{"id":18780,"date":"2025-11-20T15:28:54","date_gmt":"2025-11-20T13:28:54","guid":{"rendered":"https:\/\/weberberg.de\/?p=18780"},"modified":"2025-11-20T15:41:07","modified_gmt":"2025-11-20T13:41:07","slug":"rechtsextremismus-im-landkreis-biberach-irex-untersucht-und-beraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/2025\/11\/20\/rechtsextremismus-im-landkreis-biberach-irex-untersucht-und-beraet\/","title":{"rendered":"Rechtsextremismus im Landkreis Biberach &#8211; IRex untersucht und ber\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p>Das<strong><a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet\/faecher\/fachbereich-sozialwissenschaften\/rechtsextremismusforschung\"> Institut f\u00fcr Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/a><\/strong> befasst sich seit 2023 mit rechtsradikalen Tendenzen in der Gesellschaft. Das Institut wurde in Folge der NSU Untersuchungsaussch\u00fcsse gegr\u00fcndet. Gaspard hat sich gestern mit <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/fakultaeten\/wirtschafts-und-sozialwissenschaftliche-fakultaet\/faecher\/fachbereich-sozialwissenschaften\/rechtsextremismusforschung\/institut\/team\/rolf-frankenberger\">Dr. Rolf Frankenberger<\/a>, dem wissenschaftlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Institutes und seiner Mitarbeiterin Katharina Mayer im Landratsamt Biberach getroffen und die beiden zur Situation im Biberacher Landkreis befragt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Also im Grunde geht es um Demokratieforschung. Nat\u00fcrlich mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus. Das ist unser Auftrag. Es geht darum, wie sind rechte Strukturen in der Gesellschaft vernetzt? Und was gibt es sonst noch f\u00fcr Gef\u00e4hrdungen, f\u00fcr Demokratie, die da in diesem Kontext unterwegs sind.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Bundesprogramm <strong><a href=\"https:\/\/www.demokratie-leben.de\">Demokratie leben<\/a><\/strong> untersuchen wir auch Gef\u00e4hrdungslagen, aber auch welche positiven Strukturen es gibt, Vereinsstrukturen, B\u00fcndnisse f\u00fcr Demokratie und \u00c4hnliches.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Und wie kommt das IRex jetzt speziell in den Biberacher Landkreis?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Landkreis ist einer der Tr\u00e4ger und federf\u00fchrend f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/pfd-bc.de\"><strong>Partnerschaft f\u00fcr Demokratie<\/strong><\/a> im Landkreis. Sie haben uns angefragt bzw. die waren auf der Suche nach jemandem, der das wissenschaftlich begleiten kann. N\u00e4chstes Jahr kommen Ravensburg und Friedrichshafen &#8211; quasi diese ganze Oberschwaben Bodensee Achse und bis vor Ulm.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch, dass der Journalismus ausged\u00fcnnt ist, wird nicht mehr alles richtig registriert. Es gibt zwar viele engagierte Menschen, die sich k\u00fcmmern, die gucken und aufpassen aber die kann man auch ein bisschen unterst\u00fctzen, dann mit dem, was wir tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Stichwort politischer Aschermittwoch der Gr\u00fcnen in Biberach 2024. Ausschreitungen und Proteste.- Wie seht ihr das?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da gab es halt viel Wut. Auch auf Seiten der Landwirte, die wie ich finde, v\u00f6llig zu Recht ihr Recht wahrnehmen, f\u00fcr Interessen zu streiten und zu streiken. Und das hat eine Dynamik angenommen hier in der Region, auch deswegen, weil sich da andere draufgesetzt haben. Da hat sich viel verbunden. Oder haben sich viele aus dieser Querdenker-Szene, aus den Corona Diskursen, aber auch aus der Rechten aus der extremen Rechten draufgesetzt und haben das befeuert, weil sie dann nat\u00fcrlich auch eine M\u00f6glichkeit gesehen haben, sichtbar zu werden und mal so ein richtiges Fanal im Grunde durchzuf\u00fchren und wir mal den Regierenden so richtig Schei\u00dfe vor