{"id":20991,"date":"2026-06-22T16:00:48","date_gmt":"2026-06-22T14:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/weberberg.de\/?p=20991"},"modified":"2026-06-22T17:50:41","modified_gmt":"2026-06-22T15:50:41","slug":"lauter-kahlschlag-startet-jetzt-ein-aesthetisches-und-oekologisches-fiasko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/2026\/06\/22\/lauter-kahlschlag-startet-jetzt-ein-aesthetisches-und-oekologisches-fiasko\/","title":{"rendered":"Laute(r) Kahlschlag startet jetzt! &#8211; Ein \u00e4sthetisches und \u00f6kologisches Fiasko"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beitrag von J\u00fcrgen Kraft zur &#8222;Sanierung&#8220; von Viehmarktstra\u00dfe 6<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Viehmarktstra\u00dfe 6<\/strong><strong> <\/strong><strong>ist ein \u00e4sthetisches und \u00f6kologisches Fiasko. Und als solches reiht es sich ein in eine ganze Reihe Fiaskos, die Biberach bereits zu erleiden hatte und auch zuk\u00fcnftig sehr wahrscheinlich noch wird erleiden m\u00fcssen. Wobei solche S\u00fcnden der Stadtentwicklung ein Ph\u00e4nomen sind, das \u00fcberall seit langem zu beobachten ist. Und das von daher auch schon vor langem untersucht und kritisiert worden ist.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AlbertGratz2024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20994\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AlbertGratz2024.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AlbertGratz2024-300x225.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AlbertGratz2024-768x576.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AlbertGratz2024-50x38.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/AlbertGratz2024-60x45.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Albert Gratz 2024 &#8222;Die Laute&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abrisse von erhaltenswerten und noch gut nutzbaren Altbauten werden von interessierter Seite gern gerechtfertigt mit immer wiederkehrenden Argumenten. Auf einige der g\u00e4ngigsten Rechtfertigungen f\u00fcr diese Vernichtung von erhaltenswerter Altbausubstanz kommt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vittorio_Magnago_Lampugnani\">Vittorio Magnago Lampugnani<\/a> zu sprechen:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Um Argumente, die zuweilen mit viel Phantasie gefunden werden, ist man nicht verlegen. Sogar die \u2013im Prinzip richtige- Losung der Verdichtung wird bem\u00fcht: \u2026 Man rei\u00dft nicht ab, um lukrativer, sondern um dichter zu bauen. Dass das Gesch\u00e4ft weiterhin gewinnbringend ausf\u00e4llt, ist ein nicht unangenehmer Nebeneffekt.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"674\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21005\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_1.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_1-300x202.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_1-768x518.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_1-50x34.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_1-60x40.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unsrer Zeit wird aber von den Abbruchverteidigern vor allem ein Argument sehr gern angef\u00fchrt, das sie f\u00fcr viel \u00fcberzeugender halten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Neuerdings erfolgt die Zerst\u00f6rung von Bausubstanz ausgerechnet unter dem Vorwand des Umweltschutzes. Es sind nicht mehr hygienisch, sondern w\u00e4rmetechnisch unzul\u00e4ngliche H\u00e4user, die ohne Not plattgemacht werden.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[ii]<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn: \u201e<em>Die neuen H\u00e4user sind \u00fcppig ged\u00e4mmt, klimaschonend geheizt und vor allem zertifiziert. Wer k\u00f6nnte dagegen das Wort ergreifen? &#8230; Der Konsumismus hat eine neue Begr\u00fcndung und die Bauindustrie eine neue Marketingmasche gefunden.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[iii]<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Begr\u00fcndungen, die den Abriss noch guter Bausubstanz ideologisch rechtfertigen, sind aber meistens blo\u00df vorgeschoben. Denn zwar gibt es in der Tat den einen oder anderen Altbau, der nicht mehr nutzbar oder zu erhalten ist und abgerissen werden muss. Aber in den allermeisten F\u00e4llen ist dies \u00fcberhaupt nicht so. Tats\u00e4chlich geht es meistens ausschlie\u00dflich um rein \u00f6konomische Interessen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21010\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle-300x200.