Das Weberberg.de-Interview mit

 

Karl-Heinz Freudigmann über Gesundheit und Theater.

Karl-Heinz Freudigmann ist Heilpraktiker, geboren in Albstadt am 14. März 1928 morgens gegen fünf Uhr. Seit 1978 lebt er in Biberach.

Weberberg.de: Herr Freudigmann::, Sie sind Heilpraktiker. Seit wann?

FREUDIGMANN: Auf die Schule bin ich 1986 in München gegangen, meine Praxis habe ich offiziell 1989 eröffnet.

Weberberg.de : Sie waren vorher bei der Kölner Firma Nattermann Pharmareferent.

FREUDIGMANN: Ja, bis ich dann 1985 in den Vorruhestand ging.

Weberberg.de Und warum wurden Sie dann Heilpraktiker?

FREUDIGMANN: Es war ein persönliches Erlebnis aus einer Krankheit heraus. Ich hatte in jungen Jahren täglich Kopfschmerzen und zog von einer Arztpraxis zur anderen. Niemand konnte mir helfen. "Mit dem müssen Sie leben," war die Auskunft. Ein Heilpraktiker hat mich dann mit Homöopathie gesund gemacht.

Weberberg.de: Kein Wunder, dass Sie dadurch eine Affinität zur Homöopathhie entwickelte. Aber dann als Phramareferent arbeiten? Beißt sich das nicht?

FREUDIGMANN: Nein. Die Firma hat in erster Linier Naturheilmittel hergestellt. Außerdem bin ich kein Gegner der Schulmedizin. Alles hat seinen Stellenwert: die Chirurgie, eine hohe Kunst übrigens, die Schulmedizin und meine Therapien. Ich bin nur gegen den Missbrauch.

Weberberg.de: Wie zum Beispiel?

Es werden zuviel und zu oft Cortison und Antibiotika verschrieben. Vor allem bei Kindern ist das kriminell. Zu oft und zu schnell wird auch chirurgisch behandelt. Aber: Wenn einer meint, mit der Naturheilmedizin könnte er alles in den Griff kriegen, ist das genauso schlimm. Fanatismus ist immer krankhaft.

Weberberg.de: Warum wurden Sie erst im Ruhestand Heilpraktiker?

FREUDIGMANN: Ich hatte das immer im Hinterkopf, hatte immer das Ziel, selbst zu behandeln, aber mit vier Kindern und Hausbau konnte ich meinen gut bezahlten Beruf nicht aufgeben.

Weberberg.de: Wird die Naturheilkunde unterschätzt oder überschätzt?

FREUDIGMANN: Ich habe sie selber unterschätzt. Es gibt viel mehr Möglichkeiten, als ich geahnt habe. In der Gesellschaft wird sie zwar immer mehr akzeptiert aber letzten Endes nicht begriffen. Sie wird eher akzeptiert als früher, weil's in ist.

Weberberg.de: Wie meinen Sie das?

FREUDIGMANN: Die Leute haben noch nicht begriffen, welche immensen Möglichkeiten es gibt.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Jemand kann nicht schlafen. Dann nimmt er ein schulmedizinisches Präparat und kann schlafen. Sobald er es absetzt, hat er das Problem immer noch. Nimmt er das Präparat über lange Zeit, kann es Nebenwirkungen geben.

Auch ein Naturpräparat hilft ihm zu schlafen, aber das Problem ist wieder da, sobald er das Präparat nicht mehr einnimmt.

Bei Naturheilpräparaten oder Akupunktur ist das anders: er schläft und braucht keine Medikamente mehr, weil er geheilt ist. Was bei diesem betreffenden Menschen falsch abläuft, muss korrigiert werden

Weberberg.de: Was machen die Menschen am häufigsten falsch in Bezug auf ihre Gesundheit? Lässt sich das sagen?

FREUDIGMANN: Ja. Sie bewegen sich in Ängsten. Was soll es denn, wenn sie nur gesund leben aus Angst. Im Urlaub habe ich mir meinen Teller mit allerlei Sachen am Büfett gefüllt und erntete dafür eine kritische Bemerkung von jemandem. Dem habe ich gesagt: "Den vielleicht drei Kilo Ungesundes stehen fünf Kilo Lebensfreude gegenüber." Wenn man sich so etwas nicht mehr gönnt, macht man etwas falsch.

