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Verleihung
des Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreises an Anke Caroline
Burger in Biberach/Riß am 19. September 2003
Laudatio
von Dr. Gerd Burger
(Übersetzer, Regensburg) und Dankesrede von Anke Caroline
Burger
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Der Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis
(Stiftungsjahr 1979), wird alle zwei Jahre verliehen. Ausgezeichnet
wird eine herausragende Literaturübersetzung ins Deutsche, wobei die
Literaturgattungen wechseln. Er ist dotiert mit 12.000 Euro.
Anke Caroline Burger, Jahrgang 1964, studierte Amerikanistik und Filmtheorie
in Berlin und Texas. Nach sieben Jahren in San Francisco lebt sie
jetzt in Berlin-Kreuzberg.
Hier
die Laudatio von Dr. Gerd Burger und die Dankesrede von Anke Caroline
Burger
Laudatio
auf Anke Caroline Burger anläßlich der Verleihung des Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreises
Über
Hahnenkampf, "junglee girls", Kriminaltangos, Seilfähren und
andere Facetten der Gesamtmerkwürdigkeit, Literaturübersetzer(in)
zu sein
Begrüßung
des Publikums & der Honoratioren
Liebe
Anke Burger, liebe Burgers, die Älteren, sehr geehrte Frau Gschwend,
Frau Dr. Bernhard, Herr Minister, Herr Oberbürgermeister, Frau
Engelhard, Frau Ottenbacher, Herr Dr. Biege, liebe Übersetzerkollegen,
hochgeschätztes Publikum,
lassen
Sie sich alle herzlich begrüßen.
Richtigstellung
der Vetternwirtschaft
Bevor
ich zur Sache, sprich zur Lobrede auf Anke Caroline Burger komme,
will ich allen etwaig vorhandenen Mutmaßungen, bei so verdächtiger
Häufung von Burgers auf dem Programmzettel gehe es um Vetternwirtschaft
oder um gar noch engeres Verbandeltsein, sogleich den Wind aus den
Segeln nehmen.
nein,
Anke Burger hie, und ich, Gerd Burger da, sind weder miteinander verwandt
noch miteinander verschwägert noch Ehegesponse oder Schwippschwager
dritten Grades, nein, wir sind Namensvettern (ich der Vetter, sie
die Cousine, "das Basel" halt), weiter nichts.
Allerdings
verbindet uns neben der Gemeinsamkeit, daß wir beide als Übersetzer
englischsprachiger Literatur arbeiten, die im Zusammenhang des heutigen
Abends schwerwiegende Behauptung Anke Burgers, ausgerechnet ICH sei
es gewesen, der sie auf diesen Berufsweg gebracht habe.
und ob
ich diesen Schritt ins gesamtmerkwürdige Übersetzerleben
(so er denn wahrhaftig mit mir zu tun haben sollte) gutheißen
kann oder nicht doch wehmütig den Kopf wiegen muß, das
mögen Sie nach dem Ende meiner Abschweifungen entscheiden.
Da wir
Übersetzer anders als die Dolmetscher Leute des geschriebenen
Worts sind, bitte ich Sie, mir nachzusehen, daß ich mich weitgehend
an mein Manuskript halte - es ist alles andere als kurz, aber immer
wieder mal kurzweilig, hoffe ich.
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Stichwort Gesamtmerkwürdigkeit
Daß
Anke Burger und ich Namensvettern sind, es überdies in Biberach,
wie ich vorhin im Café einer Stadtansicht um 1730 entnahm,
einst einen Burger-Turm in seiner Stadtmauer hatte, diese Koinzidenz
diene mir sogleich als Überleitung zur großen These meiner
kleinen Ansprache, nämlich der Behauptung, das Leben & Arbeiten
als Literaturübersetzer bzw. Literaturübersetzerin lasse
sich am besten unter dem Resümee der Gesamtmerkwürdigkeit
fassen.
Dieses
meiner Ansicht nach ebenso erhellende wie auf Anhieb einleuchtende
Konzept von der Gesamtmerkwürdigkeit des (eigenen & auch
fremden) Lebens habe ich mir bei Wilhelm Genazino geborgt.
In einem
Interview mit Genazino nach seinem Erfolg mit dem Roman "Ein Regenschirm
für diesen Tag" finden sich ein paar Sätze, die meiner Ansicht
nach vortrefflich zum Auftakt meiner Lobrede auf Anke Burger passen
und sofort zeigen, welch hoffnungslos altmodisches und antizyklisches
Geschäft das literarische Übersetzen ist.
Denn
Genazino geißelt das derzeit grassierende Geifern nach Erfolg
& Medienpräsenz wie folgt:
"Alle
wollen gewinnen, alle reich sein, alle fast berühmt. Als wäre
man dann auch schon glücklich. Es ist mir rätselhaft, wie
eine derartige Gesamtstimmung über die Bevölkerung hat hereinbrechen
können. Heute wollen schon die Fünfjährigen ein Popstar
werden, und die Sechzigjährigen haben noch nicht die Idee aufgegeben,
ein Popstar werden zu können. Das schlägt derartig durch,
in allen Schichten und Ecken der Gesellschaft, daß man manchmal
meint, das gesamte Leben spiele sich in einem kollektiven Irrenhaus
ab."
Dem kann
man nur beistimmen, oder etwa nicht? Eines aber ist gewiß :
wer Übersetzer wird, der oder die kann getrost alle Aspirationen
fahren lasssen, irgendwann einmal groß als Popstar rauskommen
zu wollen. Übersetzer sind weithin unbekannte Werkler am Gesamtwortwerk,
die noch vor ein paar Jahren bestenfalls in kleiner Schrift auf der
Seite gleich nach dem Schmutztitel auftauchten, heute immerhin auf
dem Innentitel verzeichnet stehen. Soweit ich sehe, bringen es lediglich
zwei Übersetzer auf die Titelseite: Peter Handke und ein Brummbaß-Vortragsvirtuos
mit klangvollem Familiennamen. Haltaus, am Dienstag erfuhr ich aus
Elke Heidenreichs Buchverkaufskampagnensendung, daß der mare-Buchverlag
den Namen des Übersetzers auf die Titelseite rückt. Bei
Libri, KNÖ & im VLB-Register, den Listen also, in denen der
Buchhändler die lieferbaren Titel nachschlägt, jedoch sind
die Übersetzer bis heute nicht verzeichnet, obwohl diese Namensnennung
den einen oder anderen Kunden durchaus interessieren könnte.
Desto
mehr freue ich mich, daß Anke Burger heute abend im Rampenlicht
steht & überdies mit einem Scheck über einen nicht unerklecklichen
Geldbetrag nach Hause gehen darf, wenn sie aus dem grellen Rampenlicht
in ihr nur matt beleuchtetes Übersetzergehäus zurückkehrt.
Denn
bis auf den heutigen Tag ist es so, daß ein bitteres Wort von
Jean Paul auch bei Anke Burger und vielen anderen Literaturübersetzern
und ebenso bei vielen Autoren spontan auf zustimmendes Kopfnicken
stoßen dürfte:
"Dem
leiblichen Hunger der Schriftsteller verdankt das Publikum seine geistige
Sättigung."
Da ist
leider etwas Wahres dran.
Über
die nur miserabel zu nennenden Übersetzerhonorare hat unsereiner
in den letzten Jahren wieder und wieder gemurrt & auch lauthals
protestiert - geholfen hat's aber nicht.
Und was
das neue Urheberrecht bringen wird, bleibt abzuwarten.
