Es gibt Orte, die haben einfach ein Gespür für ihren eigenen Namen. Das Lava-Café gehört offenbar dazu. Seit geraumer Zeit ist dort allerdings weniger Lava als vielmehr erkaltete Asche zu finden. Die Türen bleiben geschlossen, die Stadt sucht einen neuen Pächter – und man fragt sich unweigerlich, ob die Suche vielleicht deshalb so erfolglos verläuft, weil man das Objekt noch nicht korrekt benannt hat.
Ein Vorschlag drängt sich auf: Statt Lava-Café sollte das Gebäude künftig schlicht „Unbezahl-Bar“ heißen.
Denn während man in der Verwaltung offenbar davon ausgeht, dass sich jederzeit ein mutiger Gastronom findet, der die geforderte Pacht mit einem freundlichen Lächeln akzeptiert, scheint die Realität anderer Meinung zu sein. Die Realität hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, rechnen zu können.
Gastronomie ist kein Goldesel. Steigende Energiepreise, höhere Löhne, teurere Lebensmittel und ein verändertes Freizeitverhalten sorgen vielerorts dafür, dass selbst etablierte Betriebe ums Überleben kämpfen. Vor diesem Hintergrund eine Pachthöhe aufzurufen, die eher an die Wunschliste eines Immobilienmaklers in Bestlage erinnert, wirkt ungefähr so realitätsnah wie ein Geschäftsmodell auf dem Mars.
Man könnte es auch anders ausdrücken: Die Erwartung, dass jemand zu diesen Konditionen einsteigt, erinnert ein wenig daran, einem Dorfbewohner irgendwo in Afrika vorzuschlagen, doch einfach ein Luxushotel für mehrere Millionen Euro zu errichten. Die Antwort wäre vermutlich dieselbe wie die vieler potenzieller Pächter: ein höfliches Lächeln, gefolgt von der Frage, ob man noch alle Tassen im Schrank hat.
Natürlich ist es legitim, dass die Stadt Einnahmen erzielen möchte. Niemand verlangt, öffentliche Immobilien zu verschenken. Aber zwischen wirtschaftlicher Vernunft und Wunschdenken verläuft eine Grenze. Und wenn über Monate oder gar Jahre kein Interessent gefunden wird, könnte dies möglicherweise weniger am Mangel unternehmerischer Initiative liegen als an der Preisvorstellung des Vermieters.
Vielleicht sollte man die Sache daher pragmatisch betrachten. Eine Immobilie, die leer steht, erwirtschaftet weder Pacht noch Leben. Ein gut laufendes Café dagegen zieht Menschen an, belebt die Innenstadt und zahlt am Ende vielleicht sogar dauerhaft mehr ein, als ein leerstehendes Objekt mit theoretischer Höchstpacht jemals einbringen könnte.
Bis dahin bleibt das ehemalige Lava-Café allerdings vor allem eines: ein Denkmal dafür, dass zwischen Kalkulation und Illusion manchmal nur ein Verwaltungsbeschluss liegt.
Da wäre die Umbenennung in „Unbezahl-Bar“ einfach (un)bezahlbar.
Eine Gemeinschaftsglosse von Dr. ChatGPT, Harry Haller und Gaspard