Nostalgie: Gesammelter Blödsinn

Was AmFedersee alles so über Weberberg.de Haarsträubendes verbreitet hat, kann man hier noch einmal nachlesen.

15 Gedanken zu „Nostalgie: Gesammelter Blödsinn“

  1. Und jetzt scheint es amtlich – der dm Markt zieht in die Bürgerturmstrasse- wo jetzt Osiander drin ist und NICHT ins Bader Haus. Stand 23.12. vor dem Casa erfahren – Gruß Biggi

    1. Felix Perrefort, Gastautor / 25.01.2018 / 06:15 / Foto: Before sharia spoiled everything / 32 /

      Der Sieg über den Islam wird weiblich sein
      Es gibt im Internet einen Ort von so stiller, trauriger Schönheit, dass er für Momente die schrille, meinungsvernarrte Hässlichkeit überstrahlt, die zivilisierten Menschen nicht nur in den Kommentarspalten rechter Agitationsseiten, sondern auch in denen der Tagesschau oder der Bundesregierung zugemutet wird. Einen Ort, der zum Verweilen einlädt, wenn die „Bunt-statt-Braun“-Fraktion einmal mehr zu demonstrieren scheint, dass sie den Wettbewerb um die dümmsten Ansichten gegen die Anhängerschaft eines Björn Höcke um jeden Preis gewinnen will.
      Die Rede ist von der Facebookgruppe „Before sharia spoiled everything“ (bevor die Scharia alles vermasselt hat), und die sich so vorstellt:
      „Diese Gruppe ist dem Andenken säkularer Gesellschaften und Subkulturen des Zwanzigsten Jahrhunderts in Ländern mit muslimischen Bevölkerungsmehrheiten gewidmet, die seit dem Ende der Siebzigerjahre entweder zurückgedrängt oder vollständig verschwunden sind. Das Ziel der Gruppe ist damit, diese Menschen und ihren ganz gewöhnlichen Alltag insbesondere Europäern bekanntzumachen, die von der Existenz dieser Gesellschaften weitestgehend nichts wissen oder nur wenig Kenntnisse über sie haben. Die Mitglieder der Gruppe werden daher gebeten, in erster Linie Fotos aus dieser Zeit (ca. 1920-1980) von Menschen zu posten, die offenkundig ein modernes und säkulares Leben führen.“
      Der Seite wohnt eine Melancholie inne, die ihrem Potenzial entspricht, einen kritischen Blick auf die Gegenwart zu werfen. Und dieses Potenzial hat sie dann, wenn sie, die Melancholie, „als Reflexion der Verstelltheit richtigen Lebens“ und als „Triebkraft eines unreglementierten Blicks auf die Wirklichkeit“ (Magnus Klaue) begriffen und gelebt wird.
      Melancholisch stimmt dort etwa das Bild der türkischen Sängerin Safiye Ayla, die im hohen Alter noch erwachsene türkische Männer zu Tränen rührte. Es erinnert an eine Türkei, die mit dem Land, in welchem der Erdogan-verrückte Mob sich den Tod für noch jugendliche Soldaten wünscht und bereits kapituliert habende Soldaten ausgepeitscht werden, so wenig zu tun hat, wie das Istanbul von 1969, von dem eine andere Fotografie erzählt.
      Melancholische Fotos und iranischer Aufstand
      Auf der sieht man junge Pärchen in sommerlicher, attraktiver Kleidung gedankenlos flanieren, während im Hintergrund, in Form zweier in den Himmel ragender Minarette, symbolisch schon die Regression droht.
      In diesem Kontrast zwischen der Fragilität unbeschwerten Lebens und dem islamischen Herrschaftsanspruch kommt zum Ausdruck, was die multikulturelle Linke, die nicht die Freiheit des Individuums, sondern die der Kultur interessiert, nicht verstehen möchte: dass Freiheit ein zerbrechliches Gut ist und von Bedingungen abhängt, die stets bedroht werden. Eindrücklich zeigt sich dies in La Chapelle, wo die Straßen den Männern gehören, in London, wo die freiwillige Schariapolizei bereits patrouillierte, oder in Berlin, wo an Silvester Sicherheitszonen für Frauen eingerichtet wurden.
      Diese Fotografien berichten von einer vergangenen Zeit, die, als Repräsentation säkularer Moderne und westlichen, unbeschwerten Lebensstils, bis in die Gegenwart hineinragt und dort mit dem Islamfaschismus ringt. In das Schwarzweiß veralteter Fototechnik getaucht, könnten sie doch aktueller nicht sein. Denn sie stehen in einer Tradition mit der schon ikonisch gewordenen Fotografie jener iranischen Frau, die Ende Dezember für den iranischen Aufstand ihren Hidschāb an einer Stange aufgespießt und damit sehr schön zum Ausdruck gebracht hat, wo dieses Herrschaftsinstrument zur Durchsetzung islamischer Geschlechterapartheid hingehört.
      Nichts anderes ist das Kopftuch, das die Frau zum sündigen Gefäß erklärt, das verdeckt werden müsse, um den vermeintlich triebdeterminierten Mann vor ihrem Anblick zu schützen. Als „Misshandlung von Minderjährigen“ müsste die Verschleierung betrachtet werden, da sie „unauslöschbare Spuren in der Psyche, der Sexualität und der sozialen Identität“ (Chahdortt Djavann) hinterlässt.
      Wie schnell es gehen kann
      Die Betrachtung eines kurzen Videos auf der iranischen, feministischen Seite „My stealthy freedom“, in welchem ein in schwarzer Weste und in ein weißes Hemd gekleideter Herr unter frühabendlichem Laternenschein mit einer stilvoll bemäntelten Dame Hand in Hand den Bürgersteig entlang läuft, ihr den Hidschāb abnimmt, hinter welchem ihr schönes langes, zu einem Zopf geflochtenes, schwarzes Haar zum Vorschein kommt, und ihn sich selbst um den Hals legt, lässt erahnen, dass ein islamisches Regime zu stürzen, also eine Gesellschaft zu kippen, um sie in einer besseren aufzuheben, eine melancholische Ernsthaftigkeit erfordert, von der die heutige Linke nicht den Hauch einer Ahnung hat.
      Weil sie immer in Bewegung ist und nie zur Besinnung kommt, mit Argusaugen ihren Feind beobachtet und ständig den Rechtsruck beschwört, dabei gar nicht mehr bemerkt, wie konsensfähig ihre antirassistischen Ansichten bereits geworden sind, wie sträflich ihre Nachlässigkeit gegenüber dem politischen Islam.
      Dabei müsste sie nur auf solche Fotografien reflektieren, um in geschichtlicher Erfahrung zu begreifen, wie immens wichtig die Kritik dieser Ideologie ist, zeigen sie eben die Existenz säkularer Gesellschaften und (Sub-)Kulturen dort, wo Muslime die Bevölkerungsmehrheit bilden. Dass diese seit dem Ende der Siebziger zurückgedrängt oder vollständig untergangen sind, sollte uns eine Mahnung sein, wie schnell es gehen kann. Während die Linke „Vielfalt“ und „Toleranz“ predigt, das Eigene zu verteidigen nicht gewillt ist, während sie das Fremde fetischisiert oder beides „dekonstruieren“ möchte, erinnern diese Bilder, auf denen getanzt und getrunken, geraucht und flaniert, gelacht und posiert wird, an das Gemeinsame, das auch die eigenen Familien-, Hochzeits-, Kinder- und Jugendfotos prägt.
