Heute: 22. Juni, 2026

Laute(r) Kahlschlag startet jetzt! – Ein ästhetisches und ökologisches Fiasko

Foto: Gaspard. Laute Adé Scheiden tut weh!
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vor 30 Minuten

Ein Beitrag von Jürgen Kraft zur „Sanierung“ von Viehmarktstraße 6

Die Viehmarktstraße 6 ist ein ästhetisches und ökologisches Fiasko. Und als solches reiht es sich ein in eine ganze Reihe Fiaskos, die Biberach bereits zu erleiden hatte und auch zukünftig sehr wahrscheinlich noch wird erleiden müssen. Wobei solche Sünden der Stadtentwicklung ein Phänomen sind, das überall seit langem zu beobachten ist. Und das von daher auch schon vor langem untersucht und kritisiert worden ist. 

Foto: Albert Gratz 2024 „Die Laute“

Die Abrisse von erhaltenswerten und noch gut nutzbaren Altbauten werden von interessierter Seite gern gerechtfertigt mit immer wiederkehrenden Argumenten. Auf einige der gängigsten Rechtfertigungen für diese Vernichtung von erhaltenswerter Altbausubstanz kommt Vittorio Magnago Lampugnani zu sprechen:  

Um Argumente, die zuweilen mit viel Phantasie gefunden werden, ist man nicht verlegen. Sogar die –im Prinzip richtige- Losung der Verdichtung wird bemüht: … Man reißt nicht ab, um lukrativer, sondern um dichter zu bauen. Dass das Geschäft weiterhin gewinnbringend ausfällt, ist ein nicht unangenehmer Nebeneffekt.[i]

In unsrer Zeit wird aber von den Abbruchverteidigern vor allem ein Argument sehr gern angeführt, das sie für viel überzeugender halten:

Neuerdings erfolgt die Zerstörung von Bausubstanz ausgerechnet unter dem Vorwand des Umweltschutzes. Es sind nicht mehr hygienisch, sondern wärmetechnisch unzulängliche Häuser, die ohne Not plattgemacht werden.[ii]  

Denn: „Die neuen Häuser sind üppig gedämmt, klimaschonend geheizt und vor allem zertifiziert. Wer könnte dagegen das Wort ergreifen? … Der Konsumismus hat eine neue Begründung und die Bauindustrie eine neue Marketingmasche gefunden.[iii]  

Diese Begründungen, die den Abriss noch guter Bausubstanz ideologisch rechtfertigen, sind aber meistens bloß vorgeschoben. Denn zwar gibt es in der Tat den einen oder anderen Altbau, der nicht mehr nutzbar oder zu erhalten ist und abgerissen werden muss. Aber in den allermeisten Fällen ist dies überhaupt nicht so. Tatsächlich geht es meistens ausschließlich um rein ökonomische Interessen.

Die Kralle – Foto: Gaspard

Wenn man sich von diesen bloß vorgeschobenen, interessengeleiteten Argumenten nicht täuschen läßt, eröffnet sich einem der Blick auf die mit dem Abreißen von Altbauten und ihrem Ersatz durch Neubauten einhergehenden negativen Auswirkungen. Der Kürze dieses Beitrags zuliebe beschränke ich mich auf drei davon. Da ist zunächst das Erscheinungsbild der Stadt, ihre Ästhetik. Dann die Stadtgesellschaft, nämlich die Zusammensetzung ihrer Gesellschaftsschichten. Und schließlich noch die weitere Perspektive auf die Umwelt bzw. Natur, also auf die ökologischen Auswirkungen.     

Das ästhetische Fiasko

Die Kritik am Neubau als ästhetischem Fiasko ist bloß relativ und gilt nur, insofern nicht ein schöner Neubau realisiert wird. Denn wenn ein ästhetisch anspruchsvoller Neubau errichtet wird, gilt sie selbstverständlich nicht. Auch die zeitgenössische Baukunst kann ja ganz offensichtlich solche Gebäude entwerfen. Es geht mir hier also nicht um eine reaktionäre antimodernistische Kulturkritik. Die vorgetragene ästhetische Kritik bezieht sich somit ausschließlich auf die uninspirierte Pseudoästhetik von Neubauten.  