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle-768x512.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle-50x33.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle-60x40.jpg 60w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/SieKralle-720x480.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Kralle &#8211; Foto: Gaspard<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man sich von diesen blo\u00df vorgeschobenen, interessengeleiteten Argumenten nicht t\u00e4uschen l\u00e4\u00dft, er\u00f6ffnet sich einem der Blick auf die mit dem Abrei\u00dfen von Altbauten und ihrem Ersatz durch Neubauten einhergehenden <strong>negativen Auswirkungen<\/strong>. Der K\u00fcrze dieses Beitrags zuliebe beschr\u00e4nke ich mich auf drei davon. Da ist zun\u00e4chst das Erscheinungsbild der Stadt, ihre \u00c4sthetik. Dann die Stadtgesellschaft, n\u00e4mlich die Zusammensetzung ihrer Gesellschaftsschichten. Und schlie\u00dflich noch die weitere Perspektive auf die Umwelt bzw. Natur, also auf die \u00f6kologischen Auswirkungen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das \u00e4sthetische Fiasko<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kritik am <strong>Neubau<\/strong> als \u00e4sthetischem Fiasko ist blo\u00df relativ und gilt nur, insofern nicht ein sch\u00f6ner Neubau realisiert wird. Denn wenn ein \u00e4sthetisch anspruchsvoller Neubau errichtet wird, gilt sie selbstverst\u00e4ndlich nicht. Auch die zeitgen\u00f6ssische Bau<strong>kunst<\/strong> kann ja ganz offensichtlich solche Geb\u00e4ude entwerfen. Es geht mir hier also nicht um eine reaktion\u00e4re antimodernistische Kulturkritik. Die vorgetragene \u00e4sthetische Kritik bezieht sich somit ausschlie\u00dflich auf die uninspirierte Pseudo\u00e4sthetik von Neubauten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie auch immer man nun den Baustil des in der Viehmarktstra\u00dfe 6 abgerissenen Geb\u00e4udes, der sog. \u201e<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reels\/DV9JirTjKTb\/\">Laute<\/a>\u201c, bewerten mag, in jedem Fall ging mit ihrer Vernichtung ein individuelles, die Vielfalt des Stadtbildes mit seinem Detailf\u00fclle bereicherndes und es pr\u00e4gendes besonderes Geb\u00e4ude mit Gesicht verloren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"727\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1899_1905-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21003\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1899_1905-1.jpg 727w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1899_1905-1-218x300.jpg 218w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1899_1905-1-36x50.jpg 36w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1899_1905-1-60x83.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und an seiner Stelle entsteht jetzt ein <strong>Neubau <\/strong>als rein funktionaler, standardisierter und gesichtslos monotoner Allerweltskasten. Einer, wie er in jedem Dorf und jeder Gro\u00dfstadt weltweit \u00fcberall stehen k\u00f6nnte. Aber wenn das Profitmachen die Bauaufgabe festlegt, die dann alles, was \u00fcber die reine Funktionalit\u00e4t hinausgeht und nicht bezahlt wird, vermeidet, mu\u00df eben die \u00c4sthetik zwangsl\u00e4ufig auf der Strecke bleiben, dann kann dabei allerh\u00f6chstens eine Minimal\u00e4sthetik herauskommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"583\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute2026_nach-Leis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21017\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute2026_nach-Leis.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute2026_nach-Leis-300x175.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute2026_nach-Leis-768x448.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute2026_nach-Leis-50x29.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute2026_nach-Leis-60x35.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Projektion, frei nachgebaut nach dem Entwurf der Architekten von Bauunternehmer Leis mit Hilfe von KI. Eine Projektion wie das Geb\u00e4ude nach der &#8222;Sanierung&#8220; dann aussehen k\u00f6nnte und wie es im Gestaltungsausschuss diskutiert wurde.