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Dahinten,
Gunther
So sah unser Eintrag zu Gunther Dahinten fast ein Jahr
lang aus:
Gunther Dahinten ist der Chefredakteur der Lokalausgabe
der "Schwäbischen Zeitung". Es gibt natürlich noch
mehr Redakteure dort, aber er ist der einzige, der auch singt (z. B. "Lieder
aus heiterem Anlass", alljährlich einmal in der Volkshochschule),
der tragende Rollen in den Aufführungen des "Dramatischen Vereins"
spielt und der auch noch malt. Viele schätzen auch seine Photos aus
dem oberschwäbischen Alltag, die in der "Schwäbischen"
erscheinen.
Ist der Mann also eine wandelnde Ein-Mann-Künstlertruppe? Das stimmt
deswegen nicht, weil er meistens auf dem Fahrrad zu sehen ist, wenn er
auf Fotopirsch geht. Seine Multitalentiertheit schafft natürlich
ein Problem: In der Redaktion ist er für Kultur zuständig, über
die er aber - als Beteiligter - selber oft nicht schreiben kann. Seine
Auftritte werden daher von freien Mitarbeitern der Zeitung gesichtet und
bewertet. Dass das, was er schreibt, durchaus international wahrgenommen
wird, belegt diese Webseite
des Lettischen Staatschores.
Am 11. März 2002 wurde der "Leiter der SZ-Lokalredaktion,
zuständig für Kommunalpolitik, Kultur, Landwirtschaft, Beilage 'Zeit und
Heimat' Reportage, Berichterstattung, Kommentar, Fotografie, Betreuung
der freien Mitarbeiter", wie es auf der Website der Biberacher Verlagsdruckerei
heißt, freigestelltt. Ein kommissarischer Chefredakteur, Hartmut
Bigalke, nimmt seine Aufgaben wahr. Das kam plötzlich. (Auch
Kreisredakteur Roland Reck musste gehen.) Wie es nun in der Redaktion
weitergeht, wird man sehen. Schade ist das schon, denn der oft leicht
grimmig dreinschauende Mann mit der sonoren Stimme war Teil des gewohnten
Stadtbildes, wenn er dienstlich in seinem grünen Anorak zur Gemeinderatssitzung
radelte. Und auch bei anderen Veranstaltungen gehörten der Freund
schöner Füllfederhalter und seine Kamera einfach dazu. Selbst
wenn sein gelegentlich etwas gedrechselter Stil kaum ins NeubürgerInnen-ABC
passen würde: Seine riesige Erfahrung mit Biberach und Biberacher
Verhältnissen könnte Weberberg.de dagegen gut gebrauchen.
Den Biberachern wird wohl erst allmählich klar
werden, eine wie wichtige und kaum zu ersetzende Stimme in ihrer Lokalzeitung
sie verloren haben. Natürlich gab es immer mal auch Kritik an seiner
Schreibe. Aber selbst seine ärgsten Kritiker hätten ihm sicher
diesen abrupten Abgang nicht gegönnt. Dass es ihn jetzt nicht mehr
als Chefredakteur gibt, hat uns zutiefst schockiert. Wir wünschen
Gunther Dahinten auf jeden Fall alles Gute.
Die Sache machte ziemlich viel Wirbel in der Stadt.
Niemand wusste genau, was Sache ist. Pressezensur oder ein normaler arbeitsrechtlicher
Vorgang? Eine Biberacher
Website (www.schaufenster-bc.de/) widmete sich ganz dem Thema mit
Pressespiegel, Hintergrundinformationen und Satiren. Auch die Unabhängige
Liste Bad Schussenried widmete dem Thema einen ausführlichen Pressespiegel.
Folgend einige der ersten Äußerungen zu den Vorgängen.
Und als eine Podiumsdiskussion zum Thema stattfand,
berichtete natürlich auch Weberberg.de
in Text und Bild.
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In einer Stellungnahme "In
eigener Sache" schreibt Joachim Umbach, Chefredakteur der Schwäbischen
Zeitung am 16. 3. 2002 Folgendes:
(...) Ich bin sicher, dass die "Schwäbische Zeitung"
in Biberach unter der Führung des erfahrenen Kollegen Hartmut Bigalke
die Ansprüche erfüllen kann, die sie sich selbst stellt:
Und zwar einen unabhängigen, sauberen und fairen Journalismus
zu machen.