Wie auch immer man nun den Baustil des in der Viehmarktstraße 6 abgerissenen Gebäudes, der sog. „Laute“, bewerten mag, in jedem Fall ging mit ihrer Vernichtung ein individuelles, die Vielfalt des Stadtbildes mit seinem Detailfülle bereicherndes und es prägendes besonderes Gebäude mit Gesicht verloren.

Und an seiner Stelle entsteht jetzt ein Neubau als rein funktionaler, standardisierter und gesichtslos monotoner Allerweltskasten. Einer, wie er in jedem Dorf und jeder Großstadt weltweit überall stehen könnte. Aber wenn das Profitmachen die Bauaufgabe festlegt, die dann alles, was über die reine Funktionalität hinausgeht und nicht bezahlt wird, vermeidet, muß eben die Ästhetik zwangsläufig auf der Strecke bleiben, dann kann dabei allerhöchstens eine Minimalästhetik herauskommen.

Bevor man sich den negativen Auswirkungen von uninspirierten Neubauten zuwenden kann, muß man sich eines klarmachen:Menschen machen die Stadt, aber die Stadt macht eben auch die Menschen. Darauf aufmerksam macht Alexander Mitscherlich: „Der Mensch wird so, wie die Stadt ihn macht, und umgekehrt[iv]. Wobei freilich einige wenige Menschen wie Stadtplaner, Architekten und Bauherren die Stadt mehr „machen“ oder gestalten als die Masse u.a. der Mieter und Pächter. Aber beispielsweise die Atmosphäre einer Stadt wird schon von ihren Bewohnern und Besuchern gemacht. Also:

Menschen schaffen sich in den Städten einen Lebensraum, aber auch ein Ausdrucksfeld mit Tausenden von Facetten, doch rückläufig schafft diese Stadtgestalt am sozialen Charakter der Bewohner mit.“[v]

Im folgenden werde ich mich zunächst auf die negativen ästhetischen Auswirkungen solch gesichtsloser und unästhetischer Dutzendware-Neubauten beschränken. Werden die Stadtbewohner und –besucher mit Gebäuden konfrontiert, die überhaupt keine Details aufweisen, welche das Sehen irritieren, es damit an- und aufhalten, ein interessiertes Betrachten erzwingen und so die Aufmerksamkeit fesseln, dann hat solch eine ästhetische Sünde der Stadtplanung zwei unmittelbar negative Auswirkungen.  

Und zwar erstens insofern eine strenge Ordnung, die Reihung von gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Elementen eines bloß funktionalen einfachen Baukörpers uns Menschen langweilt.    

Um noch klarer die negative Auswirkung solch einer ästhetischen Verarmung zu erkennen, werfen wir einen Blick auf die ästhetische Rezeption geschichtlich gewachsener Altstadtensembles. Deren vielgestaltige Bauten, die mit einem Detailreichtum die unterstellte Ordnung zumindest teilweise verletzen, erheischen Aufmerksamkeit und erzeugen damit Interesse. Daher unsere Liebe zur mittelalterlichen Stadtlandschaft. Dabei spricht zwar nichts gegen die Ordnung als solche, eine rigorose Ordnung jedoch erzeugt Monotonie, Desinteresse und Langeweile. Darauf weist Hans Paul Bardt hin:   

Ernster sind  die Hinweise auf die Lebendigkeit mittelalterlicher Stadtbilder. … auch dort, wo nicht der Zwang zur Enge malerisches Giebelgewirr erzeugte, finden wir einen erstaunlichen Reichtum an Formen, die sich jedoch zu gleicher Zeit in ein übergreifendes System von Proportionen und Gestaltvorstellungen in der Weise einfügen, in dem Einzel- und Gesamtformen im rechten Maß zur Geltung kommen.

In gewisser Hinsicht kannte das Mittelalter durchaus eine Standardisierung. Der Traditionalismus des Handwerks, die Langsamkeit des technischen Fortschritts, der Kanon der Proportionen und die Autorität der Obrigkeit, die ein >>Aus der Reihe tanzen<< nicht duldete, bewirkten Wiederholung, aber in einem Rhythmus, der am einzelnen Haus immer wieder Modifikationen zuließ. Ja selbst das einzelne Haus zeigt oft, daß der Erbauer während der Bauzeit seine Vorstellungen geändert hat, oder später Änderungen und Umbauten vorgenommen hat.[vi]    