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor man sich den <strong>negativen Auswirkungen von <\/strong>uninspirierten<strong> Neubauten<\/strong> zuwenden kann, mu\u00df man sich eines klarmachen:Menschen machen die Stadt, aber die Stadt macht eben auch die Menschen. Darauf aufmerksam macht Alexander Mitscherlich: \u201e<em>Der Mensch wird so, wie die Stadt ihn macht, und umgekehrt<\/em>\u201c<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[iv]<\/a>. Wobei freilich einige wenige Menschen wie Stadtplaner, Architekten und Bauherren die Stadt mehr \u201emachen\u201c oder gestalten als die Masse u.a. der Mieter und P\u00e4chter. Aber beispielsweise die Atmosph\u00e4re einer Stadt wird schon von ihren Bewohnern und Besuchern gemacht. Also:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Menschen schaffen sich in den St\u00e4dten einen Lebensraum, aber auch ein Ausdrucksfeld mit Tausenden von Facetten, doch r\u00fcckl\u00e4ufig schafft diese Stadtgestalt am sozialen Charakter der Bewohner mit<\/em>.\u201c<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"999\" height=\"732\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1930.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20998\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1930.jpg 999w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1930-300x220.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1930-768x563.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1930-50x37.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Laute_1930-60x44.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 999px) 100vw, 999px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im folgenden werde ich mich zun\u00e4chst auf die negativen \u00e4sthetischen Auswirkungen solch gesichtsloser und un\u00e4sthetischer Dutzendware-Neubauten beschr\u00e4nken. Werden die Stadtbewohner und \u2013besucher mit Geb\u00e4uden konfrontiert, die \u00fcberhaupt keine Details aufweisen, welche das Sehen irritieren, es damit an- und aufhalten, ein interessiertes Betrachten erzwingen und so die Aufmerksamkeit fesseln, dann hat solch eine \u00e4sthetische S\u00fcnde der Stadtplanung zwei unmittelbar negative Auswirkungen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und zwar erstens insofern eine strenge Ordnung, die Reihung von gleichen oder zumindest sehr \u00e4hnlichen Elementen eines blo\u00df funktionalen einfachen Bauk\u00f6rpers uns Menschen <strong>langweilt<\/strong>.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um noch klarer die negative Auswirkung solch einer \u00e4sthetischen Verarmung zu erkennen, werfen wir einen Blick auf die \u00e4sthetische Rezeption geschichtlich gewachsener Altstadtensembles. Deren vielgestaltige Bauten, die mit einem Detailreichtum die unterstellte Ordnung zumindest teilweise verletzen, erheischen Aufmerksamkeit und erzeugen damit Interesse. Daher unsere Liebe zur mittelalterlichen Stadtlandschaft. Dabei spricht zwar nichts gegen die Ordnung als solche, eine rigorose Ordnung jedoch erzeugt Monotonie, Desinteresse und Langeweile. Darauf weist Hans Paul Bardt hin:&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Ernster sind&nbsp; die Hinweise auf die Lebendigkeit mittelalterlicher Stadtbilder. \u2026 auch dort, wo nicht der Zwang zur Enge malerisches Giebelgewirr erzeugte, finden wir einen erstaunlichen Reichtum an Formen, die sich jedoch zu gleicher Zeit in ein \u00fcbergreifendes System von Proportionen und Gestaltvorstellungen in der Weise einf\u00fcgen, in dem Einzel- und Gesamtformen im rechten Ma\u00df zur Geltung kommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In gewisser Hinsicht kannte das Mittelalter durchaus eine Standardisierung. Der Traditionalismus des Handwerks, die Langsamkeit des technischen Fortschritts, der Kanon der Proportionen und die Autorit\u00e4t der Obrigkeit, die ein &gt;&gt;Aus der Reihe tanzen&lt;&lt; nicht duldete, bewirkten Wiederholung, aber in einem Rhythmus, der am einzelnen Haus immer wieder Modifikationen zulie\u00df. Ja selbst das einzelne Haus zeigt oft, da\u00df der Erbauer w\u00e4hrend der Bauzeit seine Vorstellungen ge\u00e4ndert hat, oder sp\u00e4ter \u00c4nderungen und Umbauten vorgenommen hat.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[vi]<\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tuermchen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21000\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tuermchen.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tuermchen-300x225.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tuermchen-768x576.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tuermchen-50x38.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Tuermchen-60x45.