Vorerst
jedenfalls muß ich an dieser unersprießlichen Stelle unbedingt
ein Fragezeichen machen hinsichtlich der Beantwortung der Frage, ob
Anke Burger weiland gut beraten war, als sie (mit oder ohne mein Zureden)
den Beschluß faßte, sich ausgerechnet auf die Übersetzerei
zu kaprizieren.
In Michael
Sailers wunderbarer Sprichwortsammlung "Die Weisheit auf der
Gasse" findet sich u.a. folgender weltweiser Spruch:
"Es führen
viel Wege nach Darbstädt und Mangelburg".
dies
ist kein schlechte Metapher, wenn man die Entscheidung der Preisträgerin
bedenkt, sich ihren Lebensunterhalt ausgerechnet mit literarischen
Übersetzungen verdienen zu wollen.
Hören
Sie sich an, was niemand andrer als Christoph Martin Wieland kurz
vor seinem Tod zur Warnung an seinen Sohn schrieb: "Mit Übersetzen
waren sonst ein paar Taler per Bogen zu verdienen, aber diese Innung
ist so fürchterlich übersetzt, daß die Arbeit das
Salz und den Lausewenzel nicht mehr abwirft, den diese Ehrenmänner,
um den Hunger dadurch abzutöten, rauchen müssen. Auf jede
neue Brochure, die in Frankreich und England herauskommt, warten 10
Übersetzer mit weitoffnen Mäulern; der Buchhändler,
dessen Profit bei dergleichen Sachen gewöhnlich auch sehr gering
ist, gibt das Buch dem wohlfeilsten Arbeiter, und dieser muß
sich zu Schanden abschächern, wenn er täglich soviel als
ein Holzhacker verdienen will." (Brief von 1802, zit. nach Wieland
Lesebuch, S. 296)
Heute
faßt Peter Rühmkorf die Nöte der Skribenten in passend
nachtschwarze Reime:
"Pechmarie
und Hungerholger
grüßen
als verratzter Part,
bis der
beinerne Verfolger
Schrift
und Wand zur Mülle karrt."
(aus:
"Letzte Mohikanerin")
Vermutlich
hat Karl Valentins Spritzbrunnenaufdreher seinerzeit alles zum leidigen
Thema Nötige gesagt, als ihn Liesl Karlstadt mit neugierig funkelnden
Knopfaugen fragt, ob man denn von dieser Arbeit leben könne:
"Leben
schon, aber wie. Man muß sich's halt einteilen!"
•
Zur Übersetzerei als Seilfährwesen
Damit
sei‘s genug der Rede vom schnöden Mammon, vulgo der Knete. Jetzt
möchte ich übergehen zur Übersetzerei als solcher und
zum Übersetzer als Wortmetz, um einen Begriff von Arno Schmitt
zu klauen, aus dem man die zur Schaffung genau wie zur Übersetzung
von Literatur unverzichtbare Handwerkskunst heraushört.
Vom großen
Verleger Samuel Fischer wird folgende Geschichte berichtet, die mir
ausnehmend gut gefällt.
Der Saga
zufolge kam nämlich eines Tages ein Unbekannter zu Fischer ins
Büro und sagte, er, der Unbekannte, könne Japanisch. Und
daher bot er an, für den Fischer-Verlag Romane aus dem Japanischen
zu übersetzen,woraufhin Fischer nur lakonisch geantwortet habe:
"So, so, Sie können also Japanisch, das finde ich ja sehr schön.
Aber können Sie auch Deutsch?"
Diese
berechtigte Frage führt mich zu dem Stichwort bzw. zu der Metapher
in meiner Rede, die m.E. bestens dazu taugt, den Kern unseres Geschäfts
anschaulich zu versinnbildlichen:
ich meine
die Seilfähre, die über den Sprachfluß führt
& wie jeder andere solide Fährbetrieb auch, führe er
über den Styx oder aber die Donau, ihren Obulus kostet.
Die Seilfähre
heißt ja recht eigentlich "Gierfähre", aber dieser Begriff
ist heutzutage nicht sonderlich geläufig und hätte Sie vermutlich
nur noch mehr verwundert, als es die kryptische Begriffslistung im
Titel meiner Laudatio möglicherweise ohnehin schon tut.
Greifen
wir zum Duden:
"Gierfähre;
die an einem Anker befestigte oder an einem über den Fluß
gespannten Seil geführte Fähre, die nur durch die Strömung
vorwärts geschoben wird."
Damit
sind wir schon mitten im Übersetzen, wenn wir diesen Vorgang
als ein Über-Setzen begreifen. Der Fährmann (Fährfrauen
gibt's im Duden nicht, nur Fährleute und Fährmänner;
ich kenne aber sehr wohl eine Fährfrau, nein, zwei sogar) setzt
einen bekanntlich über, und zwar von einem Ufer zum anderen.
Das ist nicht notwendigerweise ein ganz und gar fremdes Ufer - ich
spreche schließlich von einer Seilfähre, sprich von einem
Fluß -, aber es ist eben doch immer das andere, das ferne Ufer,
an das man kommen möchte und das ohne Fähre und Fährmann
nicht so leicht zu erreichen ist, es sei denn man hätte selber
ein Boot oder hechtet beherzt in die Wellen.
Dies
alles ist beim literarischen Übersetzen nicht anders - da hat
man {bzw. frau, wie's neuerlich so halbschön heißt, aber
zumindest hier & da in der einen oder anderen Form heißen
sollte; schon Wieland war vom Sprachgebrauch her wenig froh, als die
Demoisellen plötzlich Fräulein heißen sollten} ein
in einer fremden Sprache gedrucktes Buch vor sich liegen, das dann
ans andere Ufer gebracht, sprich in die Sprache der Buchkäufer
übersetzt werden soll, die in der Regel auch die Muttersprache
des Übersetzers ist - und zwar selbst dann, falls derjenige oder
diejenige diese Muttersprache womöglich vom Vater gelernt haben
sollte, der womöglich gar noch ein vaterlandsloser Geselle gewesen
ist. So oder so geht es um die Überfahrt von einer fremden Sprache
in die Sprache, in der der Buchkäufer das Buch lesen will.
Das klingt
simpel genug, ist es aber nicht.
Um es
mit einem weiteren Sprichwort aus Sailers probater Sprichwortsammlung
zu sagen:
"Es gehört
mehr zum Tanz als rothe Schuh."
Und nein,
auch zwei Lexika & ein Rechtschreib-Duden auf dem Schreibtisch
reichen nicht.
Was passiert
beim Über-Setzen?
Der Fährmann
stößt die Fähre vom sicheren Ufer ab und befestigt
das Seil so an der Fähre, daß sich der Bug, sprich die
Spitze der Fähre in die Strömung dreht. Und wenn der Fluß
genügend Wasser führt, die Strömung genügend stark
ist, wird die Fähre von ganz alleine ans andere Ufer gebracht.
Das funktioniert freilich nur, wenn erstens das Gierseil nicht reißt
und zweitens der Fluß genau richtig im Fluß ist, d.h.
nicht gar zu reißend bei Hochwasser stromab rauscht & umgekehrt
bei Niedrigwasser nicht allzu träge anschiebt. Wenn alles paßt,
wird wie von sanfter Hand geschoben mit Wellengegluckse über-gesetzt.
Im Prinzip
funktioniert unsere Arbeit des Übersetzens aus einer fremden
Sprache um keinen Deut anders. Auch wir haben es mit zwei Ufern zu
tun, am einen sitzt die Ausgangssprache, wie die sog. Übersetzungswissenschaft
sagt, am fernen Ufer dagegen lockt bzw. dräut die sog. Zielsprache
- mit anderem Wort die eigene Muttersprache. Die aber ist notorisch
unser eigen nicht, im Gegenteil gebärdet sie sich enervierend
eigen, ja eigenwillig, so widerspenstig wie widerborstig. Aber wir
haben nichts anderes zur Hand, die Sprache ist sowohl unser Gierseil
als auch der Fluß, in und auf dem wir übersetzen müssen.
Und sobald wir unseren zu übersetzenden Text aus dem sicheren
Fährhafen der fremden Sprache des Autors hinaus in die tückische
Strömung unseres leider alles anderen als leibeigenen Sprachflusses
gestakt haben, dann gilt's : hic Rhodos, hic salta, wie (um große
Kollegen zu nennen) Hieronymus weiland zu den Kollegen Wycliff &
Luther sprach, woraufhin diese mächtig das Wasser aufquirlten
und manches stolze Schiff ins Wanken brachten.
Ja, die
Muttersprache. Sprache ganz allgemein, ob nun vor oder nach der sog.
Rechtschreibreform. Eine vertrackte Angelegenheit.
Zumal,
wenn von Literatur die Rede ist.
Denn
deren beste & vielleicht einzige nicht zu bestreitende Definition
ist die des Linguisten Searle (oder war's Austin? ich hab's vergessen):
"Literature
is organized crime committed upon language."
Genau
so ist es. Literarische Sprache ist, sofern sie eine solche ist, per
definitionem grober Unfug, sprich vorsätzlicher Regelbruch -
letztlich eine einzige Zumutung für anständige Leute wie
Anke Burger und mich, auch wenn die vom Literaten in vollem oder zumindest
ansatzweisen Bewußtsein des Deviantentums vorgenommenen Entstellungen
& Wortverdrehungen & Satzklaubereien noch so subtil gemacht
sein mögen.
Wo der
Fährmann, wenn er Pech hat & das Gierseil reißt, mit
Widerkehren, gefährlichen Strudeln, stehenden Wellen, flotten
Schwallstrecken, unvermuteten Untiefen und sonstigen Zumutungen klarkommen
muß, stolpert der Übersetzer hastenichtgesehen über
vorsätzliche Verdrehungen und verfinkelte Verwerfungen, dreiste
Doppelbödigkeiten, ausgefuchste Anspielungen, rabiateste Regelwidrigkeiten
und sonstige fiese Fährnisse - kurzum:
kein
fester Boden unter den Planken, weder für die Fährleute
noch für literarische Übersetzer, kein sicherer Ort nirgends,
alles schwanket und rinnet & und fließet, panta rhei, wie
die altgriechische Fährmannsweisheit besagt.
All die
genannten Widrigkeiten will man aber tunlichst trockenen Fußes
bewältigen. Bei der Seilfähre muß man sich dabei auf
Gedeih & Verderb an den Fluß halten, den es zu überqueren
gilt & dem man sich anvertraut hat & anvertrauen muß,
es hilft alles nichts, so sehr die Fähre oder der Nachen bei
der Passage ins Wanken & Gieren kommen mag.
Aber
auch die Muttersprache ist permanent im Fluß, unser Gierseil
also verdammt elastisch - & beim Über-Setzen aus Fremden
in nur vermeintlich Eigenes tappt der Übersetzer leicht daneben,
zumal dann, wenn er oder sie sich allzu arglos an die "verderblichen
Ratschläge der zweisprachigen Wörterbücher hält",
wie Valery Larbaud uns Übersetzerkollegen in seinem Essay über
den hlg. Hieronymus warnt.
Ja doch,
Jandl trifft den Nagel auf den Kopf:
Manche
meinen,
lechts
& rinks kann man nicht velwechsern.
Werch
ein Illtum.
Erste
Fährmannsregel ist also für uns Übersetzer, daß
wir, kaum daß wir den festen Boden unter den Füßen
verlassen haben, mit Aug und Ohr & allem unserem Sprachgespür
sowie sämtlichen Kenntnissen und Halb- und Viertelkenntnissen
aus Literatur, Kino, Werbung, Alltagskultur & sonstigem Humbug,
die uns zu Gebote stehen, aufmerksam und vor allem hellhörig
die Textoberfläche ansehen bzw. geradezu abtasten, um zu sondieren,
was sich da in und zwischen den Worten alles an Verzerrungen, Anspielungen,
Echos & Ungereimtheiten herausschmecken bzw. immerhin erahnen
läßt.
Apropos
Ungereimtheiten - einen kurzen Sprung zurück zum polyglotten
Larbaud, der sehr viele Bücher übersetzt hat (u.a. Samuel
Butler, Chesterton, Coleridge, John Conrad, auch die Übersetzung
von Joyces "Ulysses" ins Französische angestoßen
hat u.a.m.), gleich noch mehr Reisen unternommen hat und etliche eigene
Werke verfaßte, nicht zuletzt sein "Tagebuch eines Milliardärs"
- ja, Larbaud hatte die beste Antwort aufs karge Salär des Übersetzers
gefunden: er entstammte der Mineralwasserdynastie, die der Welt das
Vichy-Wasser in die Flaschen füllte und damit eine vorbildlich
umweltverträgliche Variante der Plusmacherei betrieb.
Das wäre
vielleicht eine prima Idee für einen Übersetzerfonds, die
ich dem Herrn Minister für die nächste Kabinettssitzung
mit auf den Weg geben möchte: daß eine neu anzubohrende
Mineralwasserquelle ihre Gewinne in einen Fonds sprudelt, aus dem
dann literarische Übersetzungen zusätzlich alimentiert werden,
auf daß künftig auch noch der geistige Durst des Publikums
gestillt werde, dafür die leidige Diäthalterei der Autoren
& Übersetzer ebenfalls ein Ende habe.
Ebenfalls
ein Ende mit der Metapher von der Seilfähre und des Über-Setzens
an fremde Textgestade. Natürlich gibt es auch noch andere Bilder,
von denen Ragni Maria Gschwend dankenswerterweise etliche in ihrem
fürs Thema nachdrücklich zu empfehlenden Buch "Der
schiefe Turm von Babel" versammelt hat: Rilke z.B. vergleicht
die Übersetzerei mit "Alchimie, Goldmacherei aus fremden
Elementen"; Erik Orsenna wiederum vergleicht sie mit der Seeräuberei.
(p. 215/216)
"Worin
besteht die Arbeit des Seeräubers? Wenn ein fremdes Schiff ihm
gefällt, entert er es und durchsucht es. Er wirft die Besatzung
ins Meer und ersetzt sie durch Freunde. Dann hißt er auf dem
höchsten Mast die Nationalflagge. Der Übersetzer tut das
gleiche. Er kapert ein Buch, wechselt die gesamte Sprache aus und
tauft es <bei Orsenna> französisch. Haben Sie nie gedacht,
daß die Bücher Schiffe sind und die Wörter ihre Besatzung?"
Eine
einzige, aber m.E. wichtige Abrundung möchte ich meiner Metapher
von der Seilfähre und dem Fährmannswesen noch hinzufügen,
und zwar eine kleine Offenbarung, die ich bei Yoko Tawada gelesen
habe und sofort aus vollem Übersetzerherzen nachvollziehen konnte
– Tawada, eine Japanerin, die seit knapp zwanzig Jahren in Hamburg
lebt & ihre Bücher als Frau, die Samuel Fischer gefallen
hätte, teils auf japanisch, teils (glaube ich) auf deutsch schreibt,
meist aber in deutscher Übersetzung aus dem Japanischen veröffentlicht,
schrieb in einer ihrer Tübinger Poetik-Vorlesungen folgende nicht
nur fernöstliche Weisheit nieder:
"Wer
mit einer fremden Zunge spricht, ist ein Ornithologe und ein Vogel
in einer Person." [Tawada, "Verwandlungen", Essay:
Schrift einer Schildkröte oder das Problem der Übersetzung,
p. 22]
Jawoll
ja. "Bei dem (bzw. der) piept's ja" – auch das ist eine
vielsagende Metapher, die fürs Übersetzerdasein paßt;
wer das Zwitschern & Tirilieren im Text und das Trapsen der Nachtigall
zwischen den Wörtern nicht hört und es, wo schon nicht reproduzierbar,
zumindest & immerhin irgendwie & irgendwo nach seiner ureigenen
Manier anklingen lassen kann, der oder die sollte besser die Finger
von der Übersetzerei lassen.