Ein eigenwilliger und markanter Bau, der herausragend ist und damit ins Auge sticht, auffällt oder im strengen Wortsinne außerordentlich ist, eben insofern er eine angedeutete oder erahnbare Ordnung stellenweise durchbricht, regt den Betrachter an, die erwartete verborgene Ordnung zu suchen. Denn detailreiche komplexe Strukturen ziehen uns Menschen an, erheischen unsere Aufmerksamkeit. Und da wir neugierige und wissbegierige Wesen sind, versuchen wir ständig, unsere Umgebung zu verstehen oder zu erklären. D.h.: Wir suchen die Regeln oder Gesetze hinter der erfahrenen Wirklichkeit. Wir scannen das auf den ersten Blick als Unordnung erscheinende Fremdartige stets auf die dahinterliegende Regelmäßigkeit hin ab. Und finden wir eine solche -oder interpretieren wir sie auch bloß hinein-, dann befriedigt uns das. So schreibt Friedrich Nietzsche: „Etwas Unbekanntes auf etwas Bekanntes zurückführen, erleichtert, beruhigt, befriedigt, gibt außerdem ein Gefühl von Macht.[vii]  

Umgekehrt aber verliert die geschichtlich-organisch gewachsene Stadt mit jedem gesichtslosen Neubau mehr von ihrem individuellen Gesicht und damit eine vielgestaltige, komplexe und von daher anregende menschliche Umwelt, die die Wahrnehmung und den Geist anregt. Und allein schon aus diesem Grund sollte die Baukunst unbedingt Vorrang haben vor dem bloß profitorientierten reinen Zweckbau. 

Und so gesehen hat auch die abgerissene Laute, gleichgültig, wie man sie an sich ästhetisch beurteilt, die Wahrnehmung jedenfalls nicht durch Monotonie unterfordert und enttäuscht. 

Nun ließe es sich mit dem Verlust eines oder auch einiger sehr weniger ästhetisch „reizvoller“ Altbauten ja noch leben, ohne dass die Wahrnehmung der Stadtbesucher dadurch großen Schaden nehmen muss. Aber bei den Abrissen von Altbauten handelt sich ja um einen Prozess, der an gar kein Ende zu kommen scheint. Und zumindest als solcher hat dies auf lange Sicht sogar noch eine weitere ästhetisch negative Auswirkung.

Denn da sich die historische Stadt mit dem stetig voranschreitenden Ersatz von Altbausubstanz durch Wegwerfarchitektur von der Stange immer mehr in Richtung Einheitlichkeit, Gleichförmigkeit und damit Monotonie „entwickelt“ und so ihre Individualität verliert, geht auch die Identifikationsmöglichkeit ihrer Bewohner mit ihr verloren. Dies hat Hans Koschnick, ehemaliger Bürgermeister von Hamburg, schon 1973 erkannt und kritisiert: 

Für die Stadt als Kulturlandschaft aber werden auch die historischen Stadtkerne zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Bürger verlangt nach der Möglichkeit, sich mit der Stadt identifizieren zu können. Das setzt voraus, daß die Stadt überschaubar und unverwechselbar bleibt. Historische Stadtkerne erfüllen diese Forderung durch Maßstäblichkeit, Vielfalt der Raumlösungen und Reichtum des Details. Alte Bauten und Stadtviertel zu erhalten, wiederherzustellen und an die Anforderungen eines modernen Lebens anzupassen sowie sie nutzbringend in den Kreislauf städtischer Aufgaben einzugliedern, muß daher als ein wichtiges Ziel der Stadtentwicklung erkannt werden.[viii] 

Mit der zunehmenden Vernichtung von besonderen, einmaligen Altbauten gibt es immer weniger ästhetische Vielfalt im Stadtbild und damit weniger Identifikation der Bewohner mit ihrer Stadt. Diese Abnahme oder gar der Verlust der Identifikation führen dann ihrerseits aber wieder zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen, die sich am deutlichsten am Extremfall der riesigen Neubausiedlungen auf der grünen Wiese nach dem Zweiten Weltkrieg studieren lassen.

Das ökologische Fiasko

Im Gegensatz zum ästhetischen Fiasko ist das ökologische Fiasko eines Altbauabrisses und eines Neubaus an seiner Stelle ein absolutes Fiasko. Denn sowohl der Abriss eines noch gut nutzbaren Altbaus als auch der Neubau eines –vermeintlich nachhaltigeren- Gebäudes haben negative ökologische Auswirkungen. 

