Weberberg.de: Herr Freudigmann::, Sie sind Heilpraktiker. Seit
wann?
FREUDIGMANN: Auf die Schule bin ich 1986 in München gegangen,
meine Praxis habe ich offiziell 1989 eröffnet.
Weberberg.de : Sie waren vorher bei der Kölner Firma Nattermann
Pharmareferent.
FREUDIGMANN: Ja, bis ich dann 1985 in den Vorruhestand ging.
Weberberg.de Und warum wurden Sie dann Heilpraktiker?
FREUDIGMANN: Es war ein persönliches Erlebnis aus einer Krankheit
heraus. Ich hatte in jungen Jahren täglich Kopfschmerzen und
zog von einer Arztpraxis zur anderen. Niemand konnte mir helfen.
"Mit dem müssen Sie leben," war die Auskunft. Ein Heilpraktiker
hat mich dann mit Homöopathie gesund gemacht.
Weberberg.de: Kein Wunder, dass Sie dadurch eine Affinität
zur Homöopathhie entwickelte. Aber dann als Phramareferent
arbeiten? Beißt sich das nicht?
FREUDIGMANN: Nein. Die Firma hat in erster Linier Naturheilmittel
hergestellt. Außerdem bin ich kein Gegner der Schulmedizin.
Alles hat seinen Stellenwert: die Chirurgie, eine hohe Kunst übrigens,
die Schulmedizin und meine Therapien. Ich bin nur gegen den Missbrauch.
Weberberg.de: Wie zum Beispiel?
Es werden zuviel und zu oft Cortison und Antibiotika verschrieben.
Vor allem bei Kindern ist das kriminell. Zu oft und zu schnell wird
auch chirurgisch behandelt. Aber: Wenn einer meint, mit der Naturheilmedizin
könnte er alles in den Griff kriegen, ist das genauso schlimm.
Fanatismus ist immer krankhaft.
Weberberg.de: Warum wurden Sie erst im Ruhestand Heilpraktiker?
FREUDIGMANN: Ich hatte das immer im Hinterkopf, hatte immer das
Ziel, selbst zu behandeln, aber mit vier Kindern und Hausbau konnte
ich meinen gut bezahlten Beruf nicht aufgeben.
Weberberg.de: Wird die Naturheilkunde unterschätzt oder überschätzt?
FREUDIGMANN: Ich habe sie selber unterschätzt. Es gibt viel
mehr Möglichkeiten, als ich geahnt habe. In der Gesellschaft
wird sie zwar immer mehr akzeptiert aber letzten Endes nicht begriffen.
Sie wird eher akzeptiert als früher, weil's in ist.
Weberberg.de: Wie meinen Sie das?
FREUDIGMANN: Die Leute haben noch nicht begriffen, welche immensen
Möglichkeiten es gibt.
Nehmen wir mal ein Beispiel. Jemand kann nicht schlafen. Dann nimmt
er ein schulmedizinisches Präparat und kann schlafen. Sobald
er es absetzt, hat er das Problem immer noch. Nimmt er das Präparat
über lange Zeit, kann es Nebenwirkungen geben.
Auch ein Naturpräparat hilft ihm zu schlafen, aber das Problem
ist wieder da, sobald er das Präparat nicht mehr einnimmt.
Bei Naturheilpräparaten oder Akupunktur ist das anders: er
schläft und braucht keine Medikamente mehr, weil er geheilt
ist. Was bei diesem betreffenden Menschen falsch abläuft, muss
korrigiert werden
Weberberg.de: Was machen die Menschen am häufigsten falsch
in Bezug auf ihre Gesundheit? Lässt sich das sagen?
FREUDIGMANN: Ja. Sie bewegen sich in Ängsten. Was soll es
denn, wenn sie nur gesund leben aus Angst. Im Urlaub habe ich mir
meinen Teller mit allerlei Sachen am Büfett gefüllt und
erntete dafür eine kritische Bemerkung von jemandem. Dem habe
ich gesagt: "Den vielleicht drei Kilo Ungesundes stehen fünf
Kilo Lebensfreude gegenüber." Wenn man sich so etwas nicht
mehr gönnt, macht man etwas falsch.
Weberberg.de: Sonst noch etwas?
FREUDIGMANN: Der Bewegungsmangel ist kolossal. Aber auch hier sollte
man nicht übertreiben. Wenn einer joggt und kann dann nicht
mehr Grüß Gott sagen, dann ist das übertrieben.
Man sollte nichts zwanghaft betreiben. Der Grundtenor sollte die
Lebensfreude sein, das Lockere.