{"id":20223,"date":"2026-04-23T12:34:14","date_gmt":"2026-04-23T10:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/weberberg.de\/?p=20223"},"modified":"2026-04-23T12:34:15","modified_gmt":"2026-04-23T10:34:15","slug":"wenn-worte-zu-musik-werden-ein-poetisch-jazziger-abend-voller-klang-und-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/2026\/04\/23\/wenn-worte-zu-musik-werden-ein-poetisch-jazziger-abend-voller-klang-und-sprache\/","title":{"rendered":"Wenn Worte zu Musik werden \u2013 Ein poetisch-jazziger Abend voller Klang und Sprache"},"content":{"rendered":"\n<p>Was passiert, wenn man gro\u00dfe Namen der Literatur wie Friedrich Schiller, Bertolt Brecht oder Rainer Maria Rilke nimmt, dazu ein paar Briefzeilen von Wolfgang Amadeus Mozart und Texte des bildgewaltigen K\u00fcnstlers Markus L\u00fcpertz \u2013 und das Ganze in Jazz und Chanson verwandelt? Klingt nach einer k\u00fchnen Idee. Nach einem Experiment vielleicht. Nach etwas, das auch grandios scheitern k\u00f6nnte.<br>Tut es aber nicht. Ganz im Gegenteil.<br>Gestern wurde die Biberacher Stadtbuchhandlung zur B\u00fchne f\u00fcr genau dieses Experiment \u2013 und das Haus war mit rund 80 G\u00e4sten restlos ausverkauft. Schon vor Konzertbeginn lag eine angenehme, fast famili\u00e4re Stimmung in der Luft: Bei Sekt, Wein, Bier und alkoholfreien Getr\u00e4nken wurde geplaudert, gelacht und sich auf das eingelassen, was da kommen sollte. Ein Abend, der eher nach Wohnzimmer als nach Konzertsaal roch \u2013 im besten Sinne.<br>Dann betraten sie die B\u00fchne: das Duo aus Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid, unterst\u00fctzt von Andreas von Studnitz als Rezitator. Und schnell wurde klar: Hier wird nicht einfach Musik gemacht \u2013 hier wird erz\u00e4hlt, verwoben, interpretiert und neu erschaffen. Die zentrale Frage des Abends \u2013 ob sich Lyrik in Jazz \u00fcbersetzen l\u00e4sst, ob gesungene und gesprochene Texte miteinander verschmelzen k\u00f6nnen \u2013 wurde nicht theoretisch beantwortet, sondern praktisch. Und zwar mit Nachdruck.<br>Stefanie Schlesinger \u00fcberzeugte mit einer Stimme, die gleichzeitig warm, pr\u00e4zise und eindringlich ist \u2013 mal zur\u00fcckhaltend erz\u00e4hlend, mal kraftvoll gestaltend. Wolfgang Lackerschmid zeigte am Vibraphon eindrucksvoll, warum er seit den 1970er-Jahren als Virtuose gilt: emotional, technisch brillant und immer im Dienst der Poesie. Gemeinsam entwickelten sie Klangr\u00e4ume, in denen Worte nicht nur vertont, sondern neu erlebt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Und dann war da noch Andreas von Studnitz: Mit feinem Gesp\u00fcr f\u00fcr Sprache und Timing setzte er die gesprochenen Texte so in Szene, dass sie nicht blo\u00df Erg\u00e4nzung waren, sondern gleichberechtigter Bestandteil des Gesamtkunstwerks. Seine Rezitationen gingen nahtlos in musikalische Improvisationen \u00fcber \u2013 oder umgekehrt. Man wusste manchmal gar nicht mehr genau, wo das eine aufh\u00f6rte und das andere begann. Genau darin lag der Reiz.<br>Das Ergebnis: ein dichtes, lebendiges Programm zwischen Chanson, Jazz und literarischer Performance. Kein St\u00fcck wirkte beliebig, nichts gek\u00fcnstelt. Stattdessen: viel Liebe zur Poesie, Mut zur Interpretation und eine sp\u00fcrbare Freude am gemeinsamen Spiel.<br>Am Ende des Abends verlie\u00dfen die Zuschauerinnen und Zuschauer die Buchhandlung sichtlich bewegt \u2013 manche nachdenklich, viele l\u00e4chelnd, alle ein wenig \u201ebeseelt\u201c, wie man so sch\u00f6n sagt.<br>Fazit: Ja, man kann gro\u00dfe Lyrik in Jazz kleiden. Und wie! Dieser Abend hat eindrucksvoll gezeigt, dass Literatur nicht im Buch enden muss \u2013 sondern klingen, schwingen und improvisieren kann.<br>Well done. Und ein gro\u00dfes Kompliment an die Veranstalter des Landesjazzfestivals f\u00fcr einen weiteren rundum gelungenen Abend.<\/p>\n\n\n\n<p>Tobias Meinhold, KultuReservoir&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"367\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/lack2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-20225\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/lack2.png 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/lack2-300x110.png 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/lack2-768x282.png 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/lack2-50x18.png 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/lack2-60x22.png 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passiert, wenn man gro\u00dfe Namen der Literatur wie Friedrich Schiller, Bertolt Brecht oder Rainer Maria Rilke nimmt, dazu ein paar Briefzeilen von Wolfgang Amadeus Mozart und Texte des bildgewaltigen K\u00fcnstlers Markus L\u00fcpertz \u2013 und das Ganze in Jazz und Chanson verwandelt? 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