{"id":16161,"date":"2025-06-17T10:13:26","date_gmt":"2025-06-17T08:13:26","guid":{"rendered":"https:\/\/weberberg.de\/?p=16161"},"modified":"2025-06-17T10:24:13","modified_gmt":"2025-06-17T08:24:13","slug":"tschappel-schwaebische-comedy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/2025\/06\/17\/tschappel-schwaebische-comedy\/","title":{"rendered":"Tschappel &#8211; schw\u00e4bische Comedy&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Das kommt dann doch recht unterschiedlich an: F\u00fcr Gaspard &#8222;war schon viel Sch\u00f6nes dabei&#8220;, wobei die leicht s\u00e4uerliche Miene eher darauf hindeutet, dass der Fernsehabend mit Amelie Pachulke nicht ganz so harmonisch verlaufen ist, beim Schauen der ZDF neo Serie &#8222;Tschappel&#8220;. Amelie, Garant f\u00fcr Harmonie in der Weberbergredaktion, hingegen scheint sich gut unterhalten zu haben und wirkt ein wenig beseelt, ob der oberschw\u00e4bischen Dorfstimmung, &#8222;scho schee und au aweng luschtich!&#8220;. Dass die geb\u00fcrtige Bielefelderin hier auf das schw\u00e4bische Wortrepertoire zur\u00fcckgreift spricht schon B\u00e4nde. <\/p>\n\n\n\n<p>Allgemein wird die kleine <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/serien\/tschappel-100\">Erstlingsserie mit 8 Folgen<\/a> der relativ jungen <a href=\"http:\/\/Apollonia Film\">Produktionsgesellschaft Appolonia<\/a> Film <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tschappel\">eher gelobt<\/a>. Zum ersten Mal kommen da endlich die Schwaben zum Zug, nicht nur die Bayern und witzig ist es auch noch, so der Tenor. Da w\u00fcrde endlich eine kulturelle L\u00fccke gef\u00fcllt. &#8211; Nun ja, ein wenig. <\/p>\n\n\n\n<p>Gaspard w\u00fcrde da zun\u00e4chst festhalten, insgesamt wirkt das ganze wie eine Mischung aus &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daheim_sterben_die_Leut\u2019\">Daheim sterben die Leut<\/a>&#8220; und einer bayrischen Landserie a la &#8222;Hubert ohne oder mit Staller&#8220; &#8211; nur ohne Krimianteil. Das muss man schon m\u00f6gen. Ein ab und an auftauchender Satz in der Serie erkl\u00e4rt sowohl Humoransatz als auch Dramaturgie, sinngem\u00e4\u00df: &#8222;Entweder du verlierst, oder die Anderen gewinnen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz klar stelle ich erstmal fest, nein, das ist weder mein Humor noch eine Geschichte die mich interessiert. Und es war schwierig \u00fcber Folge 4 hinaus der Serie zu folgen. Aber zugegeben, Folge 8 hat dann doch noch ein wenig gez\u00fcndet und es waren dann doch die ein oder anderen Gags oder Twists dabei, die zumindest ein bisschen am\u00fcsiert haben.  Wirklich gelacht habe ich im Gegensatz zu Amelie nicht. Dazu war mir vieles zu einfach gestrickt, zu oberfl\u00e4chlich. Sohnemann als &#8222;Depp&#8220; (also Tsch\u00e4ppel) zu deklarieren ist nicht besonders lustig, das dauernde assoziierte &#8222;Der Schwabe wird grunds\u00e4tzlich untersch\u00e4tzt und h\u00e4lt sein Licht unterm Scheffel&#8220; tr\u00e4gt aus meiner Sicht keine 8 Folgen. Eine Serie \u00fcber Klischees? Davon gibt es mittlerweile genug. <\/p>\n\n\n\n<p>Hintervorderbach (virtueller Handlungsort) bei Ravensburg gibt es nat\u00fcrlich so nicht, und entweder Gaspard ist einfach zu abgehoben und weltfremd, oder aber einfach nur realit\u00e4tsfern, denn solche (vorgef\u00fchrten) Tsch\u00e4ppel findet er auch in der Biberacher Umgebung (Gott sei Dank) nicht. Na dann ist doch alles in Ordnung, oder? Nein, ist es nicht.  Denn was vermittelt die Serie? Ja, die Oberschwaben sind liebenswert d\u00fcmmlich und naiv, bemerken  nicht mal die Dashcam im Auto, verarschen v\u00f6llig unbedarfte Hochzeitsg\u00e4ste mit aufgepepptem Fastfood Essen und machen aus einem G\u00fcllebecken ein Schwimmbad bis das Grundwasser ausgeht&#8230; Sexueller Notstand und urinierende m\u00e4nnliche Eingeborene vermitteln ein f\u00fcr Gaspard eher unertr\u00e4gliches Bild dieser Region, das weder besonders lustig noch kritisch ist. Allenfalls liebenswert d\u00e4mlich. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Silo-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16173\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Silo-768x1024.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Silo-225x300.jpg 225w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Silo-38x50.jpg 38w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Silo-60x80.jpg 60w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Silo.