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein eigenwilliger und markanter Bau, der herausragend ist und damit ins Auge sticht, auff\u00e4llt oder im strengen Wortsinne au\u00dferordentlich ist, eben insofern er eine angedeutete oder erahnbare Ordnung stellenweise durchbricht, regt den Betrachter an, die erwartete verborgene Ordnung zu suchen. Denn detailreiche komplexe Strukturen ziehen uns Menschen an, erheischen unsere Aufmerksamkeit. Und da wir neugierige und wissbegierige Wesen sind, versuchen wir st\u00e4ndig, unsere Umgebung zu verstehen oder zu erkl\u00e4ren. D.h.: Wir suchen die Regeln oder Gesetze hinter der erfahrenen Wirklichkeit. Wir scannen das auf den ersten Blick als Unordnung erscheinende Fremdartige stets auf die dahinterliegende Regelm\u00e4\u00dfigkeit hin ab. Und finden wir eine solche -oder interpretieren wir sie auch blo\u00df hinein-, dann befriedigt uns das. So schreibt Friedrich Nietzsche: \u201e<em>Etwas Unbekanntes auf etwas Bekanntes zur\u00fcckf\u00fchren, erleichtert, beruhigt, befriedigt, gibt au\u00dferdem ein Gef\u00fchl von Macht.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[vii]<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt aber verliert die geschichtlich-organisch gewachsene Stadt mit jedem gesichtslosen Neubau mehr von ihrem individuellen Gesicht und damit eine vielgestaltige, komplexe und von daher anregende menschliche Umwelt, die die Wahrnehmung und den Geist anregt. Und allein schon aus diesem Grund sollte die Bau<strong>kunst<\/strong> unbedingt Vorrang haben vor dem blo\u00df profitorientierten reinen Zweckbau.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so gesehen hat auch die abgerissene Laute, gleichg\u00fcltig, wie man sie an sich \u00e4sthetisch beurteilt, die Wahrnehmung jedenfalls nicht durch Monotonie unterfordert und entt\u00e4uscht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"999\" height=\"820\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TuermchenundGaupe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21002\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TuermchenundGaupe.jpg 999w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TuermchenundGaupe-300x246.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TuermchenundGaupe-768x630.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TuermchenundGaupe-50x41.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/TuermchenundGaupe-60x49.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 999px) 100vw, 999px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun lie\u00dfe es sich mit dem Verlust eines oder auch einiger sehr weniger \u00e4sthetisch \u201ereizvoller\u201c Altbauten ja noch leben, ohne dass die Wahrnehmung der Stadtbesucher dadurch gro\u00dfen Schaden nehmen muss. Aber bei den Abrissen von Altbauten handelt sich ja um einen Prozess, der an gar kein Ende zu kommen scheint. Und zumindest als solcher hat dies auf lange Sicht sogar noch eine weitere \u00e4sthetisch negative Auswirkung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn da sich die historische Stadt mit dem stetig voranschreitenden Ersatz von Altbausubstanz durch Wegwerfarchitektur von der Stange immer mehr in Richtung Einheitlichkeit, Gleichf\u00f6rmigkeit und damit Monotonie \u201eentwickelt\u201c und so ihre Individualit\u00e4t verliert, geht auch die <strong>Identifikationsm\u00f6glichkeit<\/strong> ihrer Bewohner mit ihr verloren. Dies hat Hans Koschnick, ehemaliger B\u00fcrgermeister von Hamburg, schon 1973 erkannt und kritisiert:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>F\u00fcr die Stadt als Kulturlandschaft aber werden auch die historischen Stadtkerne zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der B\u00fcrger verlangt nach der M\u00f6glichkeit, sich mit der Stadt identifizieren zu k\u00f6nnen. Das setzt voraus, da\u00df die Stadt \u00fcberschaubar und unverwechselbar bleibt. Historische Stadtkerne erf\u00fcllen diese Forderung durch Ma\u00dfst\u00e4blichkeit, Vielfalt der Rauml\u00f6sungen und Reichtum des Details. Alte Bauten und Stadtviertel zu erhalten, wiederherzustellen und an die Anforderungen eines modernen Lebens anzupassen sowie sie nutzbringend in den Kreislauf st\u00e4dtischer Aufgaben einzugliedern, mu\u00df daher als ein wichtiges Ziel der Stadtentwicklung erkannt werden.