Ein eigen
Ding, die Übersetzerei. Nichts für linear denkende Leute.
Ein letztes
Mal zurück zu Larbaud – der wollte seiner Schrift über Hieronymus,
den Schutzpatron der Übersetzer, ursprünglich folgenden
klangvollen Titel geben: Von der hohen Würde des Übersetzers
in der Republik des Geistes. Das aber klang ihm allzu verdächtig
nach einer bekannten Predigt Bossuets "über die hohe Würde
der Armen in der Kirche", weshalb Larbaud den Titel verwarf &
nur konstatierte: "Der Übersetzer wird verkannt. Er sitzt
auf dem letzten Platz; er lebt sozusagen nur von Almosen. Er begnügt
sich mit den geringsten Verrichtungen, den bescheidensten Rollen.
‚Dienen‘ ist sein Wahlspruch, und er verlangt nichts für sich
selbst, setzt vielmehr seinen ganzen Stolz darein, den Meistern, die
er sich erwählte, treu zu sein, treu bis zur Verleugnung seiner
eigenen geistigen Persönlichkeit."
Zum Trost
für die jetzt ganz geknickt dreinsehende Preisträgerin schiebe
ich flugs einen Haiku von Jens Hagen ein:
"Was
für ein Leben:
Jeden
Tag Abenteuer
Am Rand
der Wörter."
Es stimmt
schon: Das Leben als Übersetzer/in beschert einem täglich
neue Abenteuer. Und es kann verdammt viel Spaß machen, einem
echte Befriedigung verschaffen, wenn es gelingt, "mit Grazie und Serenität
einen kräftigen und fruchtbaren Gedanken auszudrücken".
Dasselbe gilt, wenn es einem bspw. gelingt, wie es Anke Burger mit
Bravour gelang, den (um den Herausgeber zu zitieren) "in gleich
vier Englischs hundsgemein hingerotzten" Ton von Helen Zahavis
feministischer Rachephantasie in "Donna und der Fettsack"
so ins Deutsche zu bringen, daß der ruppige Ursprungsgestus
bewahrt bleibt –
in diesen
Momenten macht Übersetzen wirklich Freude; solch helle Freude
sogar, daß ein feinfühliger Mensch wie Peter Handke prompt
ans Sterben denkt.
Denn
was schreibt Handke übers Übersetzen?
"Immer
noch genügt das eine richtige Wort, und aus meinem schleppenden
Gang wird, bei all meinem Alter, ein Laufen! (…) Am Schreibtisch sterben,
das möchte ich erst, seit ich Übersetzer bin." (aus: Nachmittag
eines Schriftstellers, zit. nach Ragni Maria Gschwend, Der schiefe
Turm von Babel, S. 128)
Nun,
wir wollen hoffen, daß Preisträgerin & Laudator &
alle übrigen Übersetzer hier im Raum noch recht lange froh
und munter weiterleben.
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Stichwort: Kriminaltango
Andererseits
hätten wir, wenn es denn nach Handkes Worten kommen sollte, eine
Leiche. Und die brauchen wir dringend, wenn ich jetzt zum Kriminaltango
bitte.
Denn
Anke Burger bekommt den Christoph-Martin-Wieland-Preis für ihre
Übersetzung von William Marshalls Roman "Manila Bay" verliehen,
sprich für die Übersetzung eines Kriminalromans – das verwundert,
oder etwa nicht?
Immerhin
fahren wir auch in Biberach an der Riß weiter durch Deutschland,
welchselbiges notorisch das Land der Dichter & Denker ist &
nicht etwa das eines Nero Wolfe & Archie Goodwin & einer Victoria
Warshawski, ebensowenig das Land eines Hercule Poirot oder Pater Brown
oder einer Miss Marple. Nein, hier ist nicht die Heimat eines Aurelio
Zen, eines Commissario Brunetti oder Comissario Montalban, auch nicht
der "home turf" von Easy Rawlins oder Joe Leaphorn.
Mir kommt
das mit Verlaub "gesamtmerkwürdig" vor:
ausgerechnet
dem Kriminalroman als einem idealtypisch jugendgefährdenden Wechselbalg,
welcher der grundanständigen Schriftstellerei nach der hehren
Maxime des "delectare et prodesse" (Betonung auf "prodesse",
versteht sich!) vom fiesen Duo Schmutz und Schund in perfide subversiver
Absicht untergeschoben ward, ausgerechnet dem Krimi also literarischen
Lorbeer aufzusetzen! Was, bitteschön, hätte der wackere
Biberacher Christoph Martin Wieland dazu gesagt, der als erster Shakespeare
ins Deutsche übersetzte, immerhin 22 Bände in nur 4 Jahren,
später sogar ausschließlich zu einhundertprozentig echten
Klassikern wie Aristophanes, Euripides, Xenophon, Lukian & Cicero
griff, die er ins Teutsche brachte?
Ich für
mein Teil werde Ihnen, weil ich als ex-reichsstädtisch regensburgerischer
Abderit Wielands nur posthum zu erlangende & ohnehin aus dem mir
unvertrauten Scheschianischen zu übersetzende Antwort nicht weiß,
vorlesen, was 1951 ein wackerer "Volksbibliothekar" namens Otto Eckert
zu diesem Thema zu sagen wußte:
"Der
Kriminalroman als Gattung kann heute als eine ausgesprochene Lektüre
der Massen angesehen werden. (weil) der gehetzte, von Sorgen bedrängte
& mit Arbeit überlastete Mensch, vor allem der Großstädter,
der in der Regel die natürlichen Bindungen zu den tiefen und
innerlichen Werten des Lebens nur selten verspürt, nach einer
Entspannung verlangt, die ihn den Alltag vergessen läßt.
Durch die Flut der Kriminalromane wird das Amoralische & das Verbrechen
bagatellisiert. Sie erhalten dabei den Anschein, als seien sie eine
Normalität der Menschheitgeschichte unserer Zeit. Eine solche
gefährliche Entwicklung erfährt auch keine Änderung
durch die Richtlinien zur Selbstkontrolle, welche sich neuerdings
die österreichischen Kriminalverleger gegeben haben, und in den
es heißt, daß in jedem Roman nur ein Mord & keine
besonderen Grausamkeiten vorkommen dürfen, und daß am Schluß
des Buches der Sieg des Guten zu stehen hat." (p. 92 + 93 von
Nina Schindlers "Das Mordsbuch; Alles über Krimis",
Büchergilde Gutenberg)
Solche
Vorbehalte sind mittlerweile außer Mode gekommen [was ich nicht
immer begrüße, wenn ich so manches Plakat besehen &
das erzdumme Gelaber in den Dudelsendern erdulden muß, ob ich
nun will oder nicht], trotzdem gelten Spaß & Unterhaltung
hierzulande, im Land der strikten Scheidung von E & U (sprich
erhabener Ernst vs. unflätige Unterhaltung) unverändert
wenig, obwohl Büchner schon vor Jahr und Tag in "Leonce
und Lena" in gebührend unterhaltsamem Ernste ein für
allemal das Passende gesagt hat:
"Und
dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Maccaroni, Melonen
und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber, eine kommode
Religion und spannende Kriminalromane."
