Von Albert Gratz
Es gibt nur noch wenige, derart authentische Orte in Biberach und Umgebung, wie das ehemalige Atelierhaus des Künstlers Jakob Bräckle (1897-1987) am Rande des Dörfchen Winterreute bei Biberach. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass die Stadt Biberach im Jahr 2023 das Haus von der Tochter des Künstlers erworben und behutsam restauriert hat. Schaut man vom Inneren des Atelierhauses durch die kleinen Fenster nach draußen, sieht man auch heute noch immer die Landschaft, die Felder, Wiesen und Wälder, die Jakob Bräckle Zeit seines Lebens in seinen Ölgemälden auf Malgrund bannte. Hier veranstaltet das Museum Biberach nun die dritte temporäre Ausstellung eines zeitgenössischen Künstlers: Christian Haake. Titel der Ausstellung: Auszüge. Am vergangenen Samstag, 26.9., wurde die Ausstellung durch Verena Fürgut, Dezernentin für Bildung und Kultur der Stadt und dem stellvertretenden Museumsleiter, Stefan Krämer, eröffnet. Zurecht sagte Fürgut in ihrer Rede, dass es für einen zeitgenössischen Künstler nicht einfach ist, an einem dermaßen historisch aufgeladenen Ort zu arbeiten und auszustellen. Immer ist hier das Werk Jakob Bräckles präsent, quasi direkt vor der Haustüre. Der Bremer Künstler Christian Haake hat dieses Dilemma mit seinen zurückhaltenden, reduzierten Bildern gut gelöst.

Es war die erste Ausstellung, die Stefan Krämer in seiner neuen Position als Kunsthistoriker und stellvertretender Chef des Biberacher Museums kuratiert hat. Als kurzzeitig das Funkmikro streikte, merkte Krämer an, dass er bei der Ausrichtung und Organisation völlige Freiheit hatte, dafür natürlich auch die absolute Verantwortung, falls etwas schiefgehen sollte. Davon kann hier keine Rede sein. Eine gelungene Ausstellung, das Wetter blendend, die Ansprachen kurzweilig, das Publikum gut gelaunt und der extra aus Bremen angereiste Künstler sehr kommunikativ. Selbst der Winterreuter Nachbar hatte ein Einsehen und startete erst nachdem alle Reden gehalten waren seine röhrende Motorsäge. Aber so soll es ja sein. Eine interessante Ausstellung an einem authentischen Ort und dessen authentischer Umgebung.

In dem kleinen, fein gestalteten Begleitbuch zur Ausstellung schreibt der Kurator Stefan Krämer über die in Winterreute gezeigten Arbeiten: „Für Auszüge. Christian Haake in Winterreute gehen Haakes Werke einen überzeitlichen Dialog ein mit der Welt Jakob Bräckles, mit seinem Atelier, seiner Landschaft und seiner Kunst,… Es ist kein Wettstreit und auch keine Hommage, sondern ein stilles Gespräch um die Frage: Kann man den Dingen auf den Grund gehen, wenn man sie aufs Wesentliche reduziert?“

Christian Haake, Jahrgang 1969, dessen Werke sonst in größeren Museen wie der Bundeskunsthalle in Bonn oder der Hamburger Kunsthalle ausgestellt werden, verbrachte zwei Tage in Winterreute. Im Gespräch verriet er, dass er sehr gerne einmal im Atelierhäuschen übernachtet hätte. Aber aus Respekt gegenüber Jakob Bräckle hat er dieses Ansinnen als anmaßend empfunden und wieder verworfen.
Ein Reporter vom Deutschlandfunk war ebenfalls vor Ort und führte Interviews mit dem Künstler und den Besuchern. Der entstandene Beitrag für die Sendung „Fazit“, Deutschlandfunk Kultur, welcher bereits am 28.9.2026 gesendet wurde, ist online in der Mediathek des Deutschlandfunks abrufbar.
Die Ausstellung ist bis Sonntag, 18. Oktober, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 6 Euro als Kombiticket inklusive Eintritt im Museum. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Zusätzlich werden Kurzführungen durch den stellvertretenden Museumsleiter und Kunsthistoriker Stefan Krämer angeboten: Samstag, 3. Oktober; 10. Oktober und 17. Oktober, jeweils um 14:00 Uhr. Die Führungen sind kostenfrei. Es gibt ein Katalogbuch zur Ausstellung.
Internet-Links für zusätzliche Informationen zur Ausstellung:
