{"id":13640,"date":"2024-12-12T12:49:23","date_gmt":"2024-12-12T10:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/portal.weberberg.de\/?p=13640"},"modified":"2024-12-12T14:02:57","modified_gmt":"2024-12-12T12:02:57","slug":"ein-alternatives-weihnachtsmaerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weberberg.de\/index.php\/2024\/12\/12\/ein-alternatives-weihnachtsmaerchen\/","title":{"rendered":"Ein alternatives Weihnachtsm\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"\n<p>vom Dezember 2024 von J\u00fcrgen Kraft, Philosoph: (Hinweis: Kommenden Samstag 14.12. wieder in der Stadtb\u00fccherei zu philosophischen Gespr\u00e4chen 11 bis 12:30 Uhr)<\/p>\n\n\n\n<p>Vor nicht all zu langer Zeit schwebte einmal \u2013 von der Menschheit v\u00f6llig unerkannt \u2013 ein UFO in geh\u00f6riger Entfernung \u00fcber der Erde mit einem Au\u00dferirdischen an Bord, der sehr vern\u00fcnftig und wirklich sehr moralisch, sprich gut war. Und der beobachtete die Erde und die Menschheit.<br>Von diesen machte er sich einige Vorstellungen und hatte auch ein paar ganz bestimmte Erwartungen.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDa es da unten Siedlungen und bearbeitete Natur gibt, m\u00fcssen die Wesen dieses Planeten Vernunft besitzen. Diese Vernunftwesen sind auf ihrem kleinen Planeten aber ganz offensichtlich gefangen, denn ich konnte in dessen n\u00e4herer Umgebung ja keinen von ihnen irgendwo anders entdecken. Und da sie keinen weiteren Planeten besiedelt zu haben scheinen, ist dieser ihr endlicher Planet ihr einziger Aufenthaltsort und ihre einzige Rohstoffquelle.<br>Ich denke also: Als Vernunftwesen in so einem kleinen Lebensraum eingesperrt stehen ihnen nur begrenzte, endliche Naturressourcen zur Verf\u00fcgung. Folglich m\u00fcssen sie und werden sie sich auch gegenseitig sehr sch\u00e4tzen und achten und von daher unbedingt f\u00fcreinander da sein und zusammenarbeiten. Alle diese Vernunftwesen auf diesem Planeten werden somit wohl sehr friedlich miteinander auskommen und sich niemals bewusst und absichtlich Leid zuf\u00fcgen.<br>Und wenn sie nun also tats\u00e4chlich Intelligenz besitzen, dann werden ja wohl alle diese intelligenten Wesen auf diesem Planeten auch diese ihre endliche Ressource gemeinsam nutzen, also gemeinsam bearbeiten. Jedes Individuum wird wohl je nach seinen Talenten, F\u00e4higkeiten und Vorlieben die T\u00e4tigkeit aus\u00fcben, die es m\u00f6chte. Und so werden sie alle zusammen die Natursch\u00e4tze dieses Planeten gemeinsam m\u00f6glichst schonend nutzen. Und was sie alle daraus f\u00fcr sich erzeugen, das werden sie als Vern\u00fcnftige und Gute dann wohl gerecht und gleichm\u00e4\u00dfig auf alle Individuen verteilen, so dass jedes von ihnen gen\u00fcgend hat f\u00fcr den Konsum des Lebensnot-wendigen.<br>Von daher werden sie wohl friedlich zusammenleben im Genuss ihrer gemeinsam erarbeiteten Produkte und so ihr Leben genie\u00dfen.\u201c<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p>Ein einziger von den Menschen, die zu au\u00dferk\u00f6rperlichen Erfahrungen f\u00e4hig sind, aber empfing diese Gedanken des Au\u00dferirdischen, freilich ohne dass er auch nur eine Ahnung hatte, woher und wie er zu ihnen gekommen war. Er ver\u00f6ffentlichte sie im Internet und es entbrannte -f\u00fcr ihn v\u00f6llig unerwartet- viral eine sehr heftige Debatte. Die eine Partei argumentierte vermeintlich kritisch:<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Mensch ist nun mal von Natur aus eben ein egoistisches und aggressives Wesen. Das m\u00fcssen wir uns stets vor Augen halten. Und von daher kann es gar kein friedliches, solidarisches Zusammenleben der Menschenindividuen geben.