Sehen
wir uns also "Manila Bay" an, den Krimi von William Marshall,
den Anke Burger vorbildlich elegant ins Deutsche gebracht hat:
das ist
ein spannender Roman, der auf vier, fünf Erzählebenen gleichzeitig
erzählt wird, in mancher Hinsicht ein klassischer Großstadtroman
nach der Manier eines Döblin & John Dos Passos, komisch &
tragisch zugleich, grotesk und surreal, aber auch immer wieder romantisch
eingefärbt & konterkariert.
Ich kann
den Roman allen, die ihn nicht kennen, nur zur Lektüre empfehlen,
deshalb darf & will ich hier nicht zuviel verraten, was dann die
Spannung beim Lesen schmälern könnte.
Es mag
genügen, wenn ich sage, daß es auf der ersten Erzählebene
um die Philosophie & auch um die vielen kleinen Details des Hahnenkampfes
geht, der auf den Philippinen anders und doch wieder genau wie hierzulande
nicht nur zur Wahlkampfzeit Hochkonjunktur hat. Beim Hahnenkampf handelt
sich um einen höchst populären, weil das eigene Sein &
eben drum die eigene Weltsicht bestätigenden Zeitvertreib, bei
dem in Manila & andernorts viel Geld von der einen Hand in andere
Hände wechselt.
Ein zweiter
Erzählstrang führt dem Leser die Philippinen als eine multiethnische
& multikulturelle Gesellschaft vor Augen; dieses Thema spinnt
sich als durchgängiger Subtext durch den Text einer der Detektive
ist Nachkomme eines Kopfjägerstamms, was von keinem seiner Kollegen
vergessen wird, auch wenn der Kopfjäger h.c. selbstredend die
Missionsschule besucht & in Harvard studiert hat & seine Stammeskollegen
heute, wie er verzweifelt ausruft, allesamt Kreditkarten in der Tasche
tragen.
Marshalls
Dialoge strotzen denn auch nur so vor Mißverständnissen,
die aufgrund unterschiedlicher Sprachen & Sprechweisen entstehen:
"Bontoc
sagte: ‚Was?" Er war, wie alle Kopfjäger des Bontoc-Stamms
von der Nordinsel Luzon, von amerikanischen, protestantischen Missionaren
erzogen worden & verstand nur rudimentäres Kopfjägerisch
& bestes Englisch mit Minnesota-Aussprache. Filipino, wie es in
Manila verbrochen wurde, war ihm ein völliges Rätsel. /
Der Gärtner sprach wie alle Filipinos aus Manila bestes Englisch
mit einem so dicken spanischen Akzent, dass man es mit dem Hackebeil
schneiden konnte." (pp. 17)
Oder
ein dritter Kriminaler:
"Er
war ein Filipino rein japanischer Abstammung, der sein Leben damit
zubrachte, möglichst philippinisch auszusehen. Es war ein hoffnungsloses
Unterfangen. (…) Er sprach Filipino. Es klang wie Japanisch. Er sah
das im Blick des Sentenciador." (p. 33-34)
Überhaupt
bekommt man, das ist seit jeher eine unbestrittene Stärke des
Kriminalromans, eine Menge "local color" mit, was nach der
Lesart nicht nur der nordamerikanischen Literaturgeschichte ja weit
mehr als bloßes Lokalkolorit bedeutet, sondern für Realismus
insgesamt steht, also immer schon mit politischer Information und
Parteilichkeit einiges am Hut hat.
So erfährt
man in "Manila Bay" bspw. von Esmeraldas Sari-Sari-Shop,
der auf "tingi" – auf Stückverkauf – basiert.
Ich zitiere
aus Anke Burgers Übersetzung:
"In
Esmeraldas Laden, eher einer Verkaufsbude, konnte man alles einzeln
kaufen, von Gewürznelken & Einzelblättern Schreibpapier
über zerrissene Comichefte ohne Einband zu falls ein Kind zu
plötzlichem Reichtum gelangt war, abgebrochenen Rippen von Schokoriegeln
oder, falls der plötzliche Reichtum nicht so groß war,
einzelnen M&M-Schoko-Erdnüssen oder einer Toffeetafel, die
in fünfzig kleine Würfel unterteilt war. Esmeralda verkaufte
die Plastiktüten, die reiche Leute im Laden bekamen & dann
in den Müll warfen. Sie waren dekorativ an der Rückwand
des Ladens ausgestellt, geglättet, gebügelt und gewaschen
und an den Henkeln oder wo es sonst nötig war, sorgfältig
repariert. Hinter ihnen hingen aus Zeitschriften ausgeschnittene Bilder
mit Häusern und Waschmaschinen und Waschpulverkartons darauf,
von schnellen Wagen, Weibern und Wohlstand: all dem, was man nie haben
würde, wenn man in Tondo wohnte.
Sie verkaufte
Bilder von Waschmaschinen.
Sie verkaufte
Bilder von Autos.
Sie verkaufte
Bilder von Häusern.
Sie verkaufte
Bilder von all den Bildern, die sie auf den Bildschirmen von Fernsehern
in Läden gesehen hatten und niemals auf dieser Seite der Scheibe
oder des Bildschirms besitzen würden. Sie verkaufte etwas, das
sie in der Hand halten konnten. Sie verkaufte Hoffnung. In Tondo gab
es keine Hoffnung." (p. 170-3)
Soviel
zum Thema Lokalkolorit.
Nur ein
Streiflicht noch auf die Folie von Schmutz & Schund, die sich
bei näherem Hinsehen als exzellentes Vehikel für angewandte
Aufklärung entpuppt:
"Elizalde
[ein Kriminaler] lief immer noch auf & ab & sagte:
"Die
Gesamtzahl der Menschen, die zwischen 1975 und 1980 auf dem Seeweg
aus Vietnam zu fliehen versuchten, war über dreihundertausend.
Gott allein weiß, wie viele versuchten, hierher zu kommen, doch
bisher haben nicht mehr als zehntausend lebendig das Ufer erreicht.
Alle anderen sind entweder ertrunken oder wurden von Piraten umgebracht!
Ich habe sie gehört. Ich habe die Kinder & die Schüsse
& die Schreie gehört. Die Piraten entdeckten sie auf dem
Radarschirm ihrer warmen, gemütlichen Brücke sie sahen die
aneinandergeklammerten menschlichen Lumpenbündel sahen tote,
verhungerte alte Männer und Frauen, Kinder mit Skorbut &
Krätze & Tod im Gesicht und sie mähten sie mit dem Maschinengewehr
nieder, töteten sie, vergewaltigten sie, raubten sie aus &
versenkten das Boot an Ort und Stelle, sodass keine Spur übrig
blieb, sodass diese Tode unverzeichnet und unbekannt blieben"
(p. 234-5)
"Dort
draußen in der Dunkelheit, nach der Eroberung Vietnams, hatten
die Piraten das Südchinesische Meer in ein Auschwitz auf den
Wassern verwandelt." (p. 230)
Ja: nicht
zuletzt aus Übersetzungen von Schmutz & Schund erfährt
man allerlei Neues über die Welt. Und beileibe nicht alles an
fremden Ufern ist schöner oder auch nur um einen Deut anders
als am heimatlichen Gestade.