      Die Bilder von Schulkindern in Afghanistan, Ballettschülerinnen in Bagdad, Chemiestudentinnen in Ankara und Frauen, die in den Achtzigern in Kabul eine Art „Women’s March“ organisierten, künden in der fast vollständigen Abwesenheit von Kopftüchern von dem Wissen, dass zur Freiheit die Freiheit vom Islam gehört. Genauso wie es jene Transparente tun, die von iranischen Frauen im Jahre 1979 getragen wurden und eine Wahrheit herausstellten – „Emanzipation ist nicht westlich oder östlich, sondern universal“ –, welche gerade auch im heutigen, kulturrelativistisch verdummten Feminismus abhanden gekommen ist.
      Dies haben die feministisch bewegten Frauen des amerikanischen „Women’s March“ (und ihre hiesigen Unterstützer) leider nur allzu deutlich gemacht, als sie ihre Grenzdebilität und ideologische Verwahrlosung nicht nur durch die Synthese von Kopftuch und amerikanischer Flagge zur Schau stellten und damit zu verstehen gaben, keinen blassen Schimmer davon zu haben, für was diese Flagge steht, sondern auch dadurch, dass sie allen Ernstes der Scharia-Apologetin und Organisatorin Linda Sarsour folgten.
      Diese wiederum wartete schon mit sadistischen Bestrafungsphantasien gegenüber der liberalen Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali auf und stellt auch sonst in wirklich allem, was sie tut, zur Schau, dass sie den Feminismus nur für ihre, vermutlich von der Muslimbruderschaft stammende, islamische Agenda instrumentalisiert.
      „Tigersprung ins Vergangene“
      Gegen diesen zum Steigbügelhalter des politischen Islams heruntergekommenen und damit in sein Gegenteil verkehrten „Feminismus“ hätte jeder Einspruch zu erheben, der es mit ungeteilter Freiheit, zu welcher notwendig jene der Frau gehört, ernst meint. Zu den mutigsten Menschen dieser Tage gehören die folgenden iranischen Studenten, die wegen ihres Säkularismus und ihrer politischen Haltung zu den Aufständen allesamt verhaftet wurden, deren Verbleib teilweise ungeklärt ist und die es verdient haben, namentlich genannt zu werden:
      Leila Hosseinzadeh, Yasaman Mahmoubi, Negin Aramesh, Pedram Pazireh, Majid Akbari, Aref Fathi, Soheil Aghazadeh, Amin Osanloo, Peyman Geravand, Soha Mortezaie, Sina Omran, Ehsan Mohammadi, Faezeh Abdipour, Mohammad Sharifi, Kasra Nour, Mohsen Haghshenas und Amir Jamshidi.
      Ein Mitglied des Mainzer AStAs veröffentlichte Fotos von ihnen und schrieb: „Dies sind ihre Gesichter. Merkt sie euch, merkt euch ihre Namen. Sie sind wie wir, doch ihr Mut überstrahlt unsere Hilflosigkeit, und sollte uns mahnen, uns nicht der eigenen Ohnmacht hinzugeben.“
      Und das trifft zu. Denn diese Menschen wagen jenen „Tigersprung ins Vergangene“, über den Walter Benjamin in seinen Thesen über den „Begriff der Geschichte“ schrieb:
      „Die Geschichte ist Gegenstand einer Konstruktion, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit sondern die von Jetztzeit erfüllte bildet. So war für Robespierre das antike Rom eine mit Jetztzeit geladene Vergangenheit, die er aus dem Kontinuum der Geschichte heraussprengte. Die französische Revolution verstand sich als ein wiedergekehrtes Rom. Sie zitierte das alte Rom genau so, wie die Mode eine vergangene Tracht zitiert. Die Mode hat die Witterung für das Aktuelle, wo immer es sich im Dickicht des Einst bewegt. Sie ist der Tigersprung ins Vergangene.“
      Wenn Iranerinnen ihre Kopftücher ablegen und gegen dieses Mörderregime kämpfen, dann setzen sie zum Sprung in eine Zeit an, von deren Notwendigkeit, sie wiederherzustellen, die Bilder in jener Facebook-Gruppe künden. Was für Robespierre das antike Rom war, diese mit „Jetztzeit geladene Vergangenheit, die er aus dem Kontinuum der Geschichte heraussprengte“, das ist für die mutigen Studenten der Iran, before Sharia spoiled everything. Heute können wir uns kaum vorstellen, „dass es vor einhundert Jahren im Iran Frauenrechtlerinnen gab. Wie wir uns ohnehin nicht vorstellen können, dass es in einem Land, in dem sich 1979 eine islamische Revolution ereignete, 1905 bis 1911 eine demokratisch-liberale stattgefunden haben soll.“ (Sama Maani in seinem Buch „Respektverweigerung“.)
      Feminismus versus Islam
      Weil der politische Islam von den Frauen abhängig ist, muss er scheitern, wenn sie sich von ihm abwenden und ein eigenständiges Leben führen. Wenn sie Kinder für sich und nicht für die Umma bekommen, ihr eigenes Geld verdienen und schlafen, mit wem sie möchten. Wenn sie anziehen, was ihnen gefällt, feiern, wie sie dies wollen, und lieben, wie es ihren Vorlieben entspricht. Wegen dieser Abhängigkeit ist der Kampf gegen ihn nur als feministischer zu gewinnen.
      Erst wenn jene Frauen – die bislang im Herrschaftsbereich des Islam aufwachsen und psychisch und physisch gefährdet sind, insofern sie sich für diese eigentlich selbstverständlichen Freiheiten entscheiden, Freiheiten, für die sie im schlimmsten Fall wie Hatan Sürücü umgebracht werden – aus den islamischen Zwängen durch Maßnahmen wie zum Beispiel ein Kopftuchverbot für Schülerinnen befreit werden, wird sich das Blatt nicht nur für sie, sondern für alle säkular orientierten Menschen wenden. Weder hat dies mit Paternalismus noch mit Instrumentalisierung zu tun.
      Es liegt schlichtweg im Begriff ungeteilter Freiheit begründet, von dem heutige linke Identitätspolitik keine Ahnung mehr hat, dass diejenigen, deren Politik auf diese eine, gemeinsame und universalistisch zu sichernde Freiheit zielt, ganz automatisch gemeinsame Interessen verfolgen.
      Dass bedeutende Teile der Linken und Grünen dies nicht begreifen wollen, verwundert nicht, hofiert doch beispielsweise Claudia Roth lieber das iranische Mullahregime, anstatt ihren Geschlechtsgenossinnen zur Seite zu stehen. Dass sie demütig und unterwürfig das Kopftuch aufsetzt und sich trotzdem für feministisch hält, ist in Anbetracht der Tatsache, dass im Iran nach Durchsetzung der Kopftuchpflicht in den Achtzigern junge, politisch gefangen genommene Frauen vor ihrer Exekution vergewaltigt wurden und dies deshalb, weil gemäß der islamischen Lehre der Mullahs Jungfrauen ins Paradies kämen, nur ein bisschen weniger grotesk und verkommen als jene schwedischen, für eine „feministische Außenpolitik“ stehenden Politikerinnen, die ihrer Aufwartung des iranischen Regimes durch die Verhöhnung iranischer, islamkritischer Feministinnen noch die Krone aufsetzten.
      Ihnen allen wären jene Fotografien zu zeigen, die gerade in ihrer Stille und Unaufdringlichkeit deutlicher nicht machen könnten, dass die Freiheit zerbrechlich ist und der Islam sie bedroht.
      Felix Perrefort lebt und arbeitet in Berlin, er hat einen Bachelor in Filmwissenschaft und einen Master in Kulturwissenschaft.
      Foto: Before sharia spoiled everything

  2. Das Schutzzelt, das sicheres Feiern unter blickgeschützten Textilien bietet, ist nur eine Lösung. Das Prinzip ist richtig. Aber warum sollte nicht jede Frau ihr eigenes Schutzzelt nehmen? Man könnte es ihr an den Zugängen zu heiklen Plätzen anbieten. Dass es in der Form einem Niqab gliche, wäre in diesem Falle auch keine Unterwerfung. Es wäre nur eine Form der kultursensiblen Kommunikation, weil die jungen Männer so verstehen würden, dass die Frau unter dem Individualzelt kein Freiwild ist. Diese Bereitschaft zur aktiven Deeskalation würde das Zusammenleben doch enorm erleichtern, oder?
    Das Schlimme ist, dass ich die letzten Zeilen satirisch gemeint haben kann. Dass sie einem bald auch als ernstgemeinte Textbausteine wiederbegegnen könnten, ist leider nicht ausgeschlossen. Der Weg ist so kurz, wie der von der Leugnung von No-go-areas zur Notwendigkeit spezieller Schutzzonen.
    Also schauen wir nach vorn und entdecken die Chancen, so wie es sich am Anfang eines neuen Jahres gehört. Es könnte schließlich der Anfang einer Schutzzonen-Konjunktur sein. Schließlich müssen ja nicht nur Frauen geschützt werden. Ungefähr dort, wo zum Jahreswechsel die Frauenschutzzelte stehen, haben arabische junge Männer in der Adventszeit unter Anrufung Allahs Davidsterne verbrannt und den Juden den Tod gewünscht. Vielleicht würden sich auch für Juden Schutzzelte anbieten? Auch Schwule, die beispielsweise gern als sichtbar liebendes Pärchen öffentlich feiern möchten, müssen ja in bestimmten Gegenden um ihre körperliche Unversehrtheit fürchten. Hier böten sich Schutzzelte an geeigneter Stelle ebenfalls an. Auch bekommen sicher immer mehr Menschen in Deutschland ein besonderes Schutzbedürfnis, weil sie beispielsweise die Ehre einer traditionellen Großfamilie befleckt oder den Propheten mit einem zu lockeren Spruch beleidigt haben.