Die "Schwäbische Zeitung" hat
- eine Entscheidung, die uns sehr schwer gefallen ist - Gunther
Dahinten freigestellt, da schon länger andauernde Meinungsverschiedenheiten
nicht mehr auszuräumen waren. Das ist keine Schande, das kommt
in den besten Firmen vor. Deshalb hat die "Schwäbische
Zeitung" Gunther Dahinten auch ein Angebot gemacht, wie man
mit Anstand auseinandergehen kann. (...)
Wenn nun politisch motivierte Gerüchte kursieren,
dass die Chefredaktion die Trennung von Gunther Dahinten auf Druck
des Landrates Peter Schneider betrieben hat, dann ist das schlichtweg
falsch. Eine Einflussnahme seitens des Landrates oder irgendeines
anderen Außenstehenden hat es nicht gegeben. Die "Schwäbische
Zeitung" ist eine unabhängige Tageszeitung, die sich publizistisch
nicht unter Druck setzen lässt. Auch nicht bei ihren Personalentscheidungen.
Das war nun seit fast sechs Jahrzehnten so. Und das wird auch in
Zukunft so bleiben. (...)
Die anhaltend unbefriedigende wirtschaftliche
Situation der Medienbranche ist auch an unserem Haus nicht vorübergegangen.
Wir sind deshalb außerdem gezwungen, uns von dem Redakteur
Roland Reck aus betrieblichen Gründen zu trennen.
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Frank Schwaibold in der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
schreibt:
(...) Nun schießen die Spekulationen ins Kraut. ¸¸Skandalös'' nennt
Karl Geibel vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) die Freistellung
des Biberacher Lokalchefs Gunther Dahinten und die Kündigung des
Kreisredakteurs Roland Reck. Chefredaktion und Geschäftsleitung
seien ¸¸schlicht vor politischem Druck des Landrats Peter Schneider
(CDU) wegen missliebiger Berichterstattung eingeknickt''. Aktueller
Anstoß seien ¸¸zwei kritische Berichte über die Sozialhilfepraxis
im Landratsamt sowie das Spannungsfeld Naturschutz und Jagd gewesen''.
Dazu kommt: Der Kreistag überlegt, ob die Zeitung ihren Status als
Amtsblatt verliert.
Schneider weist den Vorwurf, er habe Einfluss genommen, entschieden
zurück. Allerdings macht er auch keinen Hehl daraus, dass er mit
den Berichten von Reck nicht einverstanden war. Der Redakteur habe
¸¸ohne jede Recherche vermeintliche Skandale aufgebauscht''. Als
Beispiel führt Schneider einen Artikel über die Jagd an, zu der
Dahinten letztendlich eine 170 Zeilen lange Gegendarstellung des
Landrats abdrucken ließ.
Die beanstandeten Artikel von Roland Reck samt Gegendarstellung
des Landrates finden sich auf der
Website des Ökologischen Jagdvereins e.V.
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| Auf der Website (Basisinfos / Aktuelles) des Deutschen Journalisten-Verbandes
Baden-Württemberg äußert sich Karl Geibel in scharfer
Form. Chefredaktion und Geschäftsleitung der Schwäbischen seien schlicht
vor politischem Druck des Biberacher Landrats Peter Schneider (CDU)
wegen missliebiger Berichterstattung eingeknickt. Tatsächlich habe
Landrat Schneider schon lange darauf gedrängt, dass sich die Berichterstattung
der Schwäbischen Zeitung ändere. Aktueller Anstoß seien zwei kritische
Berichte über die Sozialhilfepraxis im Biberacher Landratsamt sowie
über das Spannungsfeld Naturschutz und Jagd gewesen. Chefredakteur
Joachim Umbach habe daraufhin den beiden Journalisten Kampagnenjournalismus
vorgeworfen, ohne sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Stattdessen
seien fadenscheinige Gründe vorgeschoben worden, um sie feuern zu
können. Im Fall Reck würde behauptet, seine Stelle falle aus Einsparungsgründen
weg. In Wahrheit sei die Stelle sofort wieder besetzt worden. Im Fall
Dahinten versuche man, einen langgedienten und profilierten Lokaljournalisten
mit dem Totschlagsargument der unterschiedlichen Auffassungen über
die Leitung einer Lokalredaktion loszuwerden. Dies sei eine verschärfte
Form des öffentlichen Mobbings gegenüber Mitarbeitern, denen man soziale
Verantwortung schuldet, kritisierte der DJV-Landesvorsitzende. So
geht unabhängiger Journalismus vor die Hunde, meinte Geibel. Die Redakteure
müssten selbst entscheiden können, wie sie über eine tagesaktuelle
Frage berichten, solange sie die journalistischen Sorgfaltspflichten
wahrten. Das sei die Rechtslage in Sachen innerer Pressefreiheit.
