Heute: 10. Apr., 2026

Unternehmen erster und zweiter Klasse – Farm der Tiere lässt grüßen

Werbekarren - Foto Gaspard
von
vor 3 Stunden

Tja manche Dinge sind schon sehr sehr eigen. Wo fangen wir denn da nun wirklich an? Vielleicht bei den ersten Landeskunstwochen in den siebziger Jahren und Klaus Leupolz, dem verkannten Biberacher Künstler? In aller Kürze: Dem Künstler war damals untersagt worden eine eigene Plastik während den Landeskunstwochen in Biberach aufzustellen. Leupolz (im Moment ein Hauptakt in der Museumsausstellung „Time is on my side“) wurde damals (von der Stadtverwaltung und den Kuratoren der Landeskunstwochen) als KEIN ECHTER Künstler eingeordnet. Daraufhin stellte Leupolz seine Plastik (ein farbiger Biber aus Holz) auf Rollen, den „mobile Plastiken“ waren leider nicht zu verbieten. Leupolz fuhr den Biberwagen dann alle paar Stunden von ausgerechnet dem Platz wo nun der Werbewagen der Werbegemeinschaft steht rüber zum Viehmarktplatz und wieder zurück.

Angesichts dieser Historie müsste man eigentlich lachen, in der Tradition eines widerspenstigen Künstlers vermarktet nun die Werbegemeinschaft schnödes und auch verzweifelt anmutendes Belebungsgedöns auf dem Marktplatz. Ja wir erinnern uns, die Frequenz (Kunden-) lässt nach, der Umsatz wohl auch. Ob da nun allerdings ein Gymnastikevent und ein Stylischer Nachmittag der Burner sind, darf man durchaus bezweifeln.

Aber es gibt da noch ein weiteres bitteres Beigeschmäckle: Erst vor wenigen Jahren hatten wichtige Modegeschäfte am Markt an den „wild wuchernden“ Aufstellern und Werbetafeln (Café Kolesch!) herumgemäkelt: Von Darüberstolpern! war die Rede, von Störern und so weiter. Ähnlich wie bei der Diskussion um die mobilen Marktplatzstühle waren einige Geschäftsleute die auch im Gemeinderat vertreten sind besorgt um „freie Sicht für freie Bürger“ und die historische Anmutung des Platzes. Ende vom Lied: Es wurden diese hochmodernen Ministelen eingeführt mit kleinen bedruckten Schildchen auf denen zu lesen steht: „Herzlich willkommen in (Schilda) oder auch in der Provinz…“ Sie wissen was ich meine. Jedenfalls ist das nun doch interessant: Während praktisch flächendeckend die Aufsteller mehr oder minder untersagt und verpönt wurden, kommt nun aber die Werbegemeinschaft mit einer Art Einkaufswagen um die Ecke. Auf Rädern. Ist ja kein Aufsteller (oder eine Plastik) im eigentlichen Sinne.

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