  3. Vergewaltigung – Opfer ohne Lobby
    Tagtäglich erscheinen Meldungen von gewalttätigen und meist sexuellen Übergriffen gegen Frauen in den Medien. Den Eindruck, Vergewaltigungen und andere Formen der sexuellen Gewalt haben zugenommen, bekräftigen die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2016. Doch die Öffentlichkeit schaut lediglich auf die Täter – nicht auf die Opfer. Stattdessen fördert die permanente Gegenwart sexueller Gewalt einen Anschein von Normalität, bei dem aber der Blick auf die Opfer verloren geht. Dabei sind es vor allem die betroffenen Frauen und Mädchen, an denen diese „Vorfälle“ nicht einfach vorübergehen: Manchmal kämpfen sie ihr Leben lang mit den Folgen der Tat.
    Diverse Fälle sorgten allein in den vergangenen beiden Jahren für großes Entsetzen. In Brandenburg erschütterte ein Gerichtsurteil im Frühjahr die Öffentlichkeit: Im August 2016 konsumiert ein 23-jähriger Dealer zusammen mit seiner gleichaltrigen Kundin ein als „Speed“ bekanntes Amphetamin. Anschließend wirft er die Frau gegen ihren Willen auf ein Bett, fixiert ihren Kopf zwischen zwei Metallstreben und vergewaltigt sein Opfer etwa vier Stunden lang brutal. Die Frau schreit und versucht ihn abzuwehren, er trägt Kratzer davon. Irgendwann lässt sie alles nur noch über sich ergehen. Als der Vergewaltiger einen Anruf bekommt, lässt er sein Opfer frei. Die Frau ist so verletzt, dass sie zwei Wochen nicht richtig laufen kann und Schmerzen hat.
    Die rechtsmedizinischen Untersuchungen bestätigen ihre Aussage, die sie bei der Polizei macht. Im April spricht das Gericht den Mann frei. Nicht, weil die Vorsitzende Richterin die Ausführungen des Opfers anzweifelt – sie glaubt ihr und sagt das auch. Doch sie könne nicht zweifelsfrei ausschließen, dass die Mentalität des türkischen Kulturkreises, aus der der Beschuldigte stammt, das Geschehen, das sie als Vergewaltigung erlebt habe, für ihn vielleicht lediglich wilder Sex gewesen sei.
    Weil somit kein schuldhafter Tatvorsatz zweifellos festzustellen sei, wurde der Mann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung freigesprochen. Der Grundsatz des vielgepriesenen novellierten Paragrafen 177 Strafgesetzbuch (StGB), der den Grundsatz „Nein heißt Nein!“ im Strafrecht verankern soll und am 10. November 2016 verabschiedet wurde, scheint damit weiterhin einen ungebrochen großzügigen Interpretationsspielraum für die Richterschaft zu besitzen.
    Anfang September 2017 wird morgens in Leipzig eine 50-jährige Joggerin zusammengeschlagen und vergewaltigt. Negative Popularität erlangt der Rat, Frauen sollten nicht mehr alleine joggen. Ansässige Unternehmer setzen Prämien zur Ergreifung des Täters aus, Politiker versuchen aus dem Verbrechen Profit zu schlagen. Nur wenige Tage später wird eine Joggerin im oberbayerischen Rosenheim an einem Samstagvormittag auf ihrer Strecke abgefangen, ins Gebüsch gezerrt und vergewaltigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet dies während eines Wahlkampfauftritts dort – kurz darauf angesprochen – als „einen traurigen Vorfall“. Was in einem Nachrichtenmedium als „deutliche Worte“ ausgelegt wird, wirkt auf den objektiven Betrachter doch eher hilflos und wenig hilfreich.
    Wahrnehmung und Statistik
    2016 wurden 14.905 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung angezeigt, davon 12.508 vollendete und 2.397 versuchte. Die Opfer sind überwiegend weiblich (93 Prozent). Der Anteil der Taten, bei denen keine Beziehung zum Täter besteht, wird zunehmend registriert. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise lag der Anteil, bei denen keinerlei Beziehung zwischen Opfer und Täter bestand, 2015 noch bei 22 Prozent, im Jahr darauf bei 30,5 Prozent. Fakt scheint demnach zu sein: Sexuelle Gewalt ereignet sich häufiger überfallartig und wird durch den Opfern fremde Personen begangen.
    2016 wurden 3.304 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst, die durch Zuwanderer (laut Arbeitsdefinition des Bundeskriminalamtes: „Personen mit Aufenthaltsstatus Asylberechtigter, Asylbewerber, Duldung, Kontingentflüchtling/Bürgerkriegsflüchtling und unerlaubt“) verübt worden waren. Dabei handelt es sich jedoch nur um Taten, zu denen ein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Und der negative Trend scheint sich fortzusetzen: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind in Bayern mit 685 Fällen 48 Prozent mehr Vergewaltigungen angezeigt worden als im Vorjahreszeitraum. Auch die Zahl der Taten, die davon Zuwanderern zugeordnet wurden, stieg um 91 Prozent auf 126 Fälle.
    Und diese Zahlen stellen lediglich einen Ausschnitt der Realität dar. Gerade Sexualdelikte besitzen ein hohes Dunkelfeld, da sie häufig aus Scham und Angst oder der Hoffnung, ohne Anzeige schneller verdrängen zu können, nicht angezeigt werden. Vergewaltigungen führen vor deutschen Gerichten relativ selten zu Verurteilungen. Laut einer 2012 vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) durchgeführten Studie erlebten 8,4 Prozent der Frauen, die ihre Vergewaltigung angezeigt hatten, die Verurteilung des Täters – das Urteil bedeutete aber nicht zwangsläufig eine langjährige Haftstrafe.
    Verletzungsbilder und rechtsmedizinische Untersuchung
    Die gewalttätige Penetration während einer Vergewaltigung kann zu inneren und äußeren Verletzungen führen, die je nach Beschaffenheit des Täters und des Opfers und der Heftigkeit des vollzogenen Geschlechtsaktes unterschiedlich gravierend ausfallen. Opfer schildern immer wieder, dass die Penetration am schmerzhaftesten war, als sie versucht haben, sich zu wehren. Um den schmerzhaften Vorgang zu verkürzen und in der Intensität zu mildern, haben sie nur noch „alles über sich ergehen lassen“. Werden Verletzungen festgestellt, so sind das häufig Hämatome im Vaginalbereich, Blutungen und Fissuren (vaginal und anal). In circa 50 Prozent der Fälle gibt es keine auffälligen Verletzungsbilder bei erwachsenen Frauen. Das Opfer kann direkt unter Gewalteinwirkung oder dem Androhen von Gewalt gefügig gemacht werden.
    Der Körper des Opfers eines gewalttätigen sexuellen Übergriffs ist gleichzeitig Merkmalsträger von Spuren zur Beweissicherung. Bei der rechtsmedizinischen Analyse muss sich zunächst die Frau entkleiden, bevor eine womöglich erneut schmerzhafte gynäkologische Untersuchung durchgeführt wird. So kann zum Beispiel das Spreizen der Beine oder schon einfache Berührungen erhebliche Schmerzen verursachen. Es werden Abstriche aller Körperöffnungen zur Sicherung von Sperma- oder Speichelspuren durchgeführt. Auch werden Spuren unter den Fingernägeln der Opfer genommen.
    Eine Frau beschreibt diese Erfahrung so: „Ich kannte das nur aus Fernsehkrimis, wenn Rechtsmediziner im Beisein eines TV-Kommissars unter den Fingernägeln einer Leiche Dreck rauskratzten. Den Gedanken daran werde ich nie vergessen.“ Werden innere Verletzungen befürchtet, führen die Ärzte eine Sonographie durch. Alle Proben werden untersucht, alle Ergebnisse niedergeschrieben und die Verletzungen des Opfers zur Dokumentation fotografiert. Gerade dieses Vorgehen bleibt den Geschädigten im Gedächtnis. Eine Frau, die von ihrem Ex-Freund vergewaltigt wurde, schildert ihr Erleben: „Als die Ärztin meinen Unterleib fotografiert hat, habe ich mich so geschämt, wie noch nie in meinem ganzen Leben. Ich wollte schreien und heulen, aber ich konnte gar nichts mehr. Ich hatte nur den Gedanken, dass fremde Menschen jetzt jede meiner Körperöffnungen kennen. So nackt und bloßgestellt habe ich mich noch nie gefühlt. Niemals. In dem Moment dachte ich mir, dass es ein schrecklicher Fehler war, die Polizei zu rufen.“
    Individuelle Opfersituationen
    Jedes Opfer reagiert individuell auf die ihr widerfahrene Gewalt. Es gibt Varianten sofortiger Schockreaktionen und Langzeitfolgen, ebenso läuft der Verarbeitungsprozess nie nach Schema F ab. Exemplarisch werden nun zwei Schicksale beschrieben:
