Gesprächsrunde mit Betriebsrätinnen aus verschiedenen Betrieben. Moderiert von Antje Trosien, Gewerkschaftssekretärin des DGB Ulm. Sabrina Brugger, Betriebsrätin bei Liebherr Biberach stellt fest, dass auch im Biberacher Werk die Beschäftigten verunsichert sind. Letztes Jahr hatte der Hersteller von Turmdrehkränen und Mobilbaukränen Kurzarbeit. Mittlerweile gibt es eine Zusage der Konzernleitung für hohe Investitionen. Die Folgen werden allerdings große Veränderungen durch Digitalisierung und Automatisierung für die derzeit 1400 Mitarbeitenden bei Liebherr Biberach sein, so Sabrina Brugger. Annika Maier, Betriebsrätin beim Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim in Biberach: „Boehringer steht gut da. Die Mitarbeiter machen sich aber dennoch Gedanken.“ Und während man sich bei Liebherr schwer tue, ausreichend Azubis zu gewinnen, stelle dieses Thema bei Boehringer kein Problem dar. Nachdenklich macht ihre Feststellung, dass in der Belegschaft ein Rechtsruck zu bemerken sei.

Gesprächsrunde moderiert von Antje Trosien (Foto: Albert Gratz)


Souveräne Unterhaltung gab’s durch gespielte Coversongs der Band Acoustic Case. Passenderweise auch „Working Class Hero“ von John Lennon. Das gute Wetter und der schöne Platz vor der historischen Stadtbierhalle mit den großen Schatten spendenden Kastanienbäumen hat manchen Besucher überzeugt noch länger bei einem Vesper und Kaffee und Kuchen sitzen zu bleiben. Bei einigen kam vielleicht schon etwas Schützenfeststimmung auf. Ein Wermutstropfen bei der DGB-Veranstaltung war die geringe Zahl der Teilnehmenden und deren relativ hoher Altersdurchschnitt. Jüngere Besucher fehlten fast völlig.

Acoustic Case (Foto: A. Gratz)





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