Und wieder wird in die Hände gespuckt: Wir steigern ein Bruttosozialprodukt!
Und tschüss – Am ehemaligen Fiat Stützpunkt
Und wieder wird in die Hände gespuckt: Wir steigern ein Bruttosozialprodukt!
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Das Haus beherbergte in den 1980ern – vielleicht auch schon früher – die Räume des unabhängigen Vereins „Frauen helfen Frauen“, die sich zu der Zeit als absolute Pionierinnen für ein Frauenhaus in BC einsetzten. Das gab es damals nämlich vor Ort noch nicht, da nicht sein konnte, was nicht sein durfte …
Jahre später bekam dann nicht der Verein F helfen F, sondern ausgerechnet die kath. Caritas den Zuschlag, in BC ein Frauenhaus zu eröffnen. Die damals vielleicht noch ein bisschen offener als heute frauenfeindlich auftretende katholische Kirche hielten die Biberacher Stadtoberen, in der Mehrzahl aus Männern bestehend, in Sachen Frauenschutz erstaunlicherweise für kompetenter (vielleicht auch nur für berechenbarer) als die selbstbewussten und bestens informierten Feministinnen von F helfen F.
Frauen helfen Frauen verliehen ihre Räume in dem Abrisshaus auf dem Foto auch jeden Freitagabend solidarisch an die Lesbengruppe BC. Die homosexuellen Biberacherinnen betrieben nämlich ein Beratungstelefon, auf dem in einer präqueeren Zeit ohne Internet Mädchen und Frauen aus der ganzen Region anriefen, um sich z. B. zu vergewissern, dass sie nicht die einzigen lesbischen Frauen auf der Welt (oder in ihrem Ort) waren, und für viele andere Fragen.
Die Gruppenanbende habe ich bestens in Erinnerung. Neben dem Telefondienst wurde gelacht, geflirtet oder sich verabredet zu gemeinsamen Fahrten nach Ulm, Kempten, Ravensburg, Konstanz, Freiburg, Stuttgart, München oder wo immer kulturelle oder politische Veranstaltungen – und Spaß – mit Bezug zu Feminismus und Homosexualität geboten wurden.
Ob Weg-mit-Paragraf-218-Demos, die jährlichen Lesbenfrühlingstreffen im deutschsprachigen Raum, CSD-Paraden oder Frauendiscos (das hieß damals so;)) – die Biberacher Lesben waren gewissermaßen sehr ausschwirraffin. Auch veranstalteten wir lesbische regionale Fußballturniere zu einer Zeit, als selbst die DFB-Frauen für ihren EM-Titel gerade mal ein Kaffeeservice bekamen.
Mit den befreundeten schwulen Männern der HELB (für ‚Homosexuelle Emanzipationsgruppe Landkreis Biberach‘) zusammen veranstalteten wir in den 1990ern in BC auch zwei Ausgaben der „Schwul-Lesbischen Kulturtage“. Und in den Nullerjahren initiierte ich eine „Lesbischwule Schützenparty“ in einer Kellerbar am – dädääää: WEBERBERG! Die Party fand ausgezeichneten Anklang in der lokalen Homo- wie Heterowelt und verhalf unserem geliebten Schützenfest zum bis dahin fehlenden Queerfaktor. Das dachte ich, schreib ich hier alles mal auf, einige Tage vor dem Weltfrauentag. Never forget!