    Zunächst der psychische Ausnahmezustand eines 16-jährigen Mädchens, das in ihrer Jugend eine Vergewaltigung erlitten hat: Ihr Fall erschüttert das Rettungsteam jedes Mal aufs Neue, wenn sie wegen Anfällen der Schülerin in eine Einrichtung gerufen werden, in der sie untergebracht ist. Das Mädchen liegt kreischend am Boden vor dem Bett ihrer Betreuungseinrichtung und schreit immer und immer wieder „Hör auf! Lass mich in Ruhe!“. Dabei reißt sie sich büschelweise Haare aus und versucht, sich selbst zu verletzen. Die Schreie und die ausgerissenen Haare auf dem Boden bilden ein Szenario, das den Mitgliedern des Rettungsteams noch öfter begegnen und sich in deren Gedächtnis einprägen wird.
    Die Kontaktaufnahme ist in dieser Situation nicht möglich. Das Mädchen reagiert heftig und panisch auf Berührungen. An den Unterarmen prangen Ritz-Verletzungen durch diverse spitze Gegenstände. Nur durch viele kräftige Hände, zu Beginn von vier Personen des Rettungsdienstes und zwei Polizisten, ist sie zu bändigen und zu sedieren. Die Einsätze summieren sich in den folgenden Monaten. Die Pieper mit der Adresse der Einrichtung verraten, was die Rettungskräfte erwartet – für alle Beteiligten selbst eine psychische Herausforderung.
    Der Prozess dauert. Errungene Stabilisierungsphasen werden durch sogenannte Trigger (Auslöser)-Situationen immer wieder unterbrochen. Das Mädchen muss Rückschläge hinnehmen, die Anfälle kehren zurück. Trotz der insgesamt erreichten Fortschritte (Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu Helfern, Schulbesuch) verschwindet sie eines Tages – noch immer minderjährig – aus der Einrichtung. Ihre Geschichte mündet vorläufig in der Existenz einer Drogenabhängigen.
    Ein weiteres Beispiel beleuchtet den Fall eines Kindes: In einer Flüchtlingsunterkunft wird eine 13-Jährige durch ein Gruppe vergewaltigt. Das Verbrechen wird von der Einrichtungsleitung erst bemerkt, als das Mädchen schwer verletzt von Bewohnern aufgefunden wird. Nach der Erstversorgung lässt sie alle Untersuchungen über sich ergehen. Doch sie spricht nicht mehr, zeigt keinerlei Kommunikationsverhalten gegenüber den Ärztinnen oder dem psychologischen Dienst. Sie weint nicht, reagiert nur mechanisch. Nur wenn sie schläft und Albträume hat, bekommen Zeugen eine Vorstellung davon, was sie durchlebt und noch verarbeiten muss. Das Mädchen kann sich nicht artikulieren. Sprachbarrieren sind gar nicht das größte Problem. Aber, was geht in ihr vor, welche, wie starke Schmerzen hat sie, was braucht sie? Örtliche Einrichtungen sind mit der Klärung der Frage beschäftigt, wer künftig für sie verantwortlich ist. Ihr Fall übersteigt die üblichen Zuständigkeiten und Ressourcen, zumal ihre Eltern vor Ort sind, aber neben Sprachbarrieren und Mentalität dem Behördensystem in Deutschland ratlos gegenüber stehen.
    Der Umgang und die Arbeit mit Opfern schwerer sexueller Gewalt ist für alle Beteiligten – beispielsweise Polizei, Ärzte, Helfer oder Familie – eine Herausforderung, die an die Substanz geht. Und nicht nur in Therapieeinrichtungen und unmittelbar nach einer Tat erlebt man manche Opfer in regelrechten Ausnahmezuständen, in denen sie Panikattacken erleiden, sich Marmeladengläser mit voller Kraft gegen den Kopf schlagen oder schreiend zusammenbrechen. Ihr Leben ist für Opfer nach der Tat ein völlig anderes.
    Opfer sexueller Gewalt erleben ein Trauma
    Um überleben und weiter „funktionieren“ zu können, greifen individuelle Schutzmechanismen. In traumarisierenden Situationen nimmt das Gehirn in sehr kurzer Zeit stark angstbesetzte Eindrücke auf. Da die menschliche Verarbeitungskapazität begrenzt ist, wird vieles nur gespeichert, aber noch nicht verarbeitet bzw. bewertet, sortiert und in die sonstigen Erfahrungsbereiche integriert. Die so gesammelten Eindrücke und Informationen werden im sogenannten Trauma-Gedächtnis abgelegt. Dieser Teil funktioniert unabhängig von „unserem „Alltagsgedächtnis“. Kennzeichnend dafür ist, dass Inhalte des Trauma-Gedächtnisses nicht gewollt abgerufen werden können, sondern bestimmte Gerüche, Bilder, Töne und so weiter als Auslöser (Trigger) die Erinnerungen hervorrufen. Diese Art der Speicherung ist zunächst ein psychologischer Schutzmechanismus.
    Doch die Auslöser führen oftmals in völlig unerwarteten Momenten zum Wiedererleben des traumatischen Ereignisses. Anhaltende, sehr lebendige Erinnerungen oder das erneute Erleiden der Belastung durch immer wiederkehrende Flashbacks oder sich wiederholende Träume beeinflussen das Leben auf unbestimmte Dauer. Kann dies nicht abgeschlossen werden, führt es zu vielfältigen Beeinträchtigungen wie einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD).
    Die Liste typischer Langzeitfolgen sexueller Gewalt ist lang: Angststörungen, die immer wieder auftreten können oder ein gestörtes Selbstwert- und instabiles Identitätsgefühl. Psychosomatische Beschwerden, ein negatives Verhältnis zum eigenen Körper und selbstverletzendes Verhalten. Sucht, Schwierigkeiten, körperliche und sexuelle Nähe zuzulassen, dauerhafte Beziehungsprobleme (auch mit wechselnden Partnern) und gewalttätige Beziehungen. Soziale Isolation, eine feindliche, misstrauische Haltung der Welt und anderen Menschen gegenüber sowie ein andauerndes Gefühl der Leere und Hoffnungslosigkeit, Konzentrationsstörungen oder dauerhafte Arbeitsunfähigkeit. Quälend sind vor allem chronische Scham- und Schuldgefühle. Das Opfer verfängt sich seelisch immer wieder in Konjunktivsätzen, die das eigene Verhalten für schuldhaft erklären („wäre ich doch nicht dort lang gelaufen“, „hätte ich doch ein Taxi genommen“, „hätte ich mich nicht von ihm begleiten lassen“).
    Wird diese Spirale nicht zurückgedreht, können Depressionen bis hin zur Suizidalität und dissoziative Störungen auftreten. Dazu gehört auch ambivalentes Verhalten: Zum Beispiel, sich mehr oder weniger bewusst in gefährliche Situationen zu begeben, um es das nächste Mal möglicherweise nicht zu überleben. Die Gefahr, erneut Opfer oder auch Täterin von Kriminalität zu werden, steigt damit an.
    Sekundäre Viktimisierung und „falsche Opfer“
    Auf Internetforen suchen Betroffene und Angehörige häufig im Schutz der Anonymität Rat in einer virtuellen Community. Nicht selten wird ihnen geraten, nicht die Polizei einzuschalten. Man würde ihnen dort nicht glauben. Doch auch die zuvor dargestellte Prozedur der rechtsmedizinischen Untersuchung schreckt ab. Die Beweisaufnahme, das wiederholte Entblößen vor fremden Menschen, der Einblick in die eigene Intimität und die ständigen Fragen bringen die Tortur in eine Endlosschleife und fördern Schuldempfindungen. In der Kriminologie wird dies als sekundäre Viktimisierung bezeichnet. Im Laufe eines sogenannten Opferwerdungsprozesses erlebt ein Opfer die erste Viktimisierung durch die Tat selbst. Alles, was darauf folgt und das Opfer stets wieder zum Opfer macht, es aber auch stigmatisiert und seine Glaubwürdigkeit anzweifelt, führt zu einer zweiten Viktimisierung. Der Zweifel an der eigenen Glaubwürdigkeit ist regelmäßig ein immenses Problem für die Opfer.
    Vergewaltigungsopfern schaden besonders unwahre Anschuldigungen durch sogenannte falsche Opfer, also Personen, die vortäuschen, vergewaltigt worden zu sein. Aus Gründen von verschmähter Liebe, Rache oder um einen Mann zu erpressen, täuschen vor allem Frauen sexuelle Übergriffe vor, manchmal auch aus einem psychischen Krankheitsbild heraus.
    Exemplarisch ist in diesem Zusammenhang die Verurteilung des Lehrers Horst Arnold, der in Darmstadt 2002 unschuldig zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen Vergewaltigung an seiner Kollegin Heidi K. verurteilt worden war. 2011 wurde die Unschuld des Mannes gerichtlich festgestellt. Solche Frauen begehen nicht nur eine Straftat und zerstören mutwillig das Leben ihres Opfers, sie schaden der Glaubwürdigkeit einer jeden Frau, die die grauenhafte Erfahrung einer Vergewaltigung durchleben musste. Solche Fälle muss die Justiz konsequent ahnden. In dem Maße, wie eine Vergewaltigung das Leben eines Menschen zerstört, so sehr zerstört auch die Lüge über eine solche Tat den zu Unrecht Beschuldigten. In Horst Arnolds Fall versagten darüber hinaus die Institutionen des Landes Hessen, die ihm trotz erwiesener Unschuld sämtliche Rehabilitationsleistungen verweigerten. Auch in seinen Beruf konnte er nicht mehr zurückkehren, wurde gar dazu aufgefordert, sich wie jeder Stellenanwärter zu bewerben. Er starb 2012 an einem Herzinfarkt, auf offener Straße.
