Heute: 18. Juni, 2026

Breitband für das Küchenschneidebrett

Symbolbild: Gemeinderat grübelt (ChatGPT)
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vor 2 Stunden

Am kommenden Donnerstag steht dem Biberacher Gemeinderat eine Entscheidung von historischer Tragweite bevor. Nicht etwa über die Zukunft Europas, den Weltfrieden oder die Ansiedlung eines Raumfahrtzentrums auf dem Gigelberg. Nein: Es geht um die Frage, ob Gemeinderäte ihre Sitzungsunterlagen künftig nur noch digital erhalten sollen.

Die Ausgangslage ist eigentlich übersichtlich. Seit geraumer Zeit wurden die Damen und Herren Räte bereits mit Tablets ausgestattet. Modern, handlich, leistungsfähig. Was genau mit diesen Geräten seitdem geschieht, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Manche munkeln, einige Exemplare hätten ihre wahre Bestimmung als dekorativer Wandschmuck gefunden. Andere vermuten einen Einsatz als Untersetzer oder digitales Küchenschneidebrett.

Nun möchte die Verwaltung den nächsten Schritt gehen: Schluss mit Papierbergen, Schluss mit dicken Briefumschlägen. Die Unterlagen sollen künftig ausschließlich digital bereitgestellt werden. Ein Drittel des Gemeinderats sieht das allerdings anders und möchte weiterhin die vertraute Raschelei von Papier erleben. Man wünscht sich die Dokumente ausgedruckt und per Post zugestellt.

Der Oberbürgermeister hält dagegen. Wer Papier wolle, könne schließlich selbst drucken.

Eine bemerkenswert optimistische Annahme.

Denn sofort stellen sich existenzielle Fragen: Haben die Betroffenen überhaupt einen Drucker? Wissen sie noch, wie man einen Druckauftrag startet? Oder endet der Versuch bereits bei der Fehlermeldung „Papierstau in Fach 2“, obwohl das Gerät nur ein Fach besitzt?

Hier offenbart sich eine jener berühmten Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Verwaltung fordert digitale Souveränität. Die Praxis antwortet mit der Frage, wo eigentlich die Ein-Taste ist.

Dabei wird gerade in politischen Debatten regelmäßig die Digitalisierung aller Lebensbereiche eingefordert. Bürger sollen Anträge online stellen, Formulare digital ausfüllen und Behördengänge möglichst nur noch virtuell absolvieren. Wer noch einen Brief verschickt, wirkt beinahe wie ein Teilnehmer historischer Reenactment-Veranstaltungen.

Geht es jedoch um das eigene Arbeitsumfeld, wird plötzlich die Vorliebe für analoges Papier entdeckt. Ausgerechnet jene, die kommende Woche über Breitbandausbau und digitale Infrastruktur beraten, kämpfen womöglich mit PDF-Dateien.

Das hat durchaus Charme.

Denn tatsächlich gibt es gute Gründe, den allgegenwärtigen Digitalisierungsdrang kritisch zu betrachten. Organisationen wie Digitalcourage weisen seit Jahren darauf hin, dass ein Leben ohne Smartphone-App, Online-Zwang und digitale Dauerverfügbarkeit weiterhin möglich bleiben muss. Die Forderung nach einem Recht auf Digitalverzicht erscheint keineswegs abwegig. Nicht jeder Lebensbereich muss zwanghaft durchdigitalisiert werden.

Allerdings stellt sich dann schon die Frage, wie glaubwürdig eine Debatte über Glasfaseranschlüsse wirkt, wenn die Sitzungsunterlagen lieber auf Papier gelesen werden sollen.

Für wen bauen wir eigentlich das Breitbandnetz der Zukunft? Für Gemeinderäte, die ihr Tablet als Schneidebrett benutzen? Für jene, die beim Wort „Cloud“ zunächst an das Wetter denken?

Vielleicht liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte. Digitalisierung dort, wo sie sinnvoll ist. Papier dort, wo es gebraucht wird. Und ein wenig Nachsicht für alle, die sich mit dem digitalen Wandel schwertun.

Trotzdem bleibt eine Erkenntnis: Wer über die digitale Zukunft einer Stadt entscheidet, sollte zumindest wissen, wo auf dem Tablet der Einschaltknopf ist.

Denn wer braucht schon Breitband, wenn er auch schmal denken kann?

Eine Glasse von Dr. ChatGPT in Zusammenarbeit mit Gaspard

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