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn8\" id=\"_ednref8\">[viii]<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der zunehmenden Vernichtung von besonderen, einmaligen Altbauten gibt es immer weniger \u00e4sthetische Vielfalt im Stadtbild und damit weniger Identifikation der Bewohner mit ihrer Stadt. Diese Abnahme oder gar der Verlust der Identifikation f\u00fchren dann ihrerseits aber wieder zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen, die sich am deutlichsten am Extremfall der riesigen Neubausiedlungen auf der gr\u00fcnen Wiese nach dem Zweiten Weltkrieg studieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das \u00f6kologische Fiasko<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zum \u00e4sthetischen Fiasko ist das \u00f6kologische Fiasko eines Altbauabrisses und eines Neubaus an seiner Stelle ein absolutes Fiasko. Denn sowohl der Abriss eines noch gut nutzbaren Altbaus als auch der Neubau eines \u2013vermeintlich nachhaltigeren- Geb\u00e4udes haben negative \u00f6kologische Auswirkungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"654\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1920.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20993\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1920.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1920-300x196.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1920-768x502.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1920-50x33.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/1920-60x39.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Laute ehedem<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mit dem <strong>Abriss eines<\/strong> eigentlich erhaltenswerten <strong>alten Geb\u00e4udes<\/strong> einhergeht, kann man kurz so zusammenfassen: Der Abriss ist Verschwendung des verbauten Materials als einst der Natur entnommener Ressourcen sowie von im Geb\u00e4ude steckender Energie und vergangener \u201egeronnener\u201c Arbeitskraft und nicht zuletzt Freisetzung von eingelagertem CO<sub>2<\/sub>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beschr\u00e4nken wir uns hier auf die wichtigsten Gesichtspunkte. Beginnen wir damit, &nbsp;dass der Abriss des Altbaus die Umwelt mit Unmengen von Bauabf\u00e4llen belastet! Lampugnani schreibt dazu:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21007\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3-300x200.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3-768x512.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3-50x33.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3-60x40.jpg 60w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_3-720x480.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Nicht minder dramatisch stellt sich die Entsorgung des Baum\u00fclls dar, der durch Abbr\u00fcche verursacht wird. In Europa fallen im Schnitt 35 Prozent des gesamten Abfalls aus der Baubranche an, wobei in den reichen L\u00e4ndern, wo Boden und Arbeitskraft teuer sind, das Verh\u00e4ltnis weit alarmierender Ist: In Deutschland machen die Bauabf\u00e4lle \u00fcber die H\u00e4lfte des gesamten Abfalls aus, davon ist wiederum \u00fcber die H\u00e4lfte Bodenaushub \u2026 Das Altholz wird \u00fcberall fast ausnahmslos verbrannt.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn9\" id=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem, was mit dem Abri\u00df des Altbaus \u00f6kologisch gesehen verlorengeht, entspricht&nbsp; aufseiten des <strong>Neubaus<\/strong> aber all das, was f\u00fcr ihn neu aufgewendet und eingesetzt werden mu\u00df. So mu\u00df zun\u00e4chst ja neues Baumaterial aus Erdressourcen gewonnen und d.h. letztlich der Natur entnommen werden. Lampugnani gibt dazu folgende Zahlen an:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Die Produktion eines einigerma\u00dfen energieeffizienten Geb\u00e4udes verursacht mehr Kohlenstoffdioxid-Aussto\u00df, als in 60 Betriebsjahren anf\u00e4llt. Bei der Extraktion und Verarbeitung der stofflichen Ressourcen f\u00fcr die Bauwirtschaft fallen weltweit etwa die H\u00e4lfte s\u00e4mtlicher Treibgasemissionen an. Und die Extraktion selbst hat ein Ausma\u00df angenommen, das unhaltbar ist.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn10\" id=\"_ednref10\">[x]<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21006\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2-50x33.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2-60x40.jpg 60w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Abriss_2-720x480.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcberhinaus ben\u00f6tigt der Neubau zu seiner Errichtung dann aber auch wieder Energie. Und zwar nicht wenig, wie Lampugnani bemerkt: \u201e<em>Was beim Bauen offensichtlich unvern\u00fcnftig konsumiert wird, ist Energie.