die T\u00fcr zu kippen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und das waren eben nicht nur die Landwirte, sondern da haben sich andere wirklich anders instrumentalisiert im Grunde und wei\u00df auch gar nicht, ob die Landwirte alle so gl\u00fccklich damit waren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Biberach als solches war ja fr\u00fcher sehr \u201eschwarz\u201c. Sagen wir&#8217;s mal so, also in den 70er, 80er Jahren war das ja der CDU Vorzeige-Landkreis. In der Bundesrepublik. Gibt s da einen Zusammenhang zum Rechtsextremismus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, da muss man ziemlich genau hingucken. Weil im Grunde der Konservatismus auch damals demokratisch staatstragend war und heute auch noch ist, Man braucht den christlich demokratischen Konservatismus, ich betone christlich demokratisch. Den brauchen wir. Ohne den kann man die Demokratie nicht retten. Was aber der Punkt ist, ist, dass vielleicht aufgrund der Tatsache, dass sich die CDU auch nicht immer so nicht mehr so stark werteorientiert positioniert hat, fallen da bestimmte Gruppen raus. Das Thema Heimat \u2013 Nation &#8211; Volk, bestimmt die AfD, insbesondere aber auch andere extreme, extrem rechte Kr\u00e4fte. Und die versuchen da anzukn\u00fcpfen an diesen Ideen von Heimat und den Ideen von Tradition. Also traditionelles Familienbild. Sie verbr\u00e4men es dann h\u00e4ufig auch mit christlichem Glauben. Da versuchen die zu wildern. Und wenn man dann dazu nimmt, dass es halt schon auch ein Entt\u00e4uschungs- und Protest Ph\u00e4nomen ist, dann wird ein Bild raus und dann wird ein Schuh draus. Warum dort die AfD mit ihrem merkw\u00fcrdigen Programm, das eigentlich die meisten Interessen von denen, die sie w\u00e4hlen, ja \u00fcberhaupt nicht bedient dann trotzdem Anschluss findet, liegt es daran, dass sie halt sehr gut mit diesen Geschichten spielen: Wir retten die Heimat, wir bewahren die Umwelt. Und deswegen w\u00fcrde ich jetzt nicht sagen, dass irgendwie Oberschwaben besonders rechts w\u00e4re, sondern in Oberschwaben gibt&#8217;s halt Anschlussm\u00f6glichkeiten und historisch nat\u00fcrlich auch Strukturen im Rechtsextremismus das muss man auch sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wir sind ja hier im monopolistischen Bereich der Schw\u00e4bischen Zeitung, des schw\u00e4bischen Verlages, und da gibt es eigentlich keine Gegenstr\u00f6mungen dazu. Welche Rolle spielen Monopole und Medien im Bereich Rechtsradikalismus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Also es gibt ganz gute Forschung in der Medienwissenschaft zum Thema Medienw\u00fcsten, haupts\u00e4chlich in den USA. Aber es gibt inzwischen auch Studien zu Th\u00fcringen. Es gibt nichts Wichtigeres, als mehr, als ein Medium. Also jetzt gerade im Printbereich ist das wichtig. Das lesen halt einfach viele Menschen, gerade hier in der Region. \u00dcberall dort, wo es keine Lokalpresse mehr gibt, also die wirklich auch lokal vor Ort ist fehlt ein Korrektiv. \u00dcberall dort, wo ein Medienhaus dominiert, fehlt auch ein Korrektiv. Und zu sagen, die sozialen Medien w\u00e4ren da ein Korrektiv, w\u00fcrde ich sagen: Das ist noch mal eine ganz eigene Geschichte, das ist eine eigene Klientel und hat eigene Logiken. Also insofern kann man sagen: Ja, traditioneller Qualit\u00e4tsjournalismus, Medien sind ganz, ganz wichtig auf lokaler Ebene, um einfach zu berichten, was passiert und damit die Menschen das besser wahrnehmen k\u00f6nnen und je zentraler das wird desto weniger haben wir davon. Inzwischen fehlt oft dann die Berichterstattung von vor Ort. Also ich meine, klar, fehlende Medienvielfalt ist immer ein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Katharina Mayer<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Ausd\u00fcnnen von Lokalredaktionen, Ver\u00e4nderungen von Arbeitsbedingungen im Journalismus selber ist ein Problem. Du kannst nicht mehr alles abdecken mit der Zeit, die du hast und den Leuten, die du hast. Vielleicht seid ihr da (\u2026von Weberberg.de) so eine Art von Korrektiv. Vielleicht ist das auch eine Richtung, in die es gehen kann. Das dann halt b\u00fcrgerschaftlich aufgefangen wird. Aber es ist definitiv ein Problem, wenn das entweder nicht mehr abgedeckt wird oder einseitig abgedeckt wird oder wom\u00f6glich gar von einem Blatt, das ein Monopol hat und aber vielleicht eine Schlagseite politisch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite muss man halt auch immer gucken, wer macht denn diese b\u00fcrgerschaftlichen Lokalangebote?