{"id":17430,"date":"2025-08-11T10:17:32","date_gmt":"2025-08-11T08:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/weberberg.de\/?p=17430"},"modified":"2025-08-11T10:22:43","modified_gmt":"2025-08-11T08:22:43","slug":"meinungsfreiheit-leuchttuerme-ethik-und-die-schwaebische-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/2025\/08\/11\/meinungsfreiheit-leuchttuerme-ethik-und-die-schwaebische-zeitung\/","title":{"rendered":"Meinungsfreiheit, Leuchtt\u00fcrme, Ethik und die Schw\u00e4bische Zeitung"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit der Schlagzeile &#8222;<a href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/panorama\/wie-viel-meinungsvielfalt-gelingt-dem-deutschen-journalismus-3814752\">Meinungsfreiheit hilft in Zeiten von Social Media und Massenmedien auch nicht weiter!<\/a>&#8220; hat die Schw\u00e4bische Zeitung am vergangenen Samstag einen Stab f\u00fcr &#8230;. Ja sorry &#8211; f\u00fcr was eigentlich gebrochen? Ein anonymer Gastbeitragschreiber erkl\u00e4rt uns die Welt.  Nach gef\u00fchlt vier DinA4 Seiten Text kommt der (beliebige) Autor zum Schluss, dass &#8222;gute&#8220; (also auch irgendwie andere, also in seinem Sinne &#8222;unabh\u00e4ngige&#8220;) \u00f6ffentlich rechtliche Rundfunkanstalten von N\u00f6ten seien. Irgendwie erinnert das ein bisschen an &#8222;Make \u00f6ffentlich rechtlich great again&#8220;. \u00c4hnlich wie bei Trump hat halt jeder seine eigene Vorstellung von &#8222;richtig&#8220; oder von &#8222;fair&#8220; und &#8222;gut&#8220;. &#8222;Faire Berichterstattung&#8220; k\u00f6nnte auch die Tochter von &#8222;Fairen Z\u00f6llen&#8220;, &#8222;Fairer Zuwanderung&#8220;, &#8222;Fairer Abschiebung&#8220; sein. &#8222;Unabh\u00e4ngig&#8220; kann in der Regel hei\u00dfen &#8222;privatisiert&#8220; &#8211; Damit haben wir ja schon beste Erfahrungen gemacht: Privatisierung der Krankenh\u00e4user, der deutschen Bahn und der deutschen Wasserversorgung. Hat ja prima geklappt. Auch im Bereich Energieversorgung haben wir da ausgesprochen tolle Erfahrungen gemacht: Entwicklungskosten und Entsorgungskosten gerne staatlich gedeckelt &#8211; Gewinne gerne auch mal privatisiert &#8211; (Ironie aus!)<\/p>\n\n\n\n<p>Aber mal zur Sache: Anlass f\u00fcr den Schwurblerartikel (Danke an Andy Reiner f\u00fcr den Hinweis auf den Artikel)  ist, dass im Oktober (Hallo das sind noch 2 Monate!) in Leipzig vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Klage gegen den bayrischen Rundfunk verhandelt wird: Vorwurf, der sei nicht &#8222;ausgewogen&#8220; genug. Im Grunde richtet sich die Klage gegen den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rundfunkstaatsvertrag\">Medienstaatsvertrag<\/a>. Und nat\u00fcrlich ist beim \u00f6ffentlich rechtlichen Rundfunk nicht alles Gold was gl\u00e4nzt. Auch dort &#8222;menschelt&#8220; es, und Menschen sind sowohl korrumpierbar (zumindest viele) als auch von eigenen Werten getrieben. Aber wenn man genauer hinschaut ist es schon klar um was es da geht: Ausgewogen scheint ein Synonym f\u00fcr &#8222;meine Meinung ist da nicht repr\u00e4sentiert&#8220;. Eigentlich lustig, denn tats\u00e4chlich ist der Bayrische Rundfunk recht weit weg von den Meinungen von Amelie Pachulke und mir, Gaspard. Also m\u00fcssten wir eigentlich das Verfahren bef\u00fcrworten. Tun wir aber nicht. Warum? Holen wir kurz aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Meinungsfreiheit muss nicht &#8222;helfen&#8220;. Meinungsfreiheit, wie im Grundgesetz verankert, ist eine Voraussetzung und nicht verhandelbar, sie beschreibt einen Status Quo. Insofern ist bereits die \u00dcberschrift gelinde gesagt tendenziell und im weitesten Sinne verfassungsfeindlich, weil sie die Perspektive in eine Richtung verschieben kann, die die Bedeutung dieser Freiheit herunterspielt. Meinungsfreiheit ist eine Grundlage eines freien Journalismus. Ob dieser dann ausgewogen ist oder nicht ist letztlich eine Frage der Beurteilung durch den Beobachter. Dass der nicht neutral ist liegt h\u00e4ufig auf der Hand: Meinung muss nicht gefallen und Vielfalt hei\u00dft eben auch &#8222;viele verschiedene Meinungen&#8220;, was bedeutet, es kann gar nicht jedem gefallen &#8211; das liegt in der Natur der Sache. Daraus zu folgern, dass die Berichterstattung &#8222;gelenkt&#8220; oder &#8222;zensiert&#8220; ist, weil nicht dauernd die Meinung des Lesers, H\u00f6rers oder Zuschauers best\u00e4tigt wird,  kann eigentlich nur ein Hinweis