Zum Resümee
meiner kurzen Vorstellung von Marshalls Buch will ich Thomas Wörtche,
den Herausgeber der Reihe, in dem der Roman erschienen ist, das Wort
geben:
"Ein
Klassiker ist Manila Bay aber auch, weil hinter dem ganzen gebündelten
Irrsinn, hinter einbeinigen Kampfhähnen, Stinkbomben & Kopfjägern
mit Plastikbeilchen, & hinter der rasend schnell geschnittenen
Erzählhaltung aus äußerem und innerem Mono-, Dia-
und Polylog etwas sehr Seltenes lauert: ein ganz & gar klassischer
Kriminalroman, in dem Helden Verbrechen aufklären & in dessen
literarischer Verwebung alles auf dieses eine Ende hin angelegt ist.
Marshall ist klassischer, als Agatha Christie es je war." (so
Thomas Wörtche in seinem Nachwort, p. 285.)
Zum stereotypen
Vorwurf seichter Unterhaltung ist bereits alles gesagt, was zu sagen
ist, außerdem soll niemand vergessen, daß der Namensgeber
des an Anke Burger verliehenen Preises, Wieland selbst, DER Wegbereiter
der deutschen Klassik, den Stürmern & Drängern als nichts
weiter denn als Unterhaltungsschriftsteller galt.
Aus diesem
Urteil schimmert indes fatal viel Abdera heraus - dies, wie Sie als
Biberacher wissen, Wielands Metapher für seine bornierten Zeitgenossen,
die ihm oft genug Anlaß gaben zu satirischen Ausfällen
gegen die Abderiten als "eine idealisierte Komposition der Albernheiten
& Narrheiten des ganzen Menschengeschlechts". Was Wieland darüber
zu Papier brachte, war entsprechend seines Mottos "Ergetzen ist
der Musen erste Pflicht" eine ebenso unverbrämt wie amüsant
zu lesende Kritik, entstanden "in einer Stunde des Unmuths, wie ich
von meinem Mansardenfenster herab die ganze Welt voll Koth und Unrath
erblickte & mich an ihr zu rächen entschloß", wie Wieland
in Briefen an Freunde schrieb.
•
Stichwort "junglee girl"
"Eine
ganze Welt voll Koth und Unrath" - das gibt mir eine hübsche
Überleitung zum Stichwort "junglee girl".
Denn
wenn jemand es schafft, den rüden Ton des schon erwähnten
Romans "Donna und der Fettsack" so gut beizubehalten, wie
es der Preisträgerin gelungen ist, so überzeugend nämlich,
daß sich mir bei der Lektüre quasi mehrfach die jetzt an
meinem Kragen zu sehende, damals freilich noch im Schrank hängende
Krawatte aufgerollt hat, um das überzeugend hinzukriegen, dazu
braucht es ohne Frage einen Schuß "junglee girl".
"Junglee
Girl", um sich der Begriffsklärung zu nähern, ist der
Titel des Erstlingsromans einer jungen Frau namens Ginu Kamani, die
in Indien geboren wurde & somit einerseits Inderin bzw. genauer
gesagt Gudscharati ist & bleibt & ergo bis heute im wahrsten
Sinne des Wortes, wie sie schreibt, "unter Indern" lebt,
selbst wenn sie seit ihrem zehnten Lebensjahr in San Francisco heimisch
ist & sich als bekennende Feministin versteht, dieses schöne
& aus dort dem Berichteten & selbstredend fiktional Überhöhten
nur allzu verständlich unüberhörbar frauenbewegte Buch
wurde von Anke Burger übersetzt. Außerdem wurde der Roman
von Anke Burger, was gleich noch löblicher ist, lange Zeit wie
Sauerbier diversen deutschen Großverlagen zur Veröffentlichung
angetragen, bis zuletzt der Scherz-Imprint Fretz & Wasmuth Interesse
an dem Buch äußerte.
"Junglee",
um den Begriff endlich zu klären, heißt laut dem am Ende
von Kamanis Romans beigefügten Glossar "aus dem Dschungel
kommend, wild" – ja doch, ich glaube, daß meine Namenscousine
Anke Caroline Burger etwas von einem "junglee girl" an sich
haben muß, wenn sie, wie sie es hat, ausgerechnet brotlose Künste
wie Amerikanistik & Filmtheorie ausgerechnet in Berlin und Texas
studiert hat & dann ausgerechnet mit den Schwerpunkten Frauenliteratur
und amerikanische Minderheitenliteratur & Kriminalroman als Übersetzerin
zu arbeiten begann & obendrein einem jungen Amerikaner, der ausgerechnet
Videokünstler ist, Kopf und Herz zu verdrehen verstand, mit dem
sie dann 7 Jahre in San Francisco gelebt hat, ausgerechnet jener Stadt
mit so notorisch kunterbuntem Stadtleben, daß sie nicht ohne
gute Gründe in den Straßentheaterstücken der San Francisco
Mime Troupe "Gomorrha by the Bay" heißt – & dies
ausgerechnet in einem Land, das ansonsten bis auf den heutigen Tag
in vielen Facetten frappant puritanisch & voraufklärerisch
gestrickt ist.
Ja doch,
Anke Burger ist definitiv ein "junglee girl", das jetzt
seit 1 Jahr wieder im Dschungel der Bundeshauptstadt Berlin lebt &
sehen muß, was ihr die Trommeln der Großstadt nach Kreuzberg
in die Übersetzerklause wummern.
•
Zur Reihe UT metro
Damit
endlich zum Schluß vons Janze. Last, freilich nicht unbedingt
least, ein paar lobende Worte noch zur Reihe "UT metro",
in der Marshalls Roman "Manila Bay" erschienen ist.
UT Metro
- das ist eine Reihe, die sich mit Genuß & Chuzpe zu Schmutz
& Schund bekennt & ohne Wenn & Aber Spannungsliteratur
& nichts mehr & aber auch nichts weniger präsentieren
will - so diese Spannungsliteratur nämlich spannende & gute
Literatur ist & dem Leser Weltliteratur in der wahrsten Bedeutung
des Wortes nahebringt.
Um Thomas
Wörtche, den Herausgeber der Reihe, selbst zu Wort kommen zu
lassen: "Wir nehmen die Internationalität wirklich ernst.
Bei uns gibt es Bücher aus Bangkok & Kamerun, aus Hongkong
& Buenos Aires, aus London & Marseilles, aus Manila, Istanbul
& so weiter & so weiter. Und zwar von Leuten, die vor Ort
gelebt haben, dort leben oder dort geboren sind & nicht ihren
Kommissar mal schnell auf Urlaub unter Palmen schicken."
Das ist
das eine. Das erste Lobenswerte. Das zweite ist die Tatsache, daß
die Reihe beim Unionsverlag heimisch ist, der seit 1975 aus dem Verlagsort
Zürich operierend die sog. Weltliteratur verlegt - ich nenne
nur Autoren wie Yasar Kemal, Nagib Machfus, Tschingis Aitmatow, Mulk
Raj Anand, um anzudeuten, was die Welt neben ehrenwerten Leuten wie
Philip Roth & Donna Leon & Elfriede Jelinek & Thomas Bernhard
& Martin Walser noch so alles zu bieten hat. Eine ganze Menge
nämlich.
Das dritte
ist, daß die Fremde für sich genommen noch lange nicht
wirklich Anderes garantiert. Und daß UT metro daher zu Recht
auf einem Zweiklang beharrt: auf Spannung und auf literarischem Niveau.
Lassen wir wiederum den Herausgeber der Reihe sagen, wie umfassend
und wie bunt er sich die Sache denkt: "Kriminal- & andere
Spannungsliteratur ist ästhetisch & formal so vielfältig
geworden, daß eine abgeschottete Reihe ein Korsett bedeuten
würde. Und ich bin klaustrophob. Ein gutes Buch nicht machen
zu können, nur weil es mit einer Definition kollidiert, das ist
ein Alptraum."