Mit Duckmäusertum sei kein kritischer Journalismus zu machen, warnte
Geibel. Bei der Schwäbischen werde aber durch rigiden Führungsstil
nicht erst seit dem Fall Joachim
Rogosch das Betriebsklima systematisch von der Führungsspitze
zerstört. M
ehr >>>>> |
Über den Weberberg schrieb Gunther Dahinten im
September 2001 so:
Ein Schmuckstück in der Stadt
BIBERACH (dah) - Das Haus am Hundertguldenloch, Weberberg
5, wurde nach der Sanierung durch die Baugenossenschaft Biberach zu einem
Schmuckstück in der Stadt. Einem fast zweijährigen "Vordenken" über den
Umfang der Sanierung folgte eine einjährige Bauzeit. Das sagt etwas aus
über die inhaltlichen und handwerklichen Ansprüche,. die das vormals marode
Haus stellte. Wie der Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft Biberach,
Patrick Detzel, und Architekt Axel Munz vom Büro JKLM (Janz, Klingler,
Ladel, Munz)in Biberach berichten, war die Baugenossenschaft als Bauträger
froh, mit Zustimmung der Sanierungsbehörden Teillösungen für die Bauarbeiten
zu finden, die eine finanzielle Überbelastung vermieden. Auch die Handwerker
kalkulierten kundenfreundlich, so dass der Bau mit überschaubaren, schwarz
geschriebenen 1,8 Millionen DM abgerechnet werden konnte. Dazu half auch
der Zuschuss der Stadt aus dem Sanierungstopf, wie Detzel und Munz mit
Dankbarkeit anmerken.
Die ältesten Teile des Hauses, das in der Anfangszeit
ein niedriges Gewerbe- und Lagerhaus gewesen sein dürfte, stammen aus
dem 14. Jahrhundert; die heutige Bauform mit den Obergeschossen entstand
um 1600. Bis ins 19. und 20. Jahrhundert diente das Haus am Stadtmauerdurchgang
als Wohnhaus für Schneider, Weber und andere Handwerker. Die Erneuerung
beließ viel von den alten Originalteilen, was vor allem in der Außenansicht
deutlich wird, etwa an den ziervollen Geländern von Balkon und Veranda
im überkragenden oberen Teil und dem Fachwerk. Natürlich blieb die Gesamtform,
bis auf den östlichen Giebel, erhalten, so auch der westliche Quergiebel
auf der Stadtmauer, ein Blickschmankerl für die Ansicht vom Stadtgarten.
Reizvoll ist der Treppenhausanbau in Stahl, Sichtbeton und Glas. Er schaffte
nicht nur innen mehr Wohnraum (denn früher lag die Erschließung im Haus),
sondern er fügt sich als neues Element dieser Zeit mit seiner gelungenen
Gliederung gut zum Altbau.
Drei stadtzentrale Wohnungen mit zusammen 222 Quadratmetern
Wohnraum entstanden - die Bewohner, die die Wohnungen nach der Sanierung
vom Bauträger als ihr Eigentum kauften, leben mit größtem Behagen an diesem
wunderschönen Fleckchen Biberach - zumal sie im historischen Altstadthaus
über zeitgemäß ausgestattete Wohnräume verfügen und auch die wiederhergestellten
Staffelgärten benützen können: Freisitze mit Grünanteil im Schatten der
(von der Stadt renovierten) Stadtmauer und zu Füßen des Weißen Turm. Welch
eine Perspektive!
16. Mai 2002
ABC-Home
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