auf grandiose Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung des Konsumenten sein. Der Journalist wird per se nicht mehr f\u00fcr voll genommen,  er wird zum ausf\u00fchrenden B\u00fcttel des &#8222;Systems&#8220; deklassiert. Wenn der nicht das schreibt, was der Konsument denkt muss er &#8222;gelenkt&#8220; oder &#8222;gesteuert&#8220; sein. Mit etwas Abstand k\u00f6nnte man sagen, der Konsument ist freundlich formuliert, einfach nur beratungsresistent und wei\u00df grunds\u00e4tzlich alles besser. Aber nat\u00fcrlich ist Journalismus auch sowas wie Vertrauenssache. Und hier wird es nun heikel: Vertraue ich &#8222;meinem&#8220; Journalisten oder Informationsmedium mehr oder weniger, als meinem eigenen Wissensstand? Diese Entscheidung muss jeder f\u00fcr sich jedes Mal treffen. So ist das und das war auch schon immer so. Eigene Meinung und da hat der &#8222;Gastautor&#8220; schon Recht, ist auch eine Wissensfrage. Aber hier ist die entscheidende Frage schon auch: Woher bezieht der Leser, H\u00f6rer oder Zuschauer sein Wissen?  Sp\u00e4testens seit Trump sollte klar sein, dass jeder alles behaupten kann. Auch, dass Wissenschaft keine Wissenschaft sei. Quellenpr\u00fcfung tut Not.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Gastartikel in der Herberge &#8222;Schw\u00e4bische Zeitung&#8220; kommt der &#8222;Gastautor&#8220; auch zum Punkt, dass er ethische Grunds\u00e4tze (vor allem im \u00f6ffentlich rechtlichen Rundfunk) im Journalismus einfordert: Gewaltfreiheit, Aufrichtigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit. Bl\u00f6de Frage: Und wer sagt, dass das nicht gegeben ist? <br>Laut Medienstaatsvertrag gilt gegenw\u00e4rtig:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach \u00a7 19 haben Berichterstattung und Informationssendungen den&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pressekodex\">anerkannten journalistischen Grunds\u00e4tzen<\/a>&nbsp;zu entsprechen. Sie m\u00fcssen unabh\u00e4ngig und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umst\u00e4nden gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu pr\u00fcfen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kommentar_(Journalismus)\">Kommentare<\/a>&nbsp;sind von der Berichterstattung deutlich zu trennen und unter Nennung des Verfassers als solche zu kennzeichnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hat der Gastautor mal in den Redaktionen nachgefragt? Nat\u00fcrlich! Oder nicht? &#8211; Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit verbirgt sich hinter dem &#8222;Gastautor&#8220;, der nicht mal so viel Eier in der Hose hat, in der Schw\u00e4Z mit Namen aufzutreten, ein ehemaliger Tagesschauredakteur, der bereits im vergangenen Jahr mit seinem &#8222;Enth\u00fcllungsbericht&#8220; \u00fcber die Nachrichtenredaktion Furore machte: Es k\u00f6nnte Alexander Teske sein. Teske hat seine eigenen Vorstellungen wie \u00d6ffentlich Rechtlich zu funktionieren hat. Nat\u00fcrlich ist der Urheber hier spekulativ genannt, aber um was geht es mir (Gaspard) hier eigentlich? Es geht darum, dass hier jemand \u00fcber ethisch moralische Voraussetzungen des Journalismus schwadroniert und es nicht f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt seinen Namen preiszugeben. Das ist eine der unverr\u00fcckbaren Grunds\u00e4tze im Journalismus: Anonyme Texte sind mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Nicht mal ein Pseudonym ist es der Schw\u00e4Z wert. Und selbst das Foto &#8211; oder besser die Fotomontage zum Artikel bleibt anonym. Das kann und sollte zu denken geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleiner direkter link zum gegenw\u00e4rtigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pressekodex\">Pressekodex<\/a> (auch oben verlinkt). <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Schlagzeile &#8222;Meinungsfreiheit hilft in Zeiten von Social Media und Massenmedien auch nicht weiter!&#8220; hat die Schw\u00e4bische Zeitung am vergangenen Samstag einen Stab f\u00fcr &#8230;. Ja sorry &#8211; f\u00fcr was eigentlich gebrochen? Ein anonymer Gastbeitragschreiber erkl\u00e4rt uns die Welt. Nach gef\u00fchlt vier DinA4 Seiten Text kommt der (beliebige) Autor zum Schluss, dass &#8222;gute&#8220; (also auch irgendwie andere, also in seinem Sinne &#8222;unabh\u00e4ngige&#8220;) \u00f6ffentlich rechtliche Rundfunkanstalten von N\u00f6ten seien. 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