Heute: 21. Okt., 2026

Leckerbissen für Freunde der Malerei: Ausstellung von Katharina Wilhelm

Katharina Wilheim - Foto: Albert Gratz
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vor 15 Minuten

Von Albert Gratz

Die 27-jährige Künstlerin Katharina Wilhelm wurde vergangenes Jahr mit dem Bruno-Frey-Kulturpreis in der Kategorie bildende Kunst ausgezeichnet. Mit dieser kleinen Geldspritze hat sie nun einen leer stehenden Laden in der Hindenburgstraße 30 in Biberach bis Mitte November angemietet und mit viel Einsatz kurzerhand in eine temporäre Kunstgalerie verwandelt. Das war allerdings ein längerer Prozess. Ganz am Anfang hat sie erst einmal alle in Frage kommenden, leerstehenden Läden in Biberach abgeklappert und versucht herauszubekommen, wer für die Vermietung der jeweiligen Lokalitäten überhaupt verantwortlich ist. Das war nicht ganz so einfach. Die Stadtverwaltung konnte ihr letztlich weiterhelfen, von dort erhielt sie einige Kontakte. Mit dem Vermieter des Ladens in der Hindenburgstraße 30 hatte sie dann Glück. Früher war hier das Blumengeschäft Bode, später ein Antiquitätenhandel und eine Secondhand-Boutique. Dann Leerstand.

Foto: Albert Gratz

Katharina Wilhelm stammt ursprünglich aus Baltringen. Nach Realschule und Gymnasium in Laupheim und Biberach schaffte sie den Sprung an die Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Dort studierte sie bei Professor Emanuel Wolff (Wikipedia)und dann in der Fachklasse für Malerei bei Professor Christian Macketanz. Letztes Jahr schloss sie ihr Kunststudium mit Diplom ab. Momentan ist Wilhelm in einem anschließenden Meisterstudium an der HfBK Dresden. Ein Stipendium für ein Auslandssemester sowie Einladungen zu Künstlerresidenzen führten sie nach Schottland, Dänemark und Norwegen. Vergangenes Jahr hatte sie in der Galerie Pro Arte, der Kunststiftung der Kreissparkasse Biberach, ihre erste Einzelausstellung.

Ausstellungsraum – Foto Albert Gratz

Wilhelm widmet sich zum einen der klassischen Plein-air-Malerei, das bedeutet sie malt draußen vor Ort, in der Natur. Bewaffnet mit Farbkasten, Pinseln, Wasserglas, Lappen und kleinformatigen Malgründen, alles handlich verstaut in einem Stoffbeutel, wandert sie durch die Landschaft. Das macht sie aber nicht nur bei ihren zahlreichen Auslandsaufenthalten, sondern auch an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort. So auch in ihrer alten Heimat Baltringen und Umgebung. Sie versucht täglich eine Landschaft einzufangen, auch neben ihrer Arbeit im Atelier. Es gibt für ihr geschultes Auge draußen immer etwas Interessantes zu entdecken.
Findet sie eine ansprechende und inspirierende Stelle, entstehen in kurzer Zeit kleine, luftige Landschaftstudien. Mit flinkem, virtuosen Pinselstrich bannt sie die Landschaft mit ihren Licht- und Wetterstimmungen auf kleinformatige Malgründe aus MDF-Holzfaserplatte. Manchmal sogar mehrere davon an einem Tag. Jeder Pinselstrich muss sitzen. Meist, wie durch ein Fernglas oder Teleobjektiv beobachtet, eng begrenzte Landschaftsausschnitte: Ein Berg, ein See, Wolkenfetzen, ein Haus. In der Farbstimmung perfekt getroffen, wähnt sich der Betrachter selbst in der Landschaftsszenerie. Alle Details sind von Katharina Wilhelm zwar nur grob angelegt und angedeutet, aber mühelos kann der Rezipient die dann für eine stimmiges Landschaftsbild selbst vervollständigen. Akribisch werden die entstandenen Landschaftstudien auf der Rückseite durchnummeriert. Somit ist es nur konsequent, dass die jetzt von ihr in Biberach ausgestellten Malereien chronologisch, gleich einem Tagebuch gehängt sind. Der Betrachter kann dadurch Wilhelms Wanderungen im Nachhinein verfolgen.


Zum anderen sind von ihr in der Ausstellung großformatige, meditativ anmutende Malereien auf Leinwand an der Decke befestigt und hängen einer Installation ähnlich im Raum. Auf den ersten Blick erscheinen die in kräftigeren Farben und mit breitem Pinsel gemalten Leinwandbilder in krassem Kontrast zu ihren kleinen Landschaftsstudien. Bei genauerer Betrachtung erweist sich das als Trugschluss. Eine wage Horizontlinie wird erkennbar. Die vertikalen Bildelemente könnten Vegetation darstellen. Ein Durchblick in eine abstrahierte Landschaft tut sich auf. Wilhelm erklärt, dass ihre kleinen Landschaftsstudien für die hängenden Bildfahnen als Vorlage dienen. Im derzeitigen Atelier in Baltringen hat sie momentan den nötigen Platz, um an diesen großen Formaten arbeiten zu können.

Links: 2 Teile „Mietingen“ 210 x 290 cm, Acryl auf Leinwand. Foto: Albert Gratz.

Im Nebenraum des Ladens gibt es einen improvisierten Galerie-Shop. Liebevoll selbst hergestellte und individuell gebundene Kataloge mit Reproduktionen der Landschaftsstudien werden dort von ihr angeboten. Die ausgestellten Werke sind natürlich ebenso käuflich.

Obwohl am Sonntag die Stadt voll war mit Teilnehmern und Zuschauern des Genießerlaufes, hielt sich der Besucherandrang in der Galerie leider in Grenzen. Vielleicht waren die Langstreckenläufer für den Kunstgenuss nach dem Lauf einfach viel zu sehr ausgepowert oder schlichtweg die falsche Zielgruppe. So bleibt der Künstlerin zu wünschen, dass in den restlichen Ausstellungstagen doch mehr Besucher den Weg in die sehr schöne und professionell gemachte Ausstellung finden. Die Ausstellung hätte es verdient.


Die Galerie in der Hindenburgstraße 30 in Biberach ist noch bis Mitte November geöffnet. In dieser Woche zu folgenden Zeiten: Am Mittwoch von 10 bis 15 Uhr. Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr. Samstag von 11 bis 14 Uhr. Sonntag, 25. Oktober: 10 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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