<br>Auch will der Mensch haben, will besitzen und zwar immer mehr. Gleiche Verteilungen der in einer bestimmten Gesellschaft erzeugten G\u00fcter hatten wir ja tats\u00e4chlich schon mal vor noch nicht sehr langer Zeit. So hatte insbesondere das Nazi-Regime Deutschlands \u2013u.a. aber auch das UK- in der Zeit des Zweiten Weltkrieges die begrenzten Lebensmittel und Gebrauchsg\u00fcter rationiert und jeder erhielt auf Karte dieselbe Menge jedes Artikels.<br>Und genauso praktizierten es die Mangelwirtschaften des einstigen sogenannten real existierenden Sozialismus w\u00e4hrend der Periode des Kalten Krieges. Aber das empfanden die Menschen jener Epoche eben gar nicht als zweifelsfreies Gl\u00fcck.<br>Auch arbeiten die Menschen niemals freiwillig, sie m\u00fcssen mit Zwang zur \u2013arbeitsteiligen- Arbeit gen\u00f6tigt werden. Dabei sind manche Menschen eben zu anspruchsvoller Arbeit f\u00e4hig und andere nicht. Und manche Menschen leisten mit ihrer Arbeit einen gr\u00f6\u00dferen Beitrag f\u00fcr die Gesellschaft, tragen gr\u00f6\u00dfere Verantwortung und m\u00fcssen deshalb auch (viel) besser als andere entlohnt werden.<br>Und das hei\u00dft eben: Wenn jeder Mensch nur noch das zu arbeiten br\u00e4uchte, was ihm Freude und Erf\u00fcllung gew\u00e4hrt, dann w\u00fcrden manche Arbeiten von gar niemandem mehr ausgef\u00fchrt werden. Und dann funktionierte unsere ganze Versorgung nicht mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die andere Partei nahm dazu eine kritische Gegenposition ein:<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>W\u00e4hrend der gesamten 99% der bisherigen Menschheitsgeschichte lebten die Menschen in Gesellschaften als wirklich Gleiche und ohne Kriege, n\u00e4mlich weitgehend friedlich zusammen. Das aber hei\u00dft doch: Egoismus und Aggressivit\u00e4t mit der Folge ewigen gegenseitigen Sich-Abschlachtens sind nicht auf ewig eingerammt in die menschliche Natur. Ganz im Gegenteil! Zumindest prinzipiell ist schon mal das Gegenteil Wirklichkeit gewesen. Und was einmal Wirklichkeit war, wieso sollte das nicht wieder einmal Wirklichkeit werden k\u00f6nnen?<br>Da die Menschen es ganz offensichtlich nicht sch\u00e4tzen, wenn wirklich jedes Individuum genau dieselbe Zusammensetzung der gleichen Menge an den verschiedenen G\u00fctern erh\u00e4lt, sollten sie sich ihre Konsumg\u00fcter selbst aussuchen d\u00fcrfen. Doch der \u2013wertm\u00e4\u00dfige- Umfang kann ja und sollte dennoch f\u00fcr alle Individuen gleich gro\u00df sein.<br>Wer dagegen einwendet: \u201eAber wie soll man denn so einen riesigen Verwaltungsaufwand \u00fcberhaupt bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen?\u201c, dem ist mit mindestens einem Beispiel und zwei \u00dcberlegungen zu entgegnen.<br>Als die CIA der USA \u2013dieses demokratischen Rechtsstaats und Weltpolizisten der Menschenrechte- versuchte, den demokratisch gew\u00e4hlten Sozialisten Allende in Chile zu st\u00fcrzen und durch eine \u2013kapitalismusfreundliche- Milit\u00e4rdiktatur zu ersetzen, gelang es ihr, die chilenischen LKW-Fahrer dazu zu bringen, zu streiken und die Stra\u00dfen zu blockieren, so dass die Versorgung der Bev\u00f6lkerung mit lebenswichtigen G\u00fctern nicht mehr gew\u00e4hr-leistet war und sie so zum Aufstand gegen ihre eigene Regierung gen\u00f6tigt werden sollte.