    Solche dramatischen Beispiele schüren Zweifel und Ungläubigkeit. Und der Zweifel, ob eine geschilderte Vergewaltigung tatsächlich auch eine erlebte ist, führt nicht selten zum Freispruch von Tätern und zu Misstrauen und Exklusion im eigenen sozialen Umfeld. Opfer sind immer nur die anderen – oder? Verbrechen wie Überfälle, gefährliche und schwere Körperverletzungen und eben auch versuchte wie erfolgte Vergewaltigungen werden in der heutigen Zeit, fast in einer Art Nachrichtenschleife, über die verschiedensten Kanäle sehr schnell sehr vielen Menschen bekannt. Wer eine solche Meldung, beispielsweise mit regionaler oder sogar lokaler Bedeutung, wahrnimmt, gleicht häufig intuitiv die Information mit eigenen Erkenntnissen ab: Wo war das Opfer, wie und in welcher Situation unterwegs? Nach 23 Uhr in einem Bochumer Park, der seit einiger Zeit nicht unbedingt dafür bekannt ist, sicher zu sein?
    Das könnte einem selbst nicht passieren, weil man doch nicht um diese Zeit an diesem Ort sein würde. Dann erreicht einen die nächste Meldung eines gewalttätigen, sexuellen Übergriffes auf eine Seniorin auf einem Friedhof am helllichten Tag, oder am Bankautomaten, oder vormittags auf dem Weg in den Gottesdienst, oder beim Walken auf einem ländlichen Fahrradweg in der Mittagszeit oder an der eigenen Haustür, wo das Opfer im Hausflur vergewaltigt wird – von einem Fremden in gewohnter Umgebung. Müssen da nicht zwangsläufig Zweifel an der eigenen Einschätzung aufkommen? Ja, das Thema betrifft jede Frau, sie kann prinzipiell überall und zu jeder Zeit zum Opfer werden.
    Hier statistische Wahrscheinlichkeitswerte anzuführen, erweckt den Verdacht, das Thema zu scheuen und sich nicht mit dem latenten Bedrohungspotenzial auseinandersetzen zu wollen. Es ist kein Zufall, dass gerade Frauen vermehrt Hundeabwehr-Spray, Schrill-Alarme, Kubotane (oft eine Schlag- oder Stichwaffe in Form eines Stiftes) und dergleichen mehr kaufen und in ihren Handtaschen deponieren. Es ist kein Zufall, dass Frauen versuchen, weniger Angriffsfläche zu bieten und Risikosituationen weitestgehend zu vermeiden.
    Die WDR-Moderatorin und Sängerin Andrea Schönenborn schreibt auf dem Portal „Focus Online“, dass sie sich in Köln nicht mehr sicher fühlt und zunehmend Angst empfindet aufgrund einer „explosiven Mischung aus betrunkenen Männern und teils aggressiven Jugendlichen“. Was als „schonungslos offener Artikel“ angekündigt wird, ist eine maximal vorsichtig ausgedrückte Angst, für die sich die Autorin nahezu noch entschuldigt, vor allem aber rechtfertigt. Eine Atmosphäre der Angst ist entstanden; vor allem eine Angst, offen über die Angst zu sprechen.
    Die Bigotterie der Diskussionen
    Vor ein paar Jahren vernahm Deutschland einen #Aufschrei, weil ein Politiker zu einer Journalistin sagte, sie würde vermutlich ein Dirndl gut ausfüllen. 2017 müssen Bilder einer Ausstellung in der Mensa des Göttinger Studentenwerks wieder abgehängt werden, weil die Werke der Künstlerin jemandem als sexistisch aufstoßen. Die Freiheit der Kunst steht dahinter zurück. Überambitionierte Frauenförderpläne, die sogar gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen, weil sie Männer systematisch benachteiligen, werden versucht durchzuboxen. Doch echte Solidarität mit den Opfern handfester sexueller Gewalt sucht man im öffentlichen Raum häufig vergebens. Wo waren die medial wirksamen #Aufschreie solcher Kämpferinnen nach der Silvesternacht 2015/16 oder nach der Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016? Wo sind diese #Aufschreie bei den täglichen Meldungen von Vergewaltigungen und gewalttätigen Übergriffen? Und warum wird die Angst von Frauen im öffentlichen Raum aufgrund echter Gewaltvorfälle nicht ernst genommen, sondern im schlimmsten Fall noch als ein Auswuchs rassistischen Denkens gegeißelt?
    Es gibt keinen Aufschrei, stattdessen Verharmlosung, Relativierung und Verunglimpfung von Angstgefühlen. Aber bei teils lächerlichen „Vorfällen“ entdecken gerade Politikerinnen, Journalistinnen und Aktivistinnen irgendwo Sexismus, der ihnen zufolge geahndet werden muss.
    Aber Halt! Es ist kein sexueller Übergriff, wenn ein einzelner Mann einer Frau ein einfaches Kompliment macht. Es ist kein Akt eines übergriffigen Sexismus, wenn ein Mann einer Politikerin coram publico das Kompliment macht, sie sei hübsch – auch wenn sie danach noch so aufgebracht darüber twittern mag. In solchen Situationen ist jede Frau handlungsfähig, nichts geschieht gegen ihren Willen und häufig noch nicht mal in böser Absicht. Es ergeben sich daraus keine Situationen, die angsteinflößend sind.
    Die Übertreibung und das Aufbauschen solcher Sachverhalte ist eine Verhöhnung des Schicksals einer jeden Frau, deren Willen gebrochen, die tatsächlich gedemütigt, erniedrigt und gezwungen wurde, Haut, Hände, Zunge und Geschlechtsteil überall an und in ihrem Körper zu spüren. Und es ist eine Ohrfeige für jede Frau, die echte Angst für sich oder ihre Kinder empfindet, weil sie um solche Verbrechen in ihrer Gegend weiß. Die ihr Leben einschränkt und noch größere Angst hat, offen über ihre Angst zu sprechen, weil sie sonst in eine politische Ecke gestellt wird, in der sie nichts zu suchen hat. Und es darf auf keinen Fall um die generelle Stigmatisierung des Mannes an sich gehen. Die würde jeden Mann, jeden Vater, Bruder, Sohn, Freund und Partner auf dieselbe Stufe mit brutalen Verbrechern stellen.
    Dieser Unsinn spaltet eine Gesellschaft, die sich doch eigentlich darüber einig sein muss, dass die Unantastbarkeit der menschlichen Würde allen nur erdenklichen Schutz verdient und jeder, der dieses grundgesetzlich verbürgte Menschenrecht bricht, empfindlicher und nachhaltiger Strafen bedarf.
    Bisher setzt man hierzulande noch viel zu sehr auf das, was Frauen tun könnten, um Vergewaltigungen zu verhindern: Bestimmte Orte meiden, gemeinsam joggen oder spazieren gehen, keine fremden Männer anlächeln und am besten nicht zu später Stunde in zu enger oder freizügiger Bekleidung. Doch bei diesen Verhaltensanalysen überträgt man zum einen die Schuld auf das Opfer, und zum anderen nimmt man Frauen die Freiheit, sich nach Belieben im öffentlichen Raum zu bewegen. Wie weit sind wir dann noch von dem Schritt entfernt, Frauen als Freiwild zu erklären, wenn sie allein durch die Gegend laufen und möglicherweise sogar durch sogenannte verrufene Orte, die gegenwärtig aber auch nicht weniger werden?
    Es sind Politiker, Richter und (Staats-)Anwälte, aber auch Journalisten, die maßgeblich mitbestimmen, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen: In einer Gesellschaft, in der das Opfer einer Vergewaltigung selbst Schuld hat, weil es allein joggt oder spät nach Hause kommt oder zur abendlichen Stunde noch den Hund laufen lässt. Oder, ob wir in einer Gesellschaft leben, die sich solidarisch hinter jedes einzelne Opfer stellt, den Täter konsequent abstraft und gemeinsam versucht, jeden Menschen vor einem solchen Übergriff zu schützen.
    Kein Mensch sucht sich das Martyrium aus, Opfer eine Vergewaltigung zu werden. Er oder sie werden dazu gemacht. Ein erstes Mal durch die Tat, häufig noch viele weitere Male durch ihr Umfeld, Polizei und Justiz. Einige Male davon sind nicht zu vermeiden, wie bei der rechtsmedizinischen Untersuchung, bei der polizeilichen Zeugenvernehmung und vor Gericht. Doch jeder der Beteiligten kann verständnisvoll auftreten, Untersuchungsschritte und Verfahren erklären, dem Opfer in kleinen Dingen Wahlmöglichkeiten einräumen, um das Gefühl der Kontrolle wieder aufzubauen. Vorwürfe, die Suche nach der eigenen Mitschuld und eine nicht nachvollziehbare Milde gegenüber festgestellten Tätern, verfestigen allerdings ein Weltbild, in dem Opfer zu Tätern gemacht werden. Und in der die persönliche Freiheit und niedergeschriebene Rechte diesem Weltbild weichen müssen.
    Dieser Beitrag erschien zuerst in „Deutsche Polizei“, der Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei (GdP).
    Almut Meyer ist Fachärztin für Anästhesiologie, Rettungsmedizinerin und Leitende Notärztin in Potsdam. Dr. Dorothee Dienstbühl lehrt als Professorin an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) NRW, Fachbereich Polizei, mit den Fächern Kriminologie und Soziologie.

