Asylbewerber in Biberach  . Folge 3: Kein Deutsch für Niemand?
Englisch wird auf T-Shirts gerne als dekorative Sprache verwendet. Sinn ergibt das, was aufgedruckt ist, oft nicht. Das T-Shirt eines Heimbewohners ist eine Seltenheit. Es ist mit deutschen Wortfragmenten verziert.


Flüchtlinge haben keinen Anspruch auf Deutschunterricht, solange sie nicht anerkannt sind. Der Staat will ihre Integration erst fördern, wenn sicher ist, dass sie bleiben.Und die Entscheidung darüber kann viele Jahre dauern. Jahre, in denen die Flüchtlinge älter werden, in denen das Lernen schwieriger wird, in denen sie das verlernen, was sie einmal gelernt haben. Schwierig genug ist es für die zum Teil traumatisierten Menschen ohnehin. Manche (aber beileibe nicht alle von ihnen) haben nur eine geringe Schulbildung oder sind gar Analphabeten. In § 1 des Gesetzes über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG) heißt es: "Das Gesetz dient der Steuerung und Begrenzung des Zuzugs von Ausländern in die Bundesrepublik Deutschland. Es ermöglicht und gestaltet Zuwanderung unter Berücksichtigung der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit sowie der wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland. "

Wie die Bundesrepublik einen Menschen integrieren will, der der Sprache nicht mächtig ist, der dadurch beruflich nicht im Mindesten qualifiziert ist, bleibt ihr Geheimnis. Selbst wenn die Flüchtlinge irgendwann zurückehren müssen, wären Deutschkenntnisse gut angelegte Entwicklungshilfe und ein Stück Kulturvermittlung, für die man sonst Goethe Institute im Ausland errichtet.

Wenn die Anerkennung durch ist, wenn ein "Aufenthaltstitel" besteht, dann geht es mit verbindlich zu besuchenden Integrationskursen schnell. Aber bis dahin lässt man die vorhandenen Qualifikationen - und die sind oft genug nicht gering - verkommen. Gut für die Heimbewohner, wenn sich Menschen finden, die bereit sind, ihnen ehrenamtlich Deutschunterricht zu geben. Schwierig genug ist das, denn die Lehrkräfte haben es oft mit verschiedenen Niveaus zu tun. Meist aber geht es um elementare Grundkenntnisse.

Sie haben Interesse, Flüchtlingen Deutsch beizubringen? Oder Sie möchten ihr Sprachenlernen mit (gebrauchten) Computern und Lernsoftware oder mit Unterrichtsmaterialien unterstützen? Dann wenden Sie sich an Aja Gratz beim Migrationsdienst der Caritas Biberach, Telefon 07351/5005-134.

 


In ihrer Heimat wäre ein Schulbesuch für diese Afghaninnen kaum eine Selbstverständlichkeit.
Moderne interaktive Sprachkurse machen das Sprachenlernen im Selbststudium leicht möglich. Aber die Voraussetzuungen dafür, einen Computer und den entsprechenden Sprachkurs gibt es im Heim nur in einem Zimmer.

Ein systematisches Arbeiten ist da kaum möglich.
Die TeilnehmerInnen erscheinen unregelmäßig und Geld für Deutschbücher ist nicht vorhanden.
Seit etwa einem halben Jahr unterrichtet eine Biberacherin in dem Heim dreimal in der Woche eine Stunde. Das ist ehrenamtlich viel, für die LernerInnen wenig, aber immerhin ein kleines Steinchen auf dem Weg zur Integration.

Die Behörden halten sich an die Vorgaben und die sehen Deutschklurse nicht vor, obwohl klar ist, dass die meisten derjenigen, die es geschafft haben, nach Deutschland zu kommen, bleiben werden. Wenn man sie jetzt nicht fördert, schafft man sich Probleme für die Zukunft selber.

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Teil 1 der Weberberg.de-Serie

Teil 2 der Weberberg.de-Serie über Flüchtlinge in Biberach

Teil 4 der Serie über Flüchtlinge in Biberach

Teil 5 der Serie über Flüchtlinge in Biberach

Teil 6 der Serie über Flüchtlinge in Biberach

Teil 7 der Serie über Flüchtlinge in Biberach

Teil 8 der Serie über Flüchtlinge in Biberach

Teil 9 der Serie über Flüchtlinge in Biberach