Weberberg.de: Sonst noch etwas?

FREUDIGMANN: Der Bewegungsmangel ist kolossal. Aber auch hier sollte man nicht übertreiben. Wenn einer joggt und kann dann nicht mehr Grüß Gott sagen, dann ist das übertrieben. Man sollte nichts zwanghaft betreiben. Der Grundtenor sollte die Lebensfreude sein, das Lockere.

 

Weberberg.de: Sie spielen seit Jahren Theater. Fördert Theaterspielen die Gesundheit?

FREUDIGMANN: Das ist wohl individuell. Für mich ist es förderlich. Weil mich das Thema Mensch in jeder Fasson bewegt. Wenn ich das wiedergeben kann, dann ist das für mich ein wesentlicher Faktor für meine Gesundheit.

Weberberg.de: Wie lange spielen Sie schon?

FREUDIGMANN: In Biberach waren es wohl vierzig Aufführungen. Ich habe aber vorher schon Kabarett im Remstal gemacht. In Waiblingen im Rahmen der VHS.

Weberberg.de: Wie gut ist das Biberacher Theater?

FREUDIGMANN: Die Biberacher haben viel Potenzial. Ein böser Regisseur würde wohl sagen, es gibt hier "viel Material".

Weberberg.de: Und Ihre erste Rolle war...?

FREUDIGMANN: Meine erste Rolle in Biberach? Das war in "Ausflug mit Damen". Einige Wochen nach meinem Bandscheibenvorfall musste ich in der Rolle aus einem Mülleimer klettern. Das war nicht leicht. Aber als Neuer musste ich bescheiden sein, denn der Dramatische Verein ist schon eine Clique, die einen Fremden erst einmal reserviert behandelt.

Allmählich wird man dann aber entdeckt. Als ich 1978 nach Biberach kam, habe ich mich als erstes erkundigt, ob hier Theater gespielt wird.

Weberberg.de: Haben Sie jemals geraucht?

FREUDIGMANN: Geraucht? Oh ja. Ich habe zu der Zeit angefangen, als Zigaretten noch zugeteilt wurde. Ich habe ja früher Musik gemacht und zum Tanz gespielt, da gehörte das dazu. Damals habe ich zu Schwarzpreisen Offenburger Tabak gekauft und selbst gedreht.

Auch für die Franzosen haben wir gespielt, da gab es dann etwas zu essen und zu trinken.

Weberberg.de: Wie war der Übergang vom Pharmareferenten zum Heilpraktiker?

FREUDIGMANN: Als ich in den Vorruhestand ging, bekam ich noch 70 Prozent meines Gehaltes weiter bis ich 63 war. Als ich dann in München auf die Schule ging, habe ich gelebt wie ein armer Student. Mit Kochplatte.

Weberberg.de: Theaterspielen und heilen. Ganz unterschiedliche Welten.

FREUDIGMANN: Eigentlich sind sie gar nicht weit auseinander. Für mich ist die Beziehung zum Menschen wichtig, das gilt für beides. Es handelt sich immer um den Menschen, um die Psyche des Menschen, um das Leben und die Zusammenhänge.

Das hat mich immer interessiert. Und das kann in die Therapie mit einbezogen werden. Schon wie jemand in die Tür reinkommt, vielleicht nach dem zweiten Satz zu weinen beginnt. Was da alles mitläuft. Das ist nicht mit Rezepteschreiben getan.

Weberberg.de: Und die Gesundheitsreformen?

FREUDIGMANN: Eine Katastrophe. Von welchen "Leistungen" reden Seehofer usw? Migräne- oder Asthmapatienten sind in der Regel Dauerpatienten. was ist das für eine Leistung, wenn die nicht gesund gemacht werden? Die Menschen, die ich gesund gemacht habe, kamen meist zu mir, nachdem sie jahrelang die Schulmediziner besucht haben.

Warum wird nicht heute Nacht eingeführt, dass die Kassenpatienten die Rechnungen kriegen, in einem verständlichen Deutsch, damit sie sehen, was das alles kostet. Ein ehrlicher Arzt braucht da keine Bedenken zu haben. Aber viele Leistungen werden doppelt erbracht. Röntgenaufnahme, Überweisung, die gleiche Röntgenaufnahme noch einmal. Da werden Millionen verschwendet.