Der Fall des Hauses CDU – oder: Wenn Merz den Kompass sucht (von Gaspard und Dr. ChatGPT – Grüße an den Dadaismus!)
Mecklenburg-Vorpommern, 20. September 2026.
Es ist geschehen.
Die CDU ist tot.
Zumindest dort, wo man ihr bisher einen Sitz hingestellt hatte.
Mit 4,9 Prozent hat die Christlich Demokratische Union in Mecklenburg-Vorpommern den Landtag verlassen – nicht etwa durch die Hintertür, sondern durch die berühmte parlamentarische Schleuse: Fünf Prozent rein, 4,9 Prozent raus.
Ein historischer Moment.
Denn was Edgar Allan Poe – wohlgemerkt kein Soziologieprofessor, sondern Schriftsteller – schon 1839 im Fall des Hauses Usher literarisch vorwegnahm, ist nun offenbar als Wahlstatistik wiederauferstanden: Erst bekommt das Gebäude Risse, dann knarzt die Treppe, anschließend fällt der Kronleuchter herunter und am Ende fragt jemand:
„Wo ist eigentlich der Fraktionsvorsitzende?“
Antwort:
Im Flur.
Mit Koffer.
Das Haus Usher hatte immerhin noch ein Haus
Bei Poe zerfällt das Haus Usher langsam, unheimlich und atmosphärisch.
Bei der CDU ging es wesentlich effizienter.
4,9 Prozent.
Das ist nicht einmal mehr ein politisches Erdbeben. Das ist die Art von seismischer Bewegung, bei der der Geologe kurz auf die Anzeige schaut und sagt:
„Interessant. Das war offenbar eine Partei.“
Die CDU hatte in Mecklenburg-Vorpommern 2021 noch 13,3 Prozent erreicht. 2026 blieb von diesem Wert nur noch ein parlamentarischer Schatten übrig.
Man könnte sagen:
Das Konservative ist gegangen.
Die Fünf-Prozent-Hürde hat die Tür aufgemacht.
Die CDU hat höflich geklopft.
Die Tür hat gesagt:
„Wir kennen Sie leider nicht.“
Angela Merkel und das Ende einer Epoche
Und irgendwo sitzt vermutlich die Geschichte auf einem alten Sofa und blättert in ihren Akten.
Angela Merkel.
Die Kanzlerin aus Mecklenburg-Vorpommern.
Die Frau, die 16 Jahre lang Deutschland regierte, während die politische Wetterlage gelegentlich zwischen Weltuntergang und „Wir schaffen das“ wechselte.
Unter Merkel wurde die CDU zur großen politischen Wohnzimmergarnitur der Republik:
Nicht unbedingt aufregend.
Nicht unbedingt leicht zu bewegen.
Aber man wusste, wo sie stand.
Nun ist ausgerechnet in Merkels Heimatland der parlamentarische Stuhl verschwunden.
Man stelle sich vor, Historiker würden in einigen Jahrzehnten schreiben:
„In der Merkel-Ära erreichte die CDU ihre größte politische Ausdehnung. Danach begann sie, sich in Mecklenburg-Vorpommern langsam aufzulösen.“
Langsam?
Nein.
4,9 Prozent.
Das ist nicht Auflösung.
Das ist politische Verdunstung.
Merz Airlines – Der Flug ins Nirgendwo
Und dann wäre da noch Friedrich Merz.
Pilot.
Parteichef.
Bundeskanzler.
Navigator.
Zumindest theoretisch.
Denn wenn Merz sich verfliegt, dann verfliegen offenbar auch sämtliche Zweifel.
Der Kompass zeigt nach Norden.
Merz fliegt Westen.
Der Autopilot sagt:
„Bitte wenden.“
Merz sagt:
„Wir bleiben auf Kurs.“
Das Flugzeug sagt:
„Welchen Kurs?“
Merz:
„Dem wirtschaftlichen.“
Das Flugzeug:
„Wir befinden uns über der Ostsee.“
Und plötzlich ist Mecklenburg-Vorpommern kein Bundesland mehr, sondern eine Flugzone.