  4. Zeigt den „asozialen Netzwerken“ endlich den Stinkefinger!

    Ich weiß, Facebook und Twitter sind eine schöne Sache. Man kann sich schnell austauschen, verschüttete Freunde wiederfinden und hübsche Grußpostkarten verschicken.
    von Thomas Böhm

    Das war’s dann aber auch schon. Denn seit der „Satansbraten“ Heiko Maas in der Tradition des Dritten Reiches und der Stasi-DDR bei der Meinungsbildung herumpfuscht und die Meinungsfreiheit abgeschafft hat, indem er seine Agenda „Tod den Andersdenkenden“ auf den Markt geworfen hat, ist in den Sozialen Netzwerken Schluss mit lustig, verkommt die eigentlich tolle Idee zu einem staatlich kontrollierten Stammtisch, in dem der Bürger im Sinne der linken Ideologen und Islamisierer gelenkt werden kann und jeder bestraft wird, der es wagt, die Bundesregierung zu kritisieren.
    Facebook und Twitter sind so zu asozialen Netzwerken verkommen, in denen die Handlanger des Unrechtssystems, ideologisch befeuert, politisch halbseitig gelähmt und auf dem linken Auge blind, ihr übles Handwerk verrichten und jeden denunzieren, der eine abweichende Meinung hat. Ja selbst „falsche“ Emotionen wie zum Beispiel „Hass“ sollen jetzt strafrechtlich verfolgt werden, wobei es überhaupt keine neutrale Richtlinie gibt, die uns sagt, wo dieser ominöse Hass anfängt und wo er aufhört.
    Das sind die letzten Zuckungen einer untergehenden linken Dynastie, die aber zur Zeit gewaltig reihenweise renitente Schädel zertrümmert.
    Schwere Zeiten für eine freie Kommunikation, problematisch für all diejenigen, die besorgt, verzweifelt und zurecht wütend sind. Mit diesen erpresserischen Zwangsmaßnahmen mit dem Namen NetzDG sollen die Bürger wieder umerzogen werden, die der Regierung in irgendeiner Form gefährlich werden könnten. Nicht umsonst sind von dieser Zensur auch viele AfDler betroffen.
    Aber es geht auch ohne die asozialen Netzwerke. Die User sollten sich einfach aufraffen und von sich aus die alternativen Medien aufrufen. Viele neue Seiten bieten Kommentarfunktionen an, in denen man sich noch frei äußern darf (wenn man im gesitteten Rahmen bleibt).
    Auch jouwatch bittet seine Freunde auf Facebook und Twitter: Wartet nicht, bis hier mal wieder ein neuer Beitrag gepostet wird, geht direkt auf http://www.journalistenwatch.com. Die Seite wird fast rund um die Uhr aktualisiert. Hier findet man jede Menge Nachrichten und Kommentare, die auf Facebook und Twitter der staatlich gelenkten Zensurschere zum Opfer gefallen sind.

  5. Der 10-Punkte-Ratgeber: So demaskieren Sie „Rechte“
    Eine These wurde in den Raum gestellt, die Ihnen nicht gefällt? Gehen Sie wie folgt vor:
    1)
    Prüfen Sie die Quelle. Akzeptabel sind Spiegel, FAZ, TAZ, grenzwertig BILD, Focus und Welt. „Achse des Guten“ geht gar nicht. Falls die Quelle in Ordnung ist, weiter zu Schritt 2, ansonsten Schritt 10.
    2)
    Prüfen Sie den Autoren. Prantl und Augstein sind in Ordnung, ebenfalls jeder Grünen-Politiker außer Boris Palmer. Checken Sie ansonsten: Hat der Autor schon in der „Jungen Freiheit“ publiziert? War er auf einer Pegida-Demo? Hat er sich schon einmal mit einem AfD-Wähler im gleichen Raum aufgehalten oder dort sogar geredet? Falls auch der Autor in Ordnung ist, weiter zu Schritt 3, ansonsten Schritt 10.
    3)
    Besteht die Möglichkeit, die These/Aussage zu relativieren? Als Stichworte seien Ihnen „Oktoberfest“, „Nonnen“ und jede Straftat eines Rechten/Rechtsextremen ans Schreiberherz gelegt. Beispiel: Auf die Meldung „Flüchtlinge übermäßig an Straftaten beteiligt“ verweisen Sie auf „Anzahl rechtsextremer Straftaten hat zugenommen“. Scheuen Sie auch nicht vor Vergleichen mit dem Dritten Reich oder Persönlichkeiten des Dritten Reiches zurück. Falls Sie nicht relativieren können, weiter zu Schritt 4, ansonsten Schritt 10.
    4)
    Benutzen Sie ein Strohmann-Argument und unterstellen Sie dem gegnerischen Autoren Dinge, die er nicht gesagt hat. Beispiel: Auf die Aussage „Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung“ antworten Sie: „Du bist also dafür, dass Muslime ihre Religion nicht offen ausleben dürfen.“ Garnieren Sie Ihre Argumentation mit Verweis auf das Grundgesetz und die undemokratische Haltung des Postenden. Falls das Strohmann-Argument nicht zieht, weiter zu Schritt 5, ansonsten Schritt 10.
    5)
    Prüfen Sie die Rechtschreibung des Gegners. Hat er offensichtliche Schreib- oder Tippfehler gemacht? Hat er sich in Satzbau oder Grammatik vertan? Schnappen Sie den Burschen! Wer nicht richtig schreiben kann, hat auch nicht das Recht auf eine eigene Meinung. Der hat keine Fehler gemacht? Dann weiter zu Schritt 6, ansonsten Schritt 10.
    6)
    Checken Sie den Bildungsstand. Haben Sie es mit einem Akademiker zu tun? Jeder mit einem niedrigeren Bildungsstand als Sie ist nicht satisfaktionsfähig. Schwierig, wenn sie selbst knapp am Hauptschulabschluss gescheitert sind, aber dann könnten Sie ja auch diese Zeilen nicht sinnerfassend lesen. Jedenfalls ist jeder mit einem niedrigeren Bildungsstand als Ihnen nicht in der Lage, die Komplexität der Vorgänge so gut wie Sie zu verstehen. Hat nicht geklappt? Dann weiter zu Schritt 7, ansonsten Schritt 10.
    7)
    Checken Sie den Wohnort gegen. Handelt es sich um jemanden aus den Neuen Bundesländern? Vielleicht sogar aus Sachsen? Falls nein, weiter zu Schritt 8, ansonsten Schritt 10.
    8)
    Jetzt ist der Beruf Ihres Kontrahenten dran. Hat er Erfahrungen in der Flüchtlingsbetreuung, Sozialpädagogik, oder engagiert er sich sogar ehrenamtlich? Ist ihm beruflich eine Expertise über das Geschriebene zuzutrauen? Ist er vielleicht sogar selbst Angehöriger einer Randgruppe? Falls ja, weiter zu Schritt 9, ansonsten zu Schritt 10.
    9)
    Bezeichnen Sie jetzt Ihren Kontrahenten als „besorgten Bürger“ und machen Sie ihn lächerlich. Greifen Sie ihn persönlich an, stöbern Sie auf seiner Facebook-Wall nach verfänglichen Details und treten Sie diese öffentlich breit. Irgendetwas findet sich immer. Falls nicht, erfinden Sie einfach etwas. Kein Mitleser prüft das nach. Falls doch, behaupten Sie, er habe die verfängliche Passage aus Scham gelöscht. Handeln Sie. Machen Sie ihn fertig, weil – wenn Sie es nicht tun – er morgen mit Fackeln durchs Brandenburger Tor marschieren wird. Zeigen Sie Haltung! Und erlegen Sie ihn, falls er bis hierher nicht aufgegeben hat, in Schritt 10.
    10)
    Jetzt ist alles klar. Das KANN, auch wenn er es leugnet, nur ein Nazi, Neurechter oder sonstiger Teufel sein. Auf jeden Fall ist es ein rechter Hetzer und Rassist. WICHTIG: Gebrauchen Sie diese Begriffe als Erster, er wird sich dann nicht mehr wehren können, wenn seine Entgegnung nicht wie ein „Revanchefoul“ aussehen soll. Beantragen Sie seine Facebook-Sperre. Wenn Sie genug Leute zusammen bekommen, die das ebenfalls tun, dann haben Sie Erfolg, Ihr Gegendiskutant wird gesperrt und fliegt, und die Diskussion ist gewonnen – und Sie leben wieder gut und gerne im Regenbogeneinhornglückswiesentraumland.
    So wird das gemacht! Waidmannshei… entschuldigung