Die Laute ehedem

Was mit dem Abriss eines eigentlich erhaltenswerten alten Gebäudes einhergeht, kann man kurz so zusammenfassen: Der Abriss ist Verschwendung des verbauten Materials als einst der Natur entnommener Ressourcen sowie von im Gebäude steckender Energie und vergangener „geronnener“ Arbeitskraft und nicht zuletzt Freisetzung von eingelagertem CO2.

Beschränken wir uns hier auf die wichtigsten Gesichtspunkte. Beginnen wir damit,  dass der Abriss des Altbaus die Umwelt mit Unmengen von Bauabfällen belastet! Lampugnani schreibt dazu:

Nicht minder dramatisch stellt sich die Entsorgung des Baumülls dar, der durch Abbrüche verursacht wird. In Europa fallen im Schnitt 35 Prozent des gesamten Abfalls aus der Baubranche an, wobei in den reichen Ländern, wo Boden und Arbeitskraft teuer sind, das Verhältnis weit alarmierender Ist: In Deutschland machen die Bauabfälle über die Hälfte des gesamten Abfalls aus, davon ist wiederum über die Hälfte Bodenaushub … Das Altholz wird überall fast ausnahmslos verbrannt.[ix]

Dem, was mit dem Abriß des Altbaus ökologisch gesehen verlorengeht, entspricht  aufseiten des Neubaus aber all das, was für ihn neu aufgewendet und eingesetzt werden muß. So muß zunächst ja neues Baumaterial aus Erdressourcen gewonnen und d.h. letztlich der Natur entnommen werden. Lampugnani gibt dazu folgende Zahlen an:

Die Produktion eines einigermaßen energieeffizienten Gebäudes verursacht mehr Kohlenstoffdioxid-Ausstoß, als in 60 Betriebsjahren anfällt. Bei der Extraktion und Verarbeitung der stofflichen Ressourcen für die Bauwirtschaft fallen weltweit etwa die Hälfte sämtlicher Treibgasemissionen an. Und die Extraktion selbst hat ein Ausmaß angenommen, das unhaltbar ist.[x] 

Darüberhinaus benötigt der Neubau zu seiner Errichtung dann aber auch wieder Energie. Und zwar nicht wenig, wie Lampugnani bemerkt: „Was beim Bauen offensichtlich unvernünftig konsumiert wird, ist Energie.“[xi]

 Zusammengenommen: Ökologisch betrachtet ist der Abriss eines Altbaus und sein Ersatz durch einen Neubau ein echtes Fiasko. Und so ist denn umgekehrt zu sagen: Das nachhaltigste Gebäude ist dasjenige, das nicht neu gebaut wird, sondern der Altbau, der erhalten und nötigenfalls renoviert, umgebaut oder auch umgenutzt wird:  

Um den beschädigten Planeten nicht weiter zu plündern und zuzumüllen, muss möglichst wenig gebaut werden; auf jeden Fall nur, was unbedingt notwendig ist; am besten nichts. Das ökologischste Haus ist das, was nicht realisiert wird.[xii]

Der Erhalt und die Renovierung eines Altbaus ist alles in allem unterm Strich also wesentlich ökologischer als jeder noch so –vermeintlich- energieeffiziente sog. ökologische Neubau. In einer Zeit knapper werdender Ressourcen einerseits und zunehmender Umweltbelastung durch Entnahme von Ressourcen und zu hohen CO2-Ausstoßes andrerseits bedeutet Nachhaltigkeit im Gegenteil, dass der Erhalt von Bestehendem in jedem Fall den Primat vor dem Ersatz durch Neues haben muss.  

Es gibt aber sogar noch eine dritte wenigstens erwähnenswerte negative Auswirkung des Abrisses von Altbauten –das soziale Fiasko. Dieses ist zwar an sich in erster Linie eine negative Begleiterscheinung von großen Neubausiedlungen. Denn selbstverständlich wird eine geschichtlich gewachsene Stadt selbst dann, wenn in ihr Altbauten ständig durch Neubauten ersetzt werden, nie so aussehen wie die nach einem einzigen Plan in kürzester Zeit an den Stadträndern angesiedelten riesigen und stark verdichteten Neubaubausiedlungen. Aber die Gefahren, die letztendlich aus dem ständigen Ersatz von Altbauten in der Altstadt drohen, die lassen sich sehr gut an den Problemen ablesen, die in diesen Stadtquartieren auftreten -das soziale Fiasko.     