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bild: Appolonia Film GmbH <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Amelie sieht das eher ein wenig unbedarft und &#8222;hat sich schon unterhalten gef\u00fchlt&#8220;, fand manches witzig. Gut, dass der Tsch\u00e4ppel einen verdrehten Hoden hat, der von (Doktor) Harald Schmidt behandelt wird &#8222;kommt&#8220; ein bisschen zu &#8222;kurz&#8220;. Auch Alexander Schubert als verarschter Pseudovater oder Paul Fa\u00dfnacht in der letzten Folge schaffen es nicht wirklich die Serie auf ein h\u00f6heres Niveau zu hieven. Insgesamt ist das Schauspiel an sich ganz gut, das Schw\u00e4bisch ertr\u00e4glich und nicht zu aufgesetzt und entspricht dem halbwegs an die Zivilisation angeschlossenen Oberland und Oberschwaben. <\/p>\n\n\n\n<p>Alles bleibt aber pubert\u00e4r und eine muffige Tristesse, auch wenn die Protagonisten immer wieder betonen wie toll das doch vor Ort sei. &#8222;Warum weggehen?&#8220; ein wiederkehrendes Thema. Naja vielleicht, um einfach den Blick aufs Wesentliche zu sch\u00e4rfen, hier auf die leider nicht thematisierten Kl\u00fcngeleien, den verdeckten Faschismus, die verdeckte Fremdenfeindlichkeit oder die Blockierung von Ver\u00e4nderungen, oder gar den Umweltschutz. Hier ist Tsch\u00e4ppel weit weg von &#8222;Daheim sterben die Leut&#8220;, dem 1985er Kultfilm. Echte tiefere Auseinandersetzungen mit dem Lebensstil und der Assimilation in Oberschwaben finden nicht wirklich statt. Dabei b\u00f6te das tats\u00e4chlich Stoff nicht nur f\u00fcr eine Serie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist diese Kritik nicht \u00fcberzogen? Amelie findet das durchaus, &#8222;die Serie will unterhalten, das tut sie!&#8220;. Bedingt, ja. Aber sie verschenkt viel. Auch optisch. Bildtechnisch ist das Standardkost. Weder besondere Perspektiven, noch besonderes Licht, TV as usual. Tut nicht weh, f\u00e4llt aber auch nicht auf. Ein bisschen zu h\u00e4ufig die klassische &#8222;Amerikanische&#8220; (Halbnahe) Kameraeinstellung &#8211; wie in den 60er Jahre Serien. Gelegentlich ein paar leicht unmotiviert wirkende Zooms. Die Bilder der Produktionsdoku (Making of) sind gestalterisch beeindruckender, die Farbkorrektur der Serie selbst teils einfach mau.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Nightshot.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16174\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Nightshot.jpg 1000w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Nightshot-300x225.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Nightshot-768x576.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Nightshot-50x38.jpg 50w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Tschappel_Nightshot-60x45.jpg 60w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Appolonia Film GmbH<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Etwas zu dicke die Musikberieselung. Da werden die Hits der 80er noch oder wieder gespielt und alles was nicht sofort vom Plattenteller springt, wenn mal wieder Kondome fehlen oder Urinale gef\u00fcllt werden.  Tats\u00e4chlich funktioniert aber die leise Liebesbeziehung zwischen Carlo (Tsch\u00e4ppel) und Pia noch am Besten in der Serie und ab und an S\u00e4tze wie: &#8222;Die Reschde sinds Beschte am Feschde!&#8220;  <\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Ein paar ganz h\u00fcbsche Ideen, leider zu oberfl\u00e4chlich, zu viele Klischees und viel verschenktes Potential. Umsetzung und Realisation ausbauf\u00e4hig und zu standardisiert. Schw\u00e4bisch als Alleinstellungsmerkmal reicht (Gaspard) nicht &#8211; schlie\u00dflich gibt&#8217;s zum Einen sowas wie &#8222;Die Kirche bleibt im Dorf&#8220; (merklich h\u00f6here Budgets und klar sollte man hier nicht \u00c4pfel mit Birnen vergleichen) und zum Anderen muss man schon mal fragen: &#8222;Braucht man im TV unbedingt in jedem Regionalslang eine eigene Serie? &#8211; Also auch in Unter- oder Oberfr\u00e4nkisch, Mittelhessisch oder Badisch?&#8220; Schlie\u00dflich g\u00e4be es auch noch Honoratiorenschw\u00e4bisch aus Stuttgart&#8230; Liebe Appolonia Film, ihr wollt &#8222;originelle,&nbsp; authentische&nbsp;Stoffe, die mit einer klaren inhaltlichen&nbsp;Haltung&nbsp;\u00fcberzeugen&#8220; &#8211; das klingt gut, da geht sicher noch ein bisschen mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kommt dann doch recht unterschiedlich an: F\u00fcr Gaspard &#8222;war schon viel Sch\u00f6nes dabei&#8220;, wobei die leicht s\u00e4uerliche Miene eher darauf hindeutet, dass der Fernsehabend mit Amelie Pachulke nicht ganz so harmonisch verlaufen ist, beim Schauen der ZDF neo Serie &#8222;Tschappel&#8220;. 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