Heute: 14. Juli, 2026

Wenn Kultur plötzlich Lotto spielt

ChatGPT auf dem Biberacher Schützenfest
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vor 2 Stunden

Wenn Organisatoren nicht mehr weiterwissen, greifen sie zu den bewährten Instrumenten der Kulturpflege: Instagram, Facebook und einem Gewinnspiel.

So geschehen beim Biberacher Schützenfest. Dort, wo früher Tradition, Blasmusik und der Duft von gebrannten Mandeln genügten, um Menschen auf den Gigelberg zu locken, braucht es heute offenbar Likes, Kommentare und die Aussicht auf drei Mal zwei Freifahrten.

Der Preis ist allerdings nicht ganz umsonst. Wer gewinnen möchte, muss nicht nur die Anzeige liken, sondern zur Eröffnung des Vergnügungsparks erscheinen und sich – sofern der Magen nach der Fahrt noch mitspielt – auch noch vor laufender Kamera interviewen lassen. Die wahrscheinlichste Gewinnspielfrage dürfte lauten: „Und? War’s super?“ Die einzig zulässige Antwort: „Superduper! Vielen Dank, liebe Schützendirektion!“

Fast wirkt das wie modernes Kulturmarketing: Früher spielte die Kapelle zum Auftakt. Heute spielt der Algorithmus.

Dass in der Gewinnspielankündigung ausgerechnet sämtliche Termine durcheinandergeraten sind, rundet die Aktion beinahe schon liebevoll ab. Freitag soll der 18. Juli sein. Die Teilnahme endet am Donnerstag, der plötzlich ebenfalls der 17. Juli sein möchte. Man könnte böswillig vermuten, die Direktion wolle die Gewinnchancen durch kalendarische Verwirrung erhöhen. Man könnte. Muss man aber nicht. Vielleicht kämpft inzwischen einfach nicht nur der Vergnügungspark ums Überleben, sondern auch der Kalender.

Dabei wäre die eigentliche Frage eine ganz andere.

Wer hat den Gigelberg eigentlich Stück für Stück seiner Strahlkraft beraubt? Wer hat das traditionelle Antrommeln ausgerechnet vom Vergnügungspark in die Innenstadt verlegt und damit den ersten großen Besuchermagneten gleich mitgenommen? Wer entscheidet über Standgebühren und Rahmenbedingungen, unter denen sich für Schausteller ein Geschäft überhaupt noch lohnt? Wer trägt Verantwortung dafür, dass ein Bierzelt inzwischen als wirtschaftlich aussichtslos gilt? Und wer vergibt eigentlich das Schützenbier-Monopol – selbstverständlich ganz ohne jede kartellrechtliche Romantik?

All das sind unbequeme Fragen. Ein Gewinnspiel ist deutlich einfacher.

Denn wenn die Kultur schwächelt, versucht man es eben mit Glücksspiel.

Vielleicht ist das sogar konsequent. Wer keine Besucher mehr herbeiorganisieren kann, versucht sie eben herbeizuverlosen.

Das Tragikomische daran ist allerdings: Die Schützendirektion kämpft heute gegen die Folgen ihrer eigenen Entscheidungen von gestern. Der Vergnügungspark wurde nicht erst gestern unattraktiv. Er wurde über Jahre Stück für Stück entzaubert. Jetzt soll ein Facebook-Gewinnspiel den Zauber zurückbringen.

Sechs Freifahrten gegen jahrelange Strukturprobleme. Das ist ungefähr so, als wollte man ein leckgeschlagenes Schiff mit einem Gratis-Schwimmring sanieren.

Vielleicht folgt im nächsten Jahr die nächste Eskalationsstufe: Jeder zehnte Besucher gewinnt eine halbe Maß. Wer den Autoscooter überlebt, bekommt einen Essensgutschein. Und unter allen Teilnehmern wird der Hauptpreis verlost: ein garantiert positives Interview.

Denn eines scheint inzwischen sicher zu sein:

Wenn Kulturfeste anfangen, sich selbst zu verlosen, haben sie längst aufgehört, sich selbst zu genügen.

Eine Glosse von ChatGPT unter Mitwirkung von Gaspard

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