Und so ist zwar ein einzelner Neubau wie der in der Viehmarktstraße 6 für sich alleine genommen zwar noch kein soziales Fiasko. Aber als ein weiteres Glied in einer Reihe von Abrissen von Altbauten und damit der tendenziellen Eliminierung von immer mehr Altbausubstanz wird auch dieser Aspekt immer bedeutsamer. Denn nicht nur die ästhetische Diversität und Komplexität der Stadt schwindet mit jedem Abriss eines -geschichtlichen- Altbaus. Auch die soziale Diversität der Stadtbevölkerung, schwindet damit. Und zwar insofern Altbauten in der Regel günstiger vermietet werden als großzügig zugeschnittene und modern ausgestattete Neubauten. Denn damit haben auch finanzschwache Bevölkerungsteile sowie kleine Ladenbetreiber und Gastronomen eine Chance, in der Stadt zu wohnen bzw. ihr Geschäft zu betreiben. Das aber bereichert die Zusammensetzung der Bewohnerschaft, die Durchmischung der Stadtbewohner mit verschiedenen sozialen Gruppen und das zieht dann auch Konsumenten und Käufer an.

Genau wie in den allermeisten solchen Fällen ist also auch der Abriss der einstigen „Laute“ und der Neubau an seiner Stelle ein mehrfaches Fiasko.

In der Folge werden sie ohne Not zerstört und überwiegend durch Bauten ersetzt, die von vornherein als klapprige Wegwerfarchitektur konzipiert und mit einem impliziten Verfallsdatum versehen werden.[xiii]

Denkt man dies weiter, dann ist die Viehmarktstraße 6 genaugenommen aber eher eine tragikomische Angelegenheit. Denn erfreulich und tröstlich ist so gesehen ja, dass der Neubau -eben als „Wegwerfarchitektur“- sehr wahrscheinlich in drei oder vier Jahrzehnten auch wieder abgerissen werden und damit dann hoffentlich wieder einem ästhetischen Neubau Platz machen wird. Bedauerlich ist dabei aber, dass zwischen den nunmehr abgerissenen ästhetischen und ökologischen Altbau und einen zukünftig erhoffbaren ebensolchen Neubau als Zwischenlösung unnötigerweise dieser gegenwärtige Neubau als Fiasko hingestellt wird, der die Wahrnehmung frustriert und der Umwelt Schaden zufügt.


[i] Vittorio Magnago Lampugnani, Gegen Wegwerfarchitektur: Dichter, dauerhafter, weniger bauen, Berlin, 2023, S. 89  

[ii] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 89

[iii] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 90

[iv] Alexander Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit unserer Städte: Anstiftung zum Unfrieden, Frankfurt a.M., 5. Aufl., 1968, S. 16

[v] Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit, S. 9  

[vi] Hans Paul Bardt, Humaner Städtebau: Überlegungen zur Wohnungsbaupolitik und Stadtplanung für eine nahe Zukunft, Zeitfragen Nr. 4; Wegner, 1967, S. 87

[vii] Friedrich Nietzsche, Die vier großen Irrtümer, in: Götzen-Dämmerung, oder: Wie man mit dem Hammer philosophiert, Werke III, Frankfurt/M-Berlin-Wien, 1972, S. 421

[viii] Hans Koschnick, Unser Ziel: Die menschliche Stadt, in: Wege zur menschlichen Stadt: Vorträge, Aussprachen und Ergebnisse der 17. Hauptversammlung des Deutschen Städtetages vom 2. bis 4. Mai 1973 in Dortmund. Neue Schriften des Deutschen Städtetages Heft 29, 1973, S. 59, 60

[ix] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 54  

[x] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 54 

[xi] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 25

[xii] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S.101  

[xiii] Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 70

Bilderorganisation/ Bilder: Alber Gratz und Stadtarchiv. Redaktionelle Beiträge geben nicht immer die Meinung der gesamten Weberberg.de Redaktion wieder. Zusatzfotos vom aktuellen Abriss: Gaspard

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