CDU Airlines informiert ihre Passagiere:
„Sehr geehrte Damen und Herren, wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass unser Flug nach Schwerin aufgrund eines Navigationsfehlers in der politischen Bedeutungslosigkeit gelandet ist.“
Das Gepäck befindet sich bereits in Berlin.
Der Kompass wurde nicht mitgenommen.
Das Merz-Prinzip
Es gibt einen alten Grundsatz der Luftfahrt:
Wenn du nicht weißt, wo du bist, hilft auch höhere Geschwindigkeit nicht.
Das könnte künftig als Merz-Prinzip in die politische Navigation eingehen.
Mehr Schub!
Mehr Reformen!
Mehr Tempo!
Und irgendwo hinten im Cockpit:
„Entschuldigung, Herr Kapitän, aber wir haben gerade den Landtag verloren.“
„Welchen?“
„Mecklenburg-Vorpommern.“
„Kein Problem.“
„Warum?“
„Wir haben doch noch Berlin.“
Der Bordcomputer schweigt.
Der parlamentarische Exitus
Der Verlust des Landtagsmandats ist dabei kein gewöhnlicher Wahlausgang.
Er ist eine historische Fußnote mit eingebautem Ausrufezeichen.
Die CDU ist damit erstmals in ihrer Geschichte in keinem Landesparlament Mecklenburg-Vorpommerns vertreten.
Das ist ungefähr so, als würde der FC Bayern plötzlich feststellen, dass er aus Versehen aus dem Fußballverein ausgetreten ist.
Oder als würde die Feuerwehr anrufen und sagen:
„Wir können leider nicht kommen. Unser Fahrzeug steht nicht mehr in der Garage.“
Oder wie beim Bestatter:
„Für wen ist der Termin?“
„Für die CDU.“
„Alter?“
„1945.“
„Todesursache?“
„4,9.“
Ein dadaistischer Blick auf die Wahlurne
Vielleicht war es aber auch ein Missverständnis.
Vielleicht wollten die Wählerinnen und Wähler gar nicht die CDU aus dem Parlament werfen.
Vielleicht wollten sie nur testen, ob Demokratie auch ohne sie funktioniert.
Die Wahlurne jedenfalls hat offenbar gerechnet:
13,3 Prozent → 4,9 Prozent
Der Taschenrechner:
„Ich brauche eine Pause.“
Der Wahlzettel:
„Ich kann das erklären.“
Die Fünf-Prozent-Hürde:
„Nein.“
Und was bleibt?
Ein Logo.
Ein paar Wahlplakate.
Einige Pressemitteilungen.
Eine bemerkenswerte historische Statistik.
Und vermutlich sehr viele Menschen, die am Montagmorgen vor einem CDU-Büro stehen und fragen:
„Ist hier heute geschlossen?“
„Nein.“
„Aber Sie sind doch nicht mehr im Landtag.“
„Das stimmt.“
„Dann sind Sie also…?“
„Regionalpolitisch obdachlos.“
Letzte Worte
Man sollte einen Nachruf niemals mit Häme beenden.
Deshalb seien hier die letzten Worte besonders würdevoll:
Liebe CDU in Mecklenburg-Vorpommern,
du hast lange im parlamentarischen Haus gesessen.
Nun ist der Stuhl weg.
Die Tür ist zu.
Der Schlüssel liegt irgendwo.
Friedrich Merz fliegt weiter.
Ohne Kompass.
Aber mit Merz.
Und wenn er sich verfliegt, dann gilt wenigstens die alte dadaistische Erkenntnis:
Wer nicht weiß, wo er hinfliegt, kann wenigstens behaupten, er sei auf Reformkurs.
Über dem Haus Usher zieht inzwischen Nebel auf.
Im Hintergrund knackt irgendwo ein altes Gebälk.
Edgar Allan Poe schaut aus seinem Grab und murmelt:
„Ich habe das anders gemeint.“
Und Mecklenburg-Vorpommern antwortet:
„Wir auch.“