\u201c<\/em><a href=\"#_edn11\" id=\"_ednref11\">[xi]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;Zusammengenommen: \u00d6kologisch betrachtet ist der Abriss eines Altbaus und sein Ersatz durch einen Neubau ein echtes Fiasko. Und so ist denn umgekehrt zu sagen: Das nachhaltigste Geb\u00e4ude ist dasjenige, das nicht neu gebaut wird, sondern der Altbau, der erhalten und n\u00f6tigenfalls renoviert, umgebaut oder auch umgenutzt wird:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>Um den besch\u00e4digten Planeten nicht weiter zu pl\u00fcndern und zuzum\u00fcllen, muss m\u00f6glichst wenig gebaut werden; auf jeden Fall nur, was unbedingt notwendig ist; am besten nichts. Das \u00f6kologischste Haus ist das, was nicht realisiert wird.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn12\" id=\"_ednref12\">[xii]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erhalt und die Renovierung eines Altbaus ist alles in allem unterm Strich also wesentlich \u00f6kologischer als jeder noch so \u2013vermeintlich- energieeffiziente sog. \u00f6kologische Neubau. In einer Zeit knapper werdender Ressourcen einerseits und zunehmender Umweltbelastung durch Entnahme von Ressourcen und zu hohen CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00dfes andrerseits bedeutet Nachhaltigkeit im Gegenteil, dass der Erhalt von Bestehendem in jedem Fall den Primat vor dem Ersatz durch Neues haben muss.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt aber sogar noch eine dritte wenigstens erw\u00e4hnenswerte negative Auswirkung des Abrisses von Altbauten &#8211;<strong>das soziale Fiasko<\/strong>. Dieses ist zwar an sich in erster Linie eine negative Begleiterscheinung von gro\u00dfen Neubausiedlungen. Denn selbstverst\u00e4ndlich wird eine geschichtlich gewachsene Stadt selbst dann, wenn in ihr Altbauten st\u00e4ndig durch Neubauten ersetzt werden, nie so aussehen wie die nach einem einzigen Plan in k\u00fcrzester Zeit an den Stadtr\u00e4ndern angesiedelten riesigen und stark verdichteten Neubaubausiedlungen. Aber die Gefahren, die letztendlich aus dem st\u00e4ndigen Ersatz von Altbauten in der Altstadt drohen, die lassen sich sehr gut an den Problemen ablesen, die in diesen Stadtquartieren auftreten -das soziale Fiasko.&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so ist zwar ein einzelner Neubau wie der in der Viehmarktstra\u00dfe 6 f\u00fcr sich alleine genommen zwar noch kein soziales Fiasko. Aber als ein weiteres Glied in einer Reihe von Abrissen von Altbauten und damit der tendenziellen Eliminierung von immer mehr Altbausubstanz wird auch dieser Aspekt immer bedeutsamer. Denn nicht nur die \u00e4sthetische Diversit\u00e4t und Komplexit\u00e4t der Stadt schwindet mit jedem Abriss eines -geschichtlichen- Altbaus. Auch die soziale Diversit\u00e4t der Stadtbev\u00f6lkerung, schwindet damit. Und zwar insofern Altbauten in der Regel g\u00fcnstiger vermietet werden als gro\u00dfz\u00fcgig zugeschnittene und modern ausgestattete Neubauten. Denn damit haben auch finanzschwache Bev\u00f6lkerungsteile sowie kleine Ladenbetreiber und Gastronomen eine Chance, in der Stadt zu wohnen bzw. ihr Gesch\u00e4ft zu betreiben. Das aber bereichert die Zusammensetzung der Bewohnerschaft, die Durchmischung der Stadtbewohner mit verschiedenen sozialen Gruppen und das zieht dann auch Konsumenten und K\u00e4ufer an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau wie in den allermeisten solchen F\u00e4llen ist also auch der Abriss der einstigen \u201eLaute\u201c und der Neubau an seiner Stelle ein mehrfaches Fiasko.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201e<em>In der Folge werden sie ohne Not zerst\u00f6rt und \u00fcberwiegend durch Bauten ersetzt, die von vornherein als klapprige Wegwerfarchitektur konzipiert und mit einem impliziten Verfallsdatum versehen werden.<\/em>\u201c<a href=\"#_edn13\" id=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"676\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/DieKralle_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21009\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/DieKralle_2.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/DieKralle_2-300x203.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/DieKralle_2-768x519.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/DieKralle_2-50x34.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/DieKralle_2-60x41.