<br>Aber Allende hatte in dieser absoluten Pionierphase schon ein digitales Rechenzentrum. Und weil es in der Bev\u00f6lkerung ja nach wie vor noch Sympathisanten und Unterst\u00fctzer Allendes gab, wurde ein Kommunikationsnetz aufgebaut zwischen den B\u00fcr-gern und diesem Rechenzentrum. Einzelne B\u00fcrger meldeten die-sem, welche Stra\u00dfen nicht belagert sind und das Rechenzentrum kombinierte das dann mit den Orten, wo ben\u00f6tigte G\u00fcter sowie auch wo noch Transporter verf\u00fcgbar sind und dirigierte diese dann.<br>Und nun denken wir blo\u00df an die heutigen M\u00f6glichkeiten der Digitalindustrie, wo ein Gro\u00dfkonzern in den USA von jedem B\u00fcrger der Erde wei\u00df, wo er wann in welchem Caf\u00e9 sitzt und wohin er sich danach bewegt! W\u00fcrde man diese Rechenkapazit\u00e4ten und dieses weltweite Netz menschlich, gerecht und wahrhaft nutz-bringend einsetzen, dann sollte es kein Problem sein, die vorhandenen weltweiten Erzeugnisse und Dienstleistungsangebote und die weltweit nachfragenden Individuen zusammenzubringen und zu koordinieren.<br>Und eine Vorahnung, dass und wie gut das funktionieren k\u00f6nnte, vermitteln uns ja bereits heute schon \u2013allerdings noch kommerzielle- Austauschplattformen.<br>Was das Verh\u00e4ltnis von Angebot an freiwilliger Arbeit und gesellschaftlich notwendiger Arbeit angeht, so ist zweierlei zu bemerken. Erstens kann und sollte sowieso jede Arbeit, die Menschen als solche keinen Spa\u00df macht, automatisiert werden. Zweitens kann solch unbeliebte Arbeit auch anders organisiert werden. Oder beides zusammen. Beispielsweise kann Flie\u00dfbandarbeit vollkommen ersetzt werden durch Automatisation oder bzw. und man k\u00f6nnte statt total aufgesplitterter und spezialisier-ter Arbeit die Dinge wieder von Teams herstellen lassen, die sie von Anfang bis Ende zusammenbauen. Und das dann selbstverst\u00e4ndlich als wesentlich befriedigender empfinden als die Monotonie von st\u00e4ndig gleichen Arbeitsschrittchen.<br>Andererseits kriegt es so gut wie kein Mensch fertig, \u00fcber seine gesamte Lebenszeit hinweg jeden lieben langen Tag wirklich \u00fcberhaupt nichts zu tun. Mit irgendetwas besch\u00e4ftigt sich jeder Mensch \u2013 und das ganz freiwillig. Wenn er nun das als sog. Arbeit, also als eine T\u00e4tigkeit, deren Ergebnis, ein Ding oder eine Dienstleistung, den Andern n\u00fctzlich ist, das sie al-so konsumieren k\u00f6nnen, freiwillig leisten kann, dann wird er es gern tun. Und als n\u00fctzlichen Beitrag f\u00fcr die Gemeinschaft \u00fcberdies als sehr befriedigend empfinden.<br>W\u00fcrden die Naturressourcen der gesamten Erde \u2013die Rohstoffe und Naturdienstleistungen &#8211; von allen Individuen weltweit \u2013gerecht verteilt &#8211; gemeinsam genutzt werden und die Arbeitserzeugnisse der gesamten Menschheit \u2013dem Wert nach- gerecht auf alle Menschen weltweit verteilt werden, und w\u00fcrden sie die da-f\u00fcr n\u00f6tige Arbeit auch noch gerne und freiwillig verrichten, dann w\u00fcrde die Menschheit also tats\u00e4chlich so zusammenleben wie es sich der Au\u00dferirdische vorstellte.<br>Dann g\u00e4be es neben dem ganz Offensichtlichen wie der Tatsache, dass in diesem Falle niemand auf der Erde mehr hungern m\u00fcsste, auch eine gro\u00dfe Zufriedenheit angesichts der erf\u00fcllenden T\u00e4tigkeiten und der gerechten Verteilung der gemeinsam erzeugten Produkte und damit keine Konkurrenz und keinen Neid mehr. Und damit w\u00e4re diese Menschheit auch friedlicher zusammenlebend. Und weil dar\u00fcber hinaus jedes Individuum auch noch ein Maximum an gesellschaftlicher Mitgestaltungspotenz h\u00e4tte, w\u00e4re die Herrschaft einer kleinen Minderheit \u00fcber die \u00fcbrige Menschenmasse auch \u00fcberwunden.