Der Schweizer
Verleger sekundiert: "Wir haben aus UT metro alles eliminiert,
was die Bücher & die Leser eingeengt & abgeschottet hätte.
Kein Ghetto, sondern ein Spielfeld & Tummelplatz. Hier gibt es
keinen starren Fahrplan & keine Schmalspurführung. Metro
ist ein Streckennetz. Wo umgestiegen wird, herrscht Leben." <
beide Zitate aus Schweizer Buchhandel, 3/2000>
Das Ergebnis
dieses Ansatzes ist jedenfalls, daß für die Autoren dieser
Reihe "esprit" in der Tat kein Fremdwort ist (um Gisbert
Haefs kecke Rede wider den fehlenden "esprit" und den von
daher angeblich unvermeidlichen Bierernst der deutschen Kriminalliteratur
zu zitieren & zu hinterfragen, weil ich Haefs Absage an den auch
hierzulande sehr wohl zu empfangenden Götterfunken beflügelter
Inspiration keinen rechten Glauben nie nicht schenke). Nein, als Leser
von UT metro-Bänden wird man von Autoren wie Mongo Beti oder
Jean-Claude Izzo oder Walter Mosley oder Jerome Charyn oder Pablo
de Santis oder eben William Marshall blendend unterhalten. Damit aber
nicht genug: nach der Lektüre von SOLCHEM Genreschund & Genreschmutz
weiß der Leser unvermeidlich mehr über die Welt & ihre
Bewohner als zuvor.
Flugs
zum Ausklang meiner Laudatio, damit Sie sich jetzt alle endlich auf
die bestimmt viel kürzere Rede der Preisträgerin und aufs
anschließende Büffet freuen können:
Daß
UT metro dem Übersetzer bzw. der Übersetzerin am Schluß
des Buches eine paar eigene Zeilen widmet – das ist mehr als nur eine
freundliche Geste, sondern zeigt, daß man auf die Qualität
der Übersetzung Wert legt & das Seine dafür tut. Und
daß man weiß, daß der Übersetzer nicht nur
vom Brot alleine lebt.
Aus eben
diesem Grunde sei jetzt zum gestischen Abschluß meiner Laudatio
auf die Preisträgerin ein tiefer Bückling vor Anke Caroline
Burger gemacht, die mit viel Sprachgefühl & Handwerkskunst
die genannten Fährnisse des Fährleutewesens gemeistert &
allen Lesern von "Manila Bay" trefflich eins gesungen &
gezwitschert hat & auch sonst stets den rechten Ton zu treffen
weiß, selbst falls dieser im O-Ton noch so fies & mißtönend
ausfällt. Es freut mich ungemein, daß Anke hier & heute
die Früchte ihrer Arbeit ernten kann & damit sich & uns
einen schönen Abend ermöglicht hat.
Herzlichen
Dank, Anke Burger, aber ebenso vielen Dank dem Land Baden-Württemberg
und dem Freundeskreis zur internationalen Förderung literarischer
& wissenschaftlicher Übersetzungen, die das Preisgeld stiften
bzw. nach kundigem Juryvotum vergeben, ebenfalls herzlichen Dank an
die Stadt Biberach & ihr Kulturamt, die dem Übersetzerpreis
im Gedenken an Christoph Martin Wieland einen so festlichen und gastlichen
Rahmen geben.
*
* *
Dankesrede
von Anke Caroline Burger:
Sehr
geehrter Herr Minister Frankenberg, sehr geehrte Frau Vorsitzende
Gschwend, meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich danke
Ihnen für die Verleihung dieses wunderbaren Preises, des Christoph-Martin-Wieland-Preises.
Es ist eine große Freude für mich, diesen Preis entgegennehmen
zu dürfen. Ich danke Gerd Burger für seine schöne Rede,
in der er eigentlich schon alles Wesentliche gesagt hat, ich werde
mich also kurz fassen.
Ich fühle
mich sehr geehrt, gehe jedoch davon aus, dass die Ehrung nicht nur
der Übersetzung, sondern besonders auch dem Buch "Manila
Bay" des Australiers William Marshall und der genialen Reihe
Metro des Unionsverlages Zürich gilt, der sich um die Weltliteratur
sehr verdient gemacht hat.
Dieser
Preis ist eine dankbar angenommene Anerkennung und ganz handfeste
finanzielle Unterstützung für eine wunderschöne, rein
wirtschaftlich allerdings nicht sehr lukrative Tätigkeit, denn
das Übersetzen von Literatur ist ein sehr schöner Beruf!
Wer sonst
kann all seine Zeit am heimischen Schreibtisch verbringen und dort
Wörterbücher, Atlanten und Reiseführer wälzen?
Durch die entlegensten Ecken des World Wide Web surfen? Wer kann sich
den ganzen Tag mit den Schönheiten der Sprache und den Feinheiten
des Ausdrucks beschäftigen und zugleich daheim am Computer in
immer wieder neue, ferne Länder reisen? Wer kann ganz allein
an seinem Schreibtisch sitzen und im Kopf immer neue Welten entstehen
lassen?
Sich
mit Informantinnen im Café treffen und sich über Karatetritte,
Jazzkadenzen und die Förmlichkeit der Anrede in der pakistanischen
Landessprache Urdu unterrichten lassen? Wer hat das Privileg, sich
immer wieder in ganz neue Bereiche einzuarbeiten, sei es die Seidenraupenzucht
in Pakistan, das Leben der Hindus im japanisch besetzten Malaysia,
damals Malaya, die politischen Verhältnisse in Burundi, die Neujahrsriten
der in San Francisco lebenden Chinesen oder eben der Hahnenkampf auf
den Philippinen, der im hier geehrten "Manila Bay" im Mittelpunkt
steht.
Das Leben
der Literaturübersetzerin ist schön,
denn
es gibt an jeder Ecke Entdeckungen zu machen. Sie freut sich, wenn
sie Leuten auf der Straße die neuesten Ausdrücke und Redewendungen
ablauschen kann. Sie wacht beglückt auf, weil ihr über Nacht
eingefallen ist, dass es sich bei der bisher unerklärlich gebliebenen
Muschel "sand bonnet" um eine "Große Sturmhaube"
handeln muss, eine große, schöne, exotische Muschel.
Sie ist
beglückt, wenn ein Bekanner ein Wort verwendet, daß sie
seit vielen Jahren nicht gehört hat und das sie in den Tiefen
des Gedächtnisses verschollen wähnte.
Sie freut
sich wie eine Schneekönigin, wenn sie jemanden eine Geste machen
sieht, die auch in ihrem Buch vorkommt, und ihr endlich der passende
Begriff dafür einfällt.
Dieser
Beruf gab mir auch die Möglichkeit, sieben Jahre lang meine Zelte
im schönen San Francisco an der amerikanischen Westküste
aufzuschlagen, wofür ich ebenfalls sehr dankbar bin, da sich
durch diesen langen USA-Aufenthalt ganz andere Einblicke in die englische
Sprache und amerikanische Sprachkultur eröffnet haben, als von
Deutschland aus möglich gewesen wäre.
Doch
bevor jetzt die Bühne gestürmt und ich mit Fragen überrannt
werde, wie man nun möglichst schnell in dieses fabelhafte Gewerbe
als Literaturübersetzerin oder –übersetzer einsteigen kann,
möchte ich auch seine Schattenseiten nicht verschweigen, auf
die ja auch Gerd Burger schon hingedeutet hat.
Als Übersetzerin
lebt man von der Hand in den Mund, für nennenswerte Rücklagen
reicht die Bezahlung eigentlich nie. Auf Phasen hektischer Betriebsamkeit
folgen oft monatelanges, quälendes Hoffen und Bangen auf den
nächsten Auftrag.