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denkt man dies weiter, dann ist die Viehmarktstra\u00dfe 6 genaugenommen aber eher eine tragikomische Angelegenheit. Denn erfreulich und tr\u00f6stlich ist so gesehen ja, dass der Neubau -eben als \u201eWegwerfarchitektur\u201c- sehr wahrscheinlich in drei oder vier Jahrzehnten auch wieder abgerissen werden und damit dann hoffentlich wieder einem \u00e4sthetischen Neubau Platz machen wird. Bedauerlich ist dabei aber, dass zwischen den nunmehr abgerissenen \u00e4sthetischen und \u00f6kologischen Altbau und einen zuk\u00fcnftig erhoffbaren ebensolchen Neubau als Zwischenl\u00f6sung unn\u00f6tigerweise dieser gegenw\u00e4rtige Neubau als Fiasko hingestellt wird, der die Wahrnehmung frustriert und der Umwelt Schaden zuf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[i]<\/a> Vittorio Magnago Lampugnani, Gegen Wegwerfarchitektur: Dichter, dauerhafter, weniger bauen, Berlin, 2023, S. 89&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[ii]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 89<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[iii]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 90<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[iv]<\/a> Alexander Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit unserer St\u00e4dte: Anstiftung zum Unfrieden, Frankfurt a.M., 5. Aufl., 1968, S. 16<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[v]<\/a> Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit, S. 9&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[vi]<\/a> Hans Paul Bardt, Humaner St\u00e4dtebau: \u00dcberlegungen zur Wohnungsbaupolitik und Stadtplanung f\u00fcr eine nahe Zukunft, Zeitfragen Nr. 4; Wegner, 1967, S. 87<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[vii]<\/a> Friedrich Nietzsche, Die vier gro\u00dfen Irrt\u00fcmer, in: G\u00f6tzen-D\u00e4mmerung, oder: Wie man mit dem Hammer philosophiert, Werke III, Frankfurt\/M-Berlin-Wien, 1972, S. 421<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref8\" id=\"_edn8\">[viii]<\/a> Hans Koschnick, Unser Ziel: Die menschliche Stadt, in: Wege zur menschlichen Stadt: Vortr\u00e4ge, Aussprachen und Ergebnisse der 17. Hauptversammlung des Deutschen St\u00e4dtetages vom 2. bis 4. Mai 1973 in Dortmund. Neue Schriften des Deutschen St\u00e4dtetages Heft 29, 1973, S. 59, 60<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[ix]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 54&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref10\" id=\"_edn10\">[x]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 54&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref11\" id=\"_edn11\">[xi]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 25<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref12\" id=\"_edn12\">[xii]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S.101 &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ednref13\" id=\"_edn13\">[xiii]<\/a> Lampugnani, Wegwerfarchitektur, S. 70<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bilderorganisation\/ Bilder: Albert Gratz und Stadtarchiv. Redaktionelle Beitr\u00e4ge geben nicht immer die Meinung der gesamten Weberberg.de Redaktion wieder. Zusatzfotos vom aktuellen Abriss: Gaspard<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein herzliches Dankesch\u00f6n an das Stadtarchiv Biberach f\u00fcr die Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von J\u00fcrgen Kraft zur &#8222;Sanierung&#8220; von Viehmarktstra\u00dfe 6 Die Viehmarktstra\u00dfe 6 ist ein \u00e4sthetisches und \u00f6kologisches Fiasko. Und als solches reiht es sich ein in eine ganze Reihe Fiaskos, die Biberach bereits zu erleiden hatte und auch zuk\u00fcnftig sehr wahrscheinlich noch wird erleiden m\u00fcssen. Wobei solche S\u00fcnden der Stadtentwicklung ein Ph\u00e4nomen sind, das \u00fcberall seit langem zu beobachten ist. Und das von daher auch schon vor langem untersucht und kritisiert worden ist.&nbsp; Die Abrisse von erhaltenswerten und noch gut nutzbaren Altbauten werden von interessierter Seite gern gerechtfertigt mit immer wiederkehrenden Argumenten. Auf einige der g\u00e4ngigsten Rechtfertigungen f\u00fcr diese<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":21008,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[35],"tags":[],"class_list":["post-20991","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-stadtkultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20991","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20991"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21018,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20991\/revisions\/21018"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21008"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20991"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}