Heute: 23. Jan., 2026

Die besonders bescheuerte Werbekampagne (Vorsicht Meinung!)

Plakatwand gesehen in Biberach
von
vor 3 Stunden

Also vorab erstmal: Natürlich kann man sowas „entwickeln“ und auch gut finden. Nur gelegentlich entsteht dabei der Verdacht, dass da entweder besonders viele besondere Pilze, extra viel Alkohol, oder doch nur einfach eine leicht oder auch stark verminderte Zurechnungsfähigkeit mit im Spiel waren. Der (nach eigenen Aussagen) meistgehörte Privatsender (übrigens nur in der Region), namentlich Radio 7, bewirbt sich selbst zur Zeit mit Plakaten, die mit Slogans wie „Autofahren ohne Radio 7 ist nur Autofahren!“ ungemein attackieren. Attackieren ist hier kein Zufall, denn die entwickelnde oder „erfindende“ Werbeagentur heist „Attacke“ und sitzt in Ulm. Und natürlich fragt sich der erschütterte Rezipient: „Um Gottes Willen – wie kommt man nur auf solch geniale Weisheiten?“ Attacke schreibt dazu:

Ohne Radio 7 ist dein Alltag halt einfach nur Alltag.
Der Alltag kann oft trist und langweilig sein – es sei denn, man hört Radio 7. Das ist die Idee unserer Radio 7 Imagekampagne. Denn mit Musik und Unterhaltung werden alltägliche Situationen zu echten Highlights. So wird selbst eine anstrengende oder eintönige Tätigkeit durch Radio 7 zu einem besonderen Moment. Unsere Radio 7 Imagekampagne wurde sowohl im Bereich Out-of-Home (OOH) als auch online ausgespielt. Insbesondere vor der regelmäßigen Reichweiten-Befragung der deutschen Radiosender haben wir mit einer gezielten Imagekampagne für den meistgehörten Privatsender geworben.

Hier ist und war sich die Weberberg.de Redaktion sehr schnell im Klaren (und dabei bei einigen Klaren!) darüber, dass hier noch weiteres Potential (drin-) steckt (sic!) – Best of:

Kacken ohne Radio 7 ist halt doch immer noch nur Kacken!
Langeweile ohne Radio 7 bleibt leider doch Langeweile!

Ja, und hier lieber Leser setzt nun ihre eigene Fantasie ein: Ist Sex ohne Radio 7 leider doch nur Sex? Sie merken schon, da ist doch noch einiges möglich. Natürlich auch die Frage, wenn der Alltag oft trist ist – ist das dann nicht auch bei Radio 7 selbst so? Denn Radio 7 als Bestandteil des Alltags oder des Höreralltags – Ähm sorry ja gut das ist vielleicht doch zu kompliziert… Lassen wir das.

Fragen wir anders: Nehmen wir an, der Hörer will gerade mal entspannen und dann trötet einem ein Song ins Ohr (im Übrigen natürlich einer der Besten der Besten der Besten Jahre zwischen Corona und der Gegenwart) den man absolut nicht ab kann, oder hasst – wird dann der Alltag nicht zur Hölle? Will man das? Naja manche vielleicht:

Wir sind die ATTACKE Werbeagentur in Ulm. Wir schaffen progressive Werbung, Kampagnen, Branding, Websites und Corporate Design. Schönheit und Kraft haben Kinder bekommen: unsere Ideen. 

Eine hübsche Idee in Fortsetzung ist der (neudeutsch und in Fachsprache gesetzte) Störer: „Jetzt noch besser!“ – Das ist natürlich bei einem Radioprogramm nun schon ein Novum. Radioprogramme verhalten sich ja ähnlich wie Pizza oder Brotaufstrich – Sie wissen schon auch Milkaschokolade ist ja auch im vergangenen Jahr deutlich besser geworden, also in dem Fall leichter und handlicher, bei noch kleinerem Kakaoanteil. Da waren viele begeistert. Aber das ist natürlich soooo nicht vergleichbar! Eigentlich ein schlechtes Beispiel von uns. Aber was ist denn nun eigentlich bei Radio 7 besser geworden?

Mehr aktuelle Hits, Mehr Musik und Mehr Spass!

Okay also das bedeutet ja eigentlich dann auch mehr Sendezeit? Oder ist da was anderes WENIGER geworden? Und wenn wir wie Amelie Pachulke jetzt noch Erbsen zählen, ist die Frage: Sind aktuelle Hits nicht auch Musik? Und wie kann mehr Spass da sein, wenn mehr Musik kommt? Also mehr Musik heißt weniger Wort, weniger Wortbeiträge – wo soll denn dann mehr Spass herkommen? Oder ist die Musik der Spass? Naja, Spass vielleicht, aber MEHR Spass? Retzel über Retzel über und um eine rundum attackierende und vielleicht auch ein wenig sinnfreie Werbekampagne.

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