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Andreas Gryphius: "Es ist alles eitel"



(zu Prediger 1,2)

Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was itzt so pocht und trotzt ist morgen Asch und Bein
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind't.
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten!

 


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Gedichtinterpretation

Das Gedicht "Es ist alles eitel" von Andreas Gryphius handelt von der Vergänglichkeit auf der Erde und der Nichtigkeit alles Irdischen.

Das ca. 1630 geschriebene Gedicht von Andreas Gryphius ist eines der berühmtesten Gedichte der Barockzeit. Mit diesem Gedicht versucht der Dichter, dem Leser zu erklären, dass nichts auf dieser Welt ewig bleibt. Mit "eitel" meint er "vergänglich". Diese Vergänglichkeit wird ihm vor allem während des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) bewusst, als er das Gedicht geschrieben hat. Durch Wörter wie "einreisen","zutreten" oder "Asch und Bein" beschreibt der Dichter die Zerstörung und den Zerfall seiner Umwelt durch den Krieg. Der Dichter drückt in diesem Gedicht auch seine Liebe zur Natur und seine Sehnsucht nach Ruhe aus, indem er von Wiesen, spielenden Kindern und prächtig blühenden Blumen erzählt. Andererseits könnte man dieses "prächtig blühen"(Z.5) nicht auf die Natur, sondern auf prächtige Städte beziehen, die zerstört werden (--> Krieg). Die "Eitelkeit" ist überall. ("wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden" Z.1)

Wenn uns heute noch dass Glück anlacht, kann es morgen schon wieder ganz anders aussehen und die "Beschwerden donnern auf uns ein" (Z.8). Mit dem Satz "Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn"(Z.9) will uns der Dichter sagen, dass alles, auch der größte Ruhm und das größte Glück, plötzlich wie ein Traum platzen kann und somit auch vergänglich ist. In Zeile 10 ("Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?) wird deutlich, dass auch der Mensch machtlos gegen die Zeit ist. In Zeile 11 und 12 fasst Gryphius seine Erkenntnis aus den vorigen Versen noch einmal zusammen: "Ach! was ist alles dies, was wir vor köstlich achten, als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind". Mit diesem Satz und vor allem mit diesem Seufzer ("Ach!") bringt der Dichter deutlich seine Verzweiflung über diese Erkenntnis zum Ausdruck. Alles um uns herum, alles was wir verehren, ist nichts anderes als Nichtigkeit, nichts als ein Schatten oder ein Windhauch, der an uns vorüberzieht.

Das Gedicht besteht aus insgesamt 4 Strophen und 14 Versen die in zwei Strophen mit je 4 Versen (Quartette) und in 2 Strophen mit je 3 Versen (Terzette) geteilt sind (sog. Sonettform). Die ersten zwei Strophen bestehen fast nur aus Thesen und Antithesen (Gegensätze), z.B. "was dieser heute baut, reißt jener morgen ein".

Das Reimschema des Gedichts besteht in den ersten beiden Strophen je aus einem umarmendem Reim (abba) und in den letzten beiden Strophen aus einem Schweifreim (ccd eed). Das Metrum des Gedichts besteht aus einem 6-hebigen Jambus, einem sog. Alexandriner. Nach der dritten Hebung wird der Fluss der Zeile durch eine kleine Pause, eine sog. Mittelzäsur unterbrochen. Damit werden die Gegensätze in den Versen noch einmal verstärkt. Ansonsten liegt ein gleichmäßiges Metrum vor, das unaufhaltsam voranschreitet, genau wie die Vergänglichkeit.

 
 
 
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Der Leser wird mit "du" direkt angsprochen. Damit bezieht der Dichter den Leser mit ein und versucht ihm somit zu zeigen, dass nicht nur beim Dichter, sondern auch beim Leser alles vergänglich ist. Das Gedicht soll uns als Leser dazu auffordern, nicht immer nur an uns Menschen zu denken, sondern auch an die Natur. Die Bauwerke der Menschen sind vergänglich (Städte werden zu Wiesen). Selbst Erz und Marmor, was als unzerstörbar gilt, bleibt nicht ewig bestehen. Die Natur holt sich immer wieder das zurück, was der Mensch ihr weggenommen hat.

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Das Gedicht gilt nicht nur für die Zeit während des Krieges sondern auch für unsere heutige Zeit. Der Mensch glaubt, er sei der Herrscher über die Natur, aber durch Naturkatastrophen erkennt er, dass er absolut machtlos ist gegen die Gewalt der Natur. Der moderne Mensch nimmt die Vergänglichkeit der Dinge und seines eigenen Lebens nicht wirklich wahr.

Wir werden fast täglich mit Krankheiten, dem Alter und dem Tod konfrontiert, aber wir verdrängen die Vergänglichkeit oder setzten sie bewusst aufs Spiel, z.B. durch schnelles Autofahren, Extremsportarten oder das Einnehmen von Drogen.

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Wir sind uns der Vergänglichkeit bewusst, empfinden sie aber nicht als Bedrohung. Gryphius will, dass sich jeder Mensch seiner Vergänglichkeit bewusst wird und sich damit auseinandersetzt. Man soll jeden Augenblick seines Lebens genießen und lernen, alles was man hat zu schätzen, da alles vergänglich ist.

 

Obwohl das Gedicht etwas 'altmodische' Wörter (z.B. "itzund") enthält, ist es wegen des einfachen Satzbaus und der doch sehr einfach formulierten Botschaft sehr leicht zu verstehen. Das Gedicht ist ein Grund sich einmal Gedanken, um sein Leben und den Tod zu machen. In diesem Gedicht wird klar, dass der Mensch nur ein kleines Zahnrad in dem ganzen großem Getriebe des Lebens ist. Auch wenn er es immer glaubt, hat er keine Macht gegen die Natur.


andere Fassung:

Es ist alles eitel

Du sihst wohin du sihst nur eitelkeit auff erden.
Was dieser heute bawt reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn wird eine wiesen sein
Auff der ein schäffers kind wird spilen mit den heerden.
Was itzund prächtig blüht sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht und trotzt ist morgen asch und bein
Nichts ist das ewig sey kein ertz kein marmorstein.
Itzt lacht das glück uns an bald donnern die beschwerden.
Der hohen thaten ruhm mus wie ein traum vergehn.
Soll den das spiell der zeitt der leichte mensch bestehn.
Ach! was ist alles dis was wir für köstlich achten
Als schlechte nichtikeit als schaten staub und windt.
Als eine wiesen blum die man nicht wiederfindt.
Noch wil was ewig ist kein einig mensch betrachten.


1643

 

Und hier eine weitere Analyse des Gedichts

Quelle und Warnung: Diese Interpretation wurde in der Wikipedia veröffentlicht. Sie wurde dort aber gelöscht, weil sie als Enzyklopädie-Eintrag nicht taugt. Gryphius in der Wikipedia.
Als Beispiel für eine Gedichtinterpretation ist er aber ganz brauchbar. Welche Gefahren allerdings dabei drohen, wenn du diesen Text als deine eigene Interpretation ausgibst, oder
ihn als Referat verwendest, sagt dir dieser Text. Und speziell diesen Text solltest du sowieso nicht als fertiges Referat verwenden, denn er steht bei Google ganz weit oben, so dass ihn die DeutschlehrerInnen sofort finden. Pech! Die Suche nach diesem Text ist eine beliebte Übung auf Lehrerfortbildungen beim Thema "Fertige Referate und Täuschungsversuche".

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