Erst wenn der letzte Eigentümer endlich versteht, dass er auf einer Ruine sitzt und verkauft, wird die Geschichte ein halbwegs vernünftiges Ende finden. Das ist kein Mantra der Hopi Indianer aus den Tiefen der Bleicherstraße, sondern möglicherweise leider nur wahr. Halten wir fest: Das Steigerlager mit größtem Brimborium und tollsten Zukunftsaussichten irgendwann in den 80ern gebaut – und damals schon umstritten – ist einer der großen Sündenfälle der Biberacher Bauwut aus dieser Zeit. Dem Rißcenter nicht unähnlich ist das Konzept einfach nicht aufgegangen. Ganz zu schweigen von einigen Baumängeln und – so möchte man sagen – Schlampereien oder auch Versäumnissen ist das Steigerlager im Nachklapp sicher kein Vorzeigeprojekt. Und viele Unkenrufe haben sich im Nachgang leider bewahrheitet, angefangen bei der zu steilen Anlieferungsrampe am Bismarckring.
Auch wenn inzwischen klar ist, dass der Abriss mit bis zu 5 Millionen Euro bezuschusst werden soll, es sogar schon einen Bebauungsplan gibt und das Steigerlager im Sanierungsgebiet „Nord“ liegt, hängt es nun doch davon ab, dass auch der letzte Eigentümer bereit ist das Feld zu räumen – oder besser gesagt bereit ist, zu verkaufen. Dem Vernehmen nach liegt es nur noch an einer Eigentümerpartie und das Problem einer Eigentümergemeinschaft ist – sowohl im positiven wie negativen Sinn – mit-gehangen mit-gefangen.
Man kann nun spekulieren welcher Worstcase ansteht: Eine sogenannte WEG (Wohnungseigentümergemeinschaft) ist nicht insolvenzfähig. Einzelne Eigentümer können pleite gehen, aber nicht die Gemeinschaft. Und letztlich bleibt laut Haufe unter einer anderen Option dann nur die Entziehung des Wohnungseigentums: https://www.haufe.de/id/norm/wohnungseigentumsgesetz-17-entziehung-des-wohnungseigentums-HI14185836_p17.html
Dass nun aktuell die private Tiefgarage im Steigerlage nicht mehr nutzbar ist, könnte man böswillig so interpretieren, dass es bereits fünf nach zwölf ist: Nicht nur die Tiefgarage des Steigerlagers ist in seiner Standsicherheit gefährdet, das gilt – zumindest aus Laiensicht – auch für andere Bereiche des Komplexes. Tatsächlich gibt es vermeintliche Kellerräume im Gebäude, die sich bei genauerer Betrachtung eher als Attrappen entpuppen. Hinter der Kellerraumtür steht man praktisch vor offenem Nagelfluh und kann fast schon den Straßenbelag der Wielandstraße von unten betrachten.
Letztlich ist die Frage, ob erst ein Unglück passieren muss, bis hier eine Lösung gefunden wird und auch der letzte Eigentümer verkauft. Bei allem Verständnis über den Ärger und Frust über das vermeintliche Leuchtturmprojekt Steigerlager der 80er Jahre und all die damit verbundenen geplatzten Versprechungen ist es wohl wirklich höchste Eisenbahn, dass der Komplex abgerissen wird. Die Sperrung der privaten Tiefgarage ist nur Symptom des (tod-)kranken Komplexes