Der
Biberacher Filmemacher Uli Stöckle hat sich des Themas
Lebensmittelkisten für AsylbewerberInnen angenommen.
Das ist allerdings schon eine Weile her. Offenbar gibt
es die Probleme mit den Lebensmittelkisten schon länger.
Wir wollten mehr wissen. Wann
genau haben Sie sich mit dem Thema beschäftigt
und in welcher Form?
Es
war 1995/96. Mit meiner damaligen Lebensgefährtin
Valerie Lasserre
produzierte ich eine Filmdoku von etwa 6 Minuten Länge
– Es ging vor allem um die Qualität der Lebensmittel
und die Qualität der „Versorgung“,
erst vor kurzem war damals auf „Lebensmittelkörbe“
umgestellt worden..
Wie
sind Sie auf das Thema gestoßen?
Ich
war damals Chefredakteur der Radio 7 Mantelredaktion
und wir hatten im Radio mehrfach über teils skandalöse
Verpflegung berichtet: Da waren Inder und Muslime mit
Schweinefleisch und oder Rindfleisch „beliefert“
worden, Afrikaner hatten Nudeln bekommen. – Kurzum
es war eigentlich nicht amüsant. Angetaute Hähnchen
wurden ausgeliefert.
Wie
sind Sie bei Ihren Recherchen vorgegangen?
Zunächst
hatten wir im Landratsamt versucht einen offiziellen
„Asylbewerberkorb“ zu bestellen, bzw. zu
kaufen. Das war nicht möglich. Es hieß, das
sei undenkbar, das würde nicht verkauft. Das machte
uns skeptisch. Danach versuchten wir den Korb über
die Zulieferfirma zu bekommen, dort hieß es ohne
Zustimmung des Landratsamtes sei so ein Korb unverkäuflich,
wohlgemerkt der Inhalt. Es entstand wirklich der Eindruck
es ginge um geheime Staatspapiere und nicht um Essenskörbe.
Schließlich nahmen wir Kontakt mit einer Flüchtlingsunterstützungsgruppe
auf und erfuhren, dass die Körbe am Samstagmorgen
an die Asylbewerber zentral am Weberberg in Biberach
ausgegeben würden, von einem Lieferwagen aus. Ich
meine, es war damals morgens um 5 Uhr. Die Asylbewerber
die ihren Korb nicht abholten, gingen eben leer aus.
Offizieller Wert solch eines Korbes war damals irgendwo
zwischen 20 und rund 40 Mark. Wir kauften einer afrikanischen
Familie solch eine „Lebensmittellieferung“
ab und bezahlten dafür 60 Mark. Anschließend
besuchten wir den Wochenmarkt und versuchten die Waren
an „normale“ Bürger zu verkaufen und
ließen den Korb von Marktverkäufern an den
Ständen vom Wert her beurteilen.
Was
war das Ergebnis und wie waren die Reaktionen?
Das
Ergebnis war schlicht katastrophal. Die interviewten
Bürger bezeichneten den Korb zum Teil als eklig,
widerlich und menschenunwürdig. Dazu muss erläutert
werden: Im Korb war ein angetautes Hähnchen. Interessant
dabei, dass der Lebensmittelzulieferer damals meinte,
dass Asylbewerber „natürlich sowohl Kühlschrank,
wie auch Tiefkühltruhe zur Verfügung hätten“.
Angesichts der Salmonellengefahr war die Verteilung
tief gefrorener Hähnchen recht fahrlässig.
Keiner der Bürger war bereit, den Korb für
20 Mark zu kaufen.
Maximal 10 Mark wurden als Preis akzeptiert und das
nur „um was Gutes zu tun“. Noch schlimmer
war die Reaktion der Marktstandbesitzer: Von „unglaublich
miese Qualität“ bis zu „höchstens
12 Mark wert – und das im Verkauf, nicht im Einkauf!“
war da zu hören.
Waren
Sie damals auch im Kontakt mit dem Landratsamt?
Ja,
das Landratsamt versprach damals 1995/96 Besserung und
argumentierte: Die Körbe seien trotzdem natürlich
40 Mark wert, man müsse schließlich die Anlieferung
einrechnen. Das mit dem Hähnchen sei aber ein unglücklicher
Einzelfall.
Gibt
es den Film noch irgendwo zu sehen?
Leider
nicht. Nachdem Valerie Lasserre ihren Lebensmittelpunkt
nach Berlin verlegt hatte ging das Masterband verloren.
Es ist auch keine Kopie mehr vorhanden. Der Film wurde
damals Mitarbeitern der Caritas, dem Landratsamt und
in einer Diskussionsrunde gezeigt.
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