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>\u00dcberlingen \u2013 stattzeitung.org als Beispiel f\u00fcr AfD nahe Berichterstattung?.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Katharina Mayer<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Da muss man ja immer unterscheiden zwischen diesen Lokalmedien mit und Lokalmedien ohne journalistischen Anspruch. Ich glaub, das f\u00e4llt halt den Menschen schwer, da zu differenzieren.Da kommt mal wieder in diesen Bereich Medienbildung rein. Was ist eigentlich eine Quelle, was ist richtig?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie seht ihr die K\u00fcnstliche Intelligenz in dem Zusammenhang?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zun\u00e4chst mal keine logische, automatische Verbindung. Das kann jeder nutzen. Und der Vorteil ist halt, man kann \u00fcber KI Massen von einfachen Inhalten vervielf\u00e4ltigen, ver\u00e4ndern auch und auch produzieren, wenn man nicht den Anspruch hat, dass das faktisch korrekt ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was erwartet ihr hier von der Zusammenarbeit mit dem Biberacher Landratsamt konkret?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erwarten einen spannenden Austausch. Und Erkenntnisse dann konkret f\u00fcr Handlungsfelder wo man reingehen muss mit Demokratief\u00f6rderung. Ganz generell kann man schon mal sagen. Was wir tats\u00e4chlich brauchen, ist, dass wir sehr fr\u00fch beim Thema Zusammenhalt und Teilhabe ansetzen. Also das sind die Grundlagen. Das ist nicht immer direkt. Demokratie aber ist die zentrale Grundlage f\u00fcr demokratisches Handeln. Wenn man nicht Werte teilt und wenn man nicht teilhaben kann an Prozessen, ist klar, dann kann man nachher auch nicht demokratisch streiten. Das ist so ein gro\u00dfes Handlungsfeld. Wie kriegen wir niedrigschwellige Angebote hin? Auch wenn Menschen gegen\u00fcber Demokratie skeptisch sind, und das wei\u00df man hier im Landkreis auch sehr gut. Hier gibt es viele demokratieskeptische Menschen. Wie kriegen wir Angebote hin, die nicht belehrend sind, p\u00e4dagogisch oder auf der Art und Weise, wie wir jetzt mal wie Demokratie funktioniert machen, sondern wie man die Menschen ins Tun kriegt? Es gibt ganz spannende Ans\u00e4tze hier. Mit den Dorfh\u00e4usern. Da hat man alte Gasth\u00f6fe aufgekauft. Und das k\u00f6nnen soziale Orte sein, wo man wirklich auch Gespr\u00e4chsangebote ganz niedrigschwellig macht, wo man erst mal sich ums Soziale k\u00fcmmert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Spielen Jugendliche eine wesentliche Rolle im rechtsradikalen Bereich?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jugendliche sind f\u00fcr mich eine Gruppe von vielen, weil man immer zu sehr auf die Jugendlichen schaut und auch schimpft. Dort m\u00fcsste man viel mehr machen, damit wir unsere Welt retten. Aber da sind die Menschen zwischen 30 und 60 um die wir uns k\u00fcmmern m\u00fcssen. Die Jugendlichen&#8230; Ich glaube, hier in der Region gibt es ja dieses Ph\u00e4nomen Selbstorganisation, und das ist eigentlich was ganz Tolles. Aber wenn man da so v\u00f6llig \u00fcberhaupt keinen Einblick hat und man wei\u00df aus einigen Buden, dass da halt rechte Ideologien verbreitet werden, dann ist es ein bisschen schwieriger. Man muss schon gucken, dass man \u00fcber offene Sozialarbeit, aufsuchende