<br>Was also ist jenen zu antworten, die das alles f\u00fcr unm\u00f6glich bzw. unrealistisch halten und einwenden: \u201eAber wenn es tat-s\u00e4chlich so sein k\u00f6nnte, warum ist es dann nicht so wenn dies doch zum gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Gl\u00fcck der Menschheit f\u00fchren w\u00fcrde?\u201c<br>Es ist so und seine Ver\u00e4nderung wird verhindert von der ganz kleinen Klasse der Herrschenden, die f\u00fcr sich aus diesem be-stehenden ungleichen, ungerechten und unmenschlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem f\u00fcr sich den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen pers\u00f6nlichen Vorteil herausziehen. Die auf ihre Schl\u00f6sser, Villen, Privatjets und Gro\u00dfyachten und wom\u00f6glich sogar auf ihre eigene kleine Insel im Meer zu verzichten auf keinen Fall bereit sind. Und weil sie, die Macht \u00fcber die Wirtschaft, die Politik und sogar \u00fcber die K\u00f6pfe bzw. das Denken der Massen haben.<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<p>Vollkommen unbemerkt von der gesamten Menschheit war der Au\u00dferirdische als eine k\u00f6rperlose Geistwolke dann aber tats\u00e4chlich auf die Erde heruntergekommen und hatte sich unter die Menschen gemischt. Und mit seiner Supervernunft hatte er es ziemlich schnell vermocht, deren Kommunikation zu entschl\u00fcsseln und das tats\u00e4chliche Zusammenleben der Erdenbewohner und ihr Wirtschafts- und Gesellschaftssystem genau zu verstehen.<br>Und daraufhin kehrte er in sein Ufo zur\u00fcck, wandte der Erde schnellstm\u00f6glich den R\u00fccken zu mit der Erkenntnis: \u201e<strong>Da ist Hopfen und Malz verloren!<\/strong>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(<strong>Autor: J\u00fcrgen Kraft im Dezember 2024<\/strong>)<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/portal.weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaerchen_J_Kraft.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von Weihnachtsmaerchen_J_Kraft.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-ea578391-8792-4af8-8612-f0868de6ad8f\" href=\"https:\/\/portal.weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaerchen_J_Kraft.pdf\">Weihnachtsmaerchen_J_Kraft<\/a><a href=\"https:\/\/portal.weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaerchen_J_Kraft.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-ea578391-8792-4af8-8612-f0868de6ad8f\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/portal.weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13642\" srcset=\"https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer.jpg 1024w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer-300x300.jpg 300w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer-150x150.jpg 150w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer-768x768.jpg 768w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer-60x60.jpg 60w, https:\/\/weberberg.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Weihnachtsmaer-480x480.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Au\u00dferirdischer Chat GPT<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>vom Dezember 2024 von J\u00fcrgen Kraft, Philosoph: (Hinweis: Kommenden Samstag 14.12. wieder in der Stadtb\u00fccherei zu philosophischen Gespr\u00e4chen 11 bis 12:30 Uhr) Vor nicht all zu langer Zeit schwebte einmal \u2013 von der Menschheit v\u00f6llig unerkannt \u2013 ein UFO in geh\u00f6riger Entfernung \u00fcber der Erde mit einem Au\u00dferirdischen an Bord, der sehr vern\u00fcnftig und wirklich sehr moralisch, sprich gut war. 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