Heute: 09. Jan., 2026

Donaldismus: „Ich kaufe Grönland!“ – Wie geil ist das denn?

Eiszeit
von
vor 4 Stunden

Natürlich ist alles käuflich. Alles. Wer da noch widerspricht, hat schlicht das falsche Budget oder spricht mit der Buchhaltung statt mit dem Vorstand. Länder wechseln heute nicht mehr die Flagge, sondern den Eigentümer. Grenzen sind keine Linien mehr, sondern AGB-Absätze mit Fußnoten: Gilt nicht an Feiertagen, bei Sanktionen oder moralischen Bedenken.

Meinungen sind besonders praktisch. Sie sind leicht, stapelbar und verderben nicht. Man kann sie in großen Mengen einkaufen, tiefkühlen und bei Bedarf wieder auftauen. „Empörung, mittelstark“ kostet weniger als „Empörung, existenziell“, wirkt aber im Alltag erstaunlich ähnlich. Wer Premium bucht, bekommt noch ein Tränchen im Augenwinkel und den Satz „Das habe ich mir nicht leicht gemacht“ gratis dazu.

Menschen selbst sind natürlich unbezahlbar – und genau deshalb so hervorragend zu vermieten. Haltung auf Zeit, Rückgrat im Leasingmodell, Gewissen als In-App-Kauf. Für einen kleinen Aufpreis lassen sich frühere Aussagen bequem aus dem Gedächtnis entfernen. Die Deluxe-Variante enthält ein echtes Schuldbekenntnis, allerdings ohne Konsequenzen.

Moralische Vorbehalte? Niedlich. Sie erinnern an Rauchmelder in Luxusyachten: theoretisch sinnvoll, praktisch aber meist abgeklemmt, weil sie den Blick aufs Meer stören. Wer genug Geld hat, braucht keine Überzeugungskraft, nur Geduld. Irgendwann wird jeder müde, hungrig oder renovierungsbedürftig.

Blicken wir nach vorn, in die nahe Zukunft dieser wunderbar effizienten Weltordnung. Staaten heißen dann nicht mehr Republik oder Königreich, sondern „Region powered by XY“. Parlamente werden durch Pitch-Decks ersetzt. Gesetze kommen als Updates, die man akzeptieren muss, sonst funktionieren Grundrechte nur noch im eingeschränkten Modus.

Wahlen gibt es weiterhin, selbstverständlich – sie heißen nur anders. „Kundenzufriedenheitsumfrage“, zum Beispiel. Man darf aus drei nahezu identischen Optionen wählen und bekommt am Ende eine Dankesmail, in der steht, dass man wichtig ist. Einfluss kostet extra.

Die neue globale Elite erkennt man daran, dass sie keine Meinung mehr hat, sondern ein Portfolio. Wer breit gestreut investiert, kann morgens für Klimaschutz, mittags für Kohleabbau und abends für beides gleichzeitig sein. Widerspruch? Nein, Diversifikation.

Am Ende erwartet uns eine Welt, in der alles einen Preis hat und nichts mehr einen Wert. Eine Welt ohne Ideale, aber mit hervorragendem Kundenservice. Eine Welt, in der man sich nicht mehr fragt, ob etwas richtig ist, sondern für wen es sich lohnt.

Und falls das jemandem zu zynisch erscheint: Keine Sorge. Auch Zynismus ist käuflich.

(Dank an Amelie und ihren Drang mit ChatGPT abzuhängen)

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