Sozialarbeit auch den Kontakt dann weiter h\u00e4lt. Und das passiert ja auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Also das ist f\u00fcr mich ein Punkt. Das zweite ist schon auch Schule, dass man da im Blick beh\u00e4lt, was da l\u00e4uft mit Rassismus und Antisemitismus<\/p>\n\n\n\n<p>Und da sind die Leute, die arbeiten. Das muss man ganz offen sagen. Also Unternehmen w\u00e4ren ein guter Ansatzpunkt, wenn man noch mehr Kooperationen machen k\u00f6nnte. Gewerkschaften, Gewerkschaften und Unternehmerverb\u00e4nde im Zusammenspiel. Aber die haben beide unterschiedliche Interessen<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen ein bisschen aufpassen mit Armut und versteckter. Armut. Das gilt vor allem dort, wo der Strukturwandel irgendwann aufschlagen wird. Und wenn man sich die Statistiken anguckt, ist das im Landkreis Biberach doch auch so lala.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sobald du aus der Stadt Biberach raus bist?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau, da geht es dann los. Die Kirchen machen viel, was Einsamkeit und Armut angeht. Und damit kann man arbeiten. Also viele Dinge, die hier gemacht werden, sind einfach auch gut und die kann man ausweiten und da kann man andere noch einbinden. Das ist so das, was wir hier erwarten. Auf der anderen Seite hat man ja unterschwellig schon eine sehr starke Demokratie, skeptische und auch demokratiefeindliche, zum Teil Einstellungen und Personengruppen, die halt da und da wird es schwierig, die zu erreichen und da muss man in die Dorfkneipen, da muss man die Stammtische, da muss man ganz, ganz viel mehr noch mal arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Konkretes Bedrohungspotenzial durch Rechtsextremismus? Wie seht ihr denn da die Tendenz?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Also es betrifft Journalismus und ganz stark Investigativjournalismus immer mehr. Das betrifft engagierte Menschen, das betrifft aber halt auch Amts- und Mandatstr\u00e4ger zunehmend. Also wenn man die Wahlk\u00e4mpfe im Osten sich ins Ged\u00e4chtnis zur\u00fcckruft\u2026 aber durchaus auch hier und da, wenn man die die demokratischen Parteien fragt, was die in der Kommunalwahl letztes Jahr und auch bei der Bundestagswahl an Wahlst\u00e4nden erlebt haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Hass auch in Baden-W\u00fcrttemberg war nicht so weit, dass es zu massiven \u00dcbergriffen kam. Aber auch da w\u00e4re ich vorsichtig, das zu verharmlosen. Es trifft Wissenschaftlerinnen, vor allem Frauen, die in vielen F\u00e4llen, wie zum Beispiel feministische Forschung, Genderforschung, oder Rechtsextremismusforschung unterwegs sind. Nimmt das auch zu? Ja, ich sage immer das ist so eine Verrohung von Diskurskultur. Das nimmt halt allgemein zu. Und das ist eine ganz gro\u00dfe Schwierigkeit, wenn man nicht mehr miteinander reden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Katharia Mayer<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Und es trifft eben die Menschen, die sichtbar sind und die man eben zu greifen kriegt anhand ihrer Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Noch eine Frage zur ermordeten Polizistin Kiesewetter bei Heilbronn, weil Kiesewetter war ja in Biberach bei der Bereitschaftspolizei ausgebildet worden. War dann NSU Opfer. Die Ermittlungsakten \u00fcber Kiesewetter mit hunderten Seiten sind im Internet frei verf\u00fcgbar \u2013 mit allen intimen Ermittlungsdetails. Wie seht ihr denn da die M\u00f6glichkeit, da einzuschreiten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Rechtlich keine Chance, wenn das nicht innerhalb der EU ist. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung. Das gilt ja f\u00fcr alles M\u00f6gliche. Anderes l\u00f6st auch Hass im Netz aus. Geschichten aus dem Ausland &#8211; wenn sie in die USA schauen, wenn da irgendwas in USA gehostet wird. Da kann man dann auch nicht gegen Hakenkreuze oder irgendwas vorgehen, die ja bei uns rechtlich sanktioniert sind. Insofern ist eher die Frage, wird das mal untersucht, wo kommen die denn her? Also wer hat die denn (Die Ermittlungsakten) da durchgesteckt? Das ist schon heftig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gaspard<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Gibt es denn den nationalsozialistischen Untergrund (NSU) noch \u2013 es ist ja nur noch Beate Zsch\u00e4pe am Leben \u2013 gibt es noch ein Umfeld?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rolf Frankenberger:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt und das wei\u00df man auch recht gut, ein relativ breites Unterst\u00fctzungsfeld und man wei\u00df nicht, ob dort nicht so was wieder entstehen kann. Also wir wissen das, dass die organisierten Rechtsextremen sich bewaffnen oder bewaffnet sind, oder an Waffen rankommen k\u00f6nnen. Insofern ist es also nicht ausgeschlossen, dass sich so eine Gruppe wieder bildet. Man hat die eine oder den anderen relativ fr\u00fch erwischt. Aber man darf auch diese Gruppe und den Kreis nicht untersch\u00e4tzen. Also das sollte man nicht verharmlosen, so wie das in den Medien am Anfang war.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn man dann halt rausfindet, wer da im Hintergrund alles mit dabei war &#8211; das ist ja \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich. Correctiv hat ja ganz viel recherchiert. Man sieht, dass da Menschen, die Bez\u00fcge zu Sektor zum Milit\u00e4r oder und oder auch von der Ausbildung her zu den Sicherheitsbeh\u00f6rden hatten. Also das hei\u00dft nicht, dass das einen direkten Link gibt, aber die haben trainiert den Umgang mit Waffen und im Umgang mit Strategien. Das darf man nicht auf eine leichte Schulter nehmen und da muss auch der Staat wachsam bleiben und aufpassen und das im Blick behalten. Und zwar sehr, sehr genau. Obwohl man ja wirklich \u00fcber den Staatsschutz und \u00fcber den Verfassungsschutz geteilter Meinung sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann das auch in Ermittlungen sein, hier muss man trotzdem schauen, dass diese &nbsp;Institutionen f\u00fcr die Demokratie und f\u00fcr die wehrhafte Demokratie, insbesondere eben der Staatsschutz und auch der Verfassungsschutz eine ganz wichtige Rolle spielen. Das soll man da auch immer nicht vergessen. Die brauchen wir, weil sie 2 Schwerter der wehrhaften Demokratie sind. Da muss man schon sagen, umso wichtiger ist eine demokratische Kultur innerhalb dieser Institution. Wir brauchen eine Fehlerkultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Also das ist wirklich was, was man in einer Demokratie eigentlich ganz zentral ist, dass man eine Fehlerkultur etabliert, die es auch erm\u00f6glicht, zu sagen ja, wir haben einen Fehler gemacht, ohne dass das hei\u00dft inkompetent zu sein, sondern im Gegenteil: Das hei\u00dft ja, wir arbeiten daran, das besser zu machen und das man das dann eher als eine Kompetenz sieht denn als Schw\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weberberg.de dankt dem IRex f\u00fcr das exklusive Interview&#8230;<\/strong> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Institut f\u00fcr Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen befasst sich seit 2023 mit rechtsradikalen Tendenzen in der Gesellschaft. Das Institut wurde in Folge der NSU Untersuchungsaussch\u00fcsse gegr\u00fcndet. Gaspard hat sich gestern mit Dr. Rolf Frankenberger, dem wissenschaftlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Institutes und seiner Mitarbeiterin Katharina Mayer im Landratsamt Biberach getroffen und die beiden zur Situation im Biberacher Landkreis befragt: Rolf Frankenberger: Also im Grunde geht es um Demokratieforschung. Nat\u00fcrlich mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus. Das ist unser Auftrag. Es geht darum, wie sind rechte Strukturen in der Gesellschaft vernetzt? 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