In dieser
Lage fand ich mich, bevor Thomas Wörtche mir die Chance gab,
als Übersetzerin in seine neue Metro-Reihe einzusteigen. Lange
Monate saß ich ohne Auftrag da, hielt mich mit Gelegenheitsjobs
über Wasser und vertrieb mir die in der rauen amerikanischen
Realität durch keine Versicherung oder Sozialhilfe abgefederte
Arbeitslosigkeit mit Reisen und Kinobesuchen. Ich erforschte die Mayaruinen
Mexikos, die Fish-und-Chips-Kultur in Nordengland und die wilden schottischen
Steilküsten.
Und ich
sah mir ungeheuer viele Filme an und war sogar als ehrenamtliche Kartenabreißerin
beim San Francisco Film Festival tätig, um noch mehr Filme sehen
zu können. Es war das Jahr von "Fear and Loathing in Las
Vegas" mit Johny Depp, "Central Station" aus Brasilien,
"Velvet Goldmine" von Todd Haynes, der japanische "After
Life", der damals wegweisende "Matrix" und natürlich
"Eyes Wide Shut", der letzte Film des genialen Stanley Kubrick.
Ich sah Filme aus Tuva, Indien, Holland, Deutschland und Rumänien
und natürlich von den Philippinnen.
Ich glaube,
dass es besonders diese eigenen Erfahrungen auf Reisen und die im
Kinosessel miterlebten Abenteuer waren, die meine Übersetzung
von "Manila Bay" beeinflusst haben. Besonders hervorzuheben
ist der hervorragende Film "Megacities" des Österreichers
Michael Glawogger.
In seinen
Porträts der Riesenstädte der Welt kommt Manila zwar nicht
vor, doch einige der "zwölf Geschichten vom Überleben"
aus Mexico City und Bombay lassen sich gut auf den Moloch Manila übertragen.
Glawogger hat mit diesem ästhetisch unglaublich ansprechenden
und menschlich nicht minder erschütternden Film eine sehr interessante
Form des Dokumentarfilms geschaffen, die die Grenze zwischen Fakt
und Fiktion immer wieder überschreitet und dadurch besonders
deutlich werden lässt.
Wie übersetzt
man nun ein Buch über ein Land, in dem man noch nie war und das
auch sehr weit weg ist? Für mich sind es die Bilder im Kopf,
die zählen, das "geistige Kino", wie mein Vater es
nennt.
Anhand
von Filmen wie "Megacities", meinen Besuchen in Riesenstädten
wie Mexico City, New York, Lima oder London, Zeitungsberichten und
Büchern malte ich mir aus, wie das Leben in Manila auf den Philippinen
sein muss.
Ich konnte
mir sehr gut vorstellen, wie sich der kreischende Polizist Ambrosio
hinten im Taxi verzweifelt an etwas festzuhalten versucht, während
der vom Teufel gerittene Taxifahrer Martinez auf drei Rädern
um die Kurven hoffnungslos verstopfter Straßen rast.
Ich sah
vor Augen, wie der Polizist Bontoc vom wilden Kopfjägerstamm
der Bontoc mit dem Hackebeil zwischen den Zähnen auf einem Ast
hockt und japanischen Touristen auflauert, während ihn der Obergärtner
anfleht, nicht die Blätter von seinen Bäumen zu fressen.
Ich hörte
geradezu den gregorianischen Gesang in der katholischen Kathedrale,
an deren Seitenkapelle der Mörder dem zum Heiligen Petrus betenden
Hahnenkämpfer Chinakracher auf zuschnappenden Mausefallen vor
die Füße wirft.
Und ich
konnte mir nur zu gut vorstellen, wie der naive Junge Nitz mit zerschmetterter
Wirbelsäule unter den Trümmern des eingestürzten Hahnenspitals
liegt und sterbend in den Himmel schaut, dorthin, wo Sekunden vorher
noch die Decke des Spitals gewesen war.
Ich konnte
mir die Brutalität des Lebens in der Megacity Manila ausmalen,
als wäre ich dort gewesen. Und für weitere Ausflüge
in den brodelnden, bunten, stinkenden, schreiend komischen Hexenkessel
dieser Stadt kann ich Ihnen nur die Lektüre des Buches "Manila
Bay" empfehlen, denn es gibt nichts Schöneres als selbst
lesen!
Und damit
komme ich zum Abschluss und eigentlichen Anliegen meiner Rede, den
Danksagungen!
Ich danke
dem Freundeskreis zur internationalen Förderung literarischer
und wissenschaftlicher Übersetzungen und der Jury für die
Wertschätzung meiner Arbeit.
Ich danke
dem Land Baden-Württemberg und dessen Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kunst für die großzügige Stiftung dieses
Preises.
Ich danke
der Stadt Biberach und ihren Mitarbeitern für den wunderbar feierlichen
Rahmen dieser und der gestrigen Veranstaltung.
Ich danke
Gerd Burger für seine enorm freundliche Rede und die Starthilfe
in den Übersetzerberuf, damals vor 12 Jahren.
Ich danke
Thomas Wörtche dafür, dass er mich über den grünen
Klee gelobt und so zu übersetzerischen Höchstleistungen
angespornt hat.
Ich danke
all meinen Freunden und Freundinnen, die mir im Laufe der Jahre bei
meinen Übersetzungen geholfen haben, und ich habe viel Hilfe
bekommen!
Meine
Gedanken gehen auch an alle Freunde und Verwandten, die heute nicht
hier sein können.
An diese
Stelle gehört auch besonders der Dank an meine Eltern für
ihre liebevolle und umfangreiche Unertstützung meiner Arbeit.
Und ich
bedanke mich bei meinem Mann Chris für Ansporn und Ermutigung.
Vielen Dank!
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Links
für Übersetzer und Übersetzerinnen
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Und
hier die Ausschreibung für den Übersetzerpreis 2005:
Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis
2005
Alle zwei Jahre wird der renommierte Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis
für eine herausragende deutsche Übersetzung durch den Freundeskreis
zur internationalen Förderung literarischer und wissenschaftlicher
Übersetzungen e.V. ausgeschrieben und verliehen. In diesem Jahr
wird er für die Übersetzung einer literarisch anspruchsvollen
Biographie vergeben, die nach dem 1.1.2000 erschienen und noch lieferbar
ist. Der Preis ist mit 12.000 € dotiert und wird vom Ministerium
für Wissenschaft, Forschung und Kultur Baden-Württemberg
finanziert. Seit dem Jahr 2001 wird er regelmäßig in Biberach
verliehen. In diesem Jahr ist dafür Mittwoch, der 26.10.2005
vorgesehen. Bewerbungen müssen bis zum 4.April 2005 beim eingehen.
Dabei sind sie mit "Wielandpreis" gekennzeichnet an das
Kulturamt der Stadt Biberach z.Hd. Frau Engelhardt, Theaterstraße
6, 88400 Biberach zu senden. Die Bewerbungen müssen folgende
Unterlagen enthalten:
sechs Exemplare des Werks in Übersetzung und ein Exemplar des
Originals;
eine Biobibliographie des Übersetzers/der Übersetzerin (insgesamt
max. 2 DIN A4 –Seiten) sowie eine Charakteristik der eingereichten
Übersetzung und ihrer spezifischen Schwierigkeiten (max. 1 DIN
A4-Seite), jeweils in sechsfacher Ausfertigung.
Weitere
Texte Biberacher Vorträge auch in unserer Abteilung Weberberg.de/abc.
"J.G.
Herder - Prediger der Humanität" Vortrag von Dr. Michael Zaremba
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