  6. keiner IST EMPÖRT OB MEINER Provokationen dURCH MEINE aKTION WOLLTE ICH NUR ZEIGEN; DASS DER wEBERBERG-REDAKTER EIN SEHR BEGRENZTES UND EINSEITIGES WELT- UND MENSCHENBILD HAT UND DEMENTSPRECHEND AUCH DIE RESONNANZ AUF SEINE WEBSITE AUSFÄLLT lASST UNS ENDLICH ZUSAMMENHALTEN FÜR UNSEREN rECHTS-UND SOZIALSTAAT; DEMOKRATIE LEBT VOM AUSTAUSCH DER MEINUNGEN UND NICHT VON lINKS-rECHTS-fEINDBILDERN

  7. Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten,
    still vom Fluss zog Nebel noch ins Land.
    Durch die Wiesen ging hurtig Katjuscha,
    zu des Flusses steiler Uferwand.

    Und es schwang ein Lied aus frohem Herzen
    jubelnd, jauchzend sich empor zum Licht;
    weil der Liebste ein Brieflein geschrieben,
    das von Heimkehr und von Liebe spricht.

    O du kleines Lied von Glück und Freude,
    mit der Sonne Strahlen eile fort.
    Bring dem Freunde geschwinde die Antwort
    von Katjuscha Gruß und Liebeswort.

    Er soll liebend ihrer stets gedenken,
    ihrer zarten Stimme Silberklang.
    Weil er innig der Heimat ergeben,
    bleibt Katjuschas Liebe ihm zum Dank.

    Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten;
    still vom Fluss zog Nebel noch ins Land.
    Fröhlich singend ging heimwärts Katjuscha
    einsam träumt der sonnenhelle Strand.

  8. Wir Spießer sollten einander beistehen
    Neulich fragte mich ein Freund, ob ich in der Mittagspause nicht mit zum Falaffel-Essen im „Orient-Express“ mitwolle, und ich antwortete ihm vollkommen korrekt, dass ich Falaffel nicht mögen würde. Seine Antwort: „Sei nicht so ein Spießer“. Das stürzte mich dann in einen Gewissenskonflikt und brachte mich zum Nachdenken.
    Denn er hat recht. Ich bin ein paarundfünzig Jahre alt, zahle zwar unwillig, aber brav meine Steuern, habe ein angenehmes Wohnumfeld, fahre zwar einen Diesel, aber immerhin ein neues Modell von einem französischen Autobauer, habe knapp drei Kinder großgezogen und finanziert, lege Geld fürs Alter zurück, habe einen Bausparvertrag, hänge gelegentlich bei meinem FDP-Stammtisch ab und habe alle meine Rundfunkgeräte ordentlich angemeldet.
    Sehe ich auf der Straße Papierchen herumliegen, dann hebe ich sie auf (vorausgesetzt der Mülleimer ist nicht allzu weit weg), ich halte Damen die Türe auf, helfe jungen Müttern mit Kinderwagen in den Bus und parke nur manchmal im Halteverbot. Bekomme ich deswegen einen Strafzettel, dann zahle ich den, denn das ist der Deal zwischen Ordnungsamt und mir als Bürger. Ich melde mich pflichtschuldig auf dem Rathaus um, wenn ich meinen Wohnsitz verlege und bringe sogar die Vermieterbestätigung mit. Damit mich der Beamte im Bürgerservicebüro zügig abfertigen kann, wenn meine Nummer, die ich ordentlich am Nummernautomaten gezogen habe, aufgerufen wird.
    Ich spucke im Bahnhof nicht auf den Boden und pisse weder nüchtern noch im Vollsuff in Hauseingänge. Ich stelle mein Auto nicht auf Behindertenparkplätze oder in Feuerwehrzufahrten, habe einen Organspendeausweis und ballere nicht absichtlich über Geschwindigkeitsbegrenzungen. Jedenfalls nicht weit drüber. Ich putze mir die Zähne, achte auf Körperhygiene und schließe morgens, wenn ich mein Heim verlasse, die Haustüre ab.
    Ich lehne mein Fahrrad nicht im Hausflur an
    Ich grüße die Nachbarn im Treppenhaus und lehne mein Fahrrad auch nicht im Hausflur an die Wand, und wenn ich mit der Hausordnung dran bin, dann bezahle ich Frau Hiller von schräg gegenüber, damit die das für mich macht, weil ich ungern putze. Ich klaue nicht und verlasse kein Café oder Lokal, ohne vorher bezahlt zu haben. Nicht einmal aus Versehen. Ich drängele mich an der Kasse im Supermarkt nicht vor. Wenn sich die Kassiererin oder der Kellner zu meinen Gunsten verrechnet haben, dann sage ich: „Sie haben sich verrechnet“, und nur, wenn sie dann patzig werden, dann nehme ich den Fehlbetrag gerne als Geschenk des Karmas an.
    Ich gehe nicht auf Demos und brülle herum oder wünsche jemandem plärrend den Tod oder mache anderer Leute Sachen kaputt. Wenn mein Lieblingsverein verliert, dann verprügele ich nicht als Ausgleich die Fans des Gegners. Ich mag auch keine gekochte oder gebratene Leber und Rattenfleisch lehne ich aus tiefstem Herzen ebenso ab, wie ich mich weigere, Hunde oder Katzen zu essen, auch, wenn diese andernorts als Delikatesse gelten. Deswegen schreibe ich auch niemandem vor, was er gut zu finden oder zu essen oder zu trinken hat.
    Und trotzdem: meine Abneigung gegen Falaffel hat mich letztlich als Spießer enttarnt. Obwohl ich mich eigentlich für weltoffen hielt. Anscheinend bin ich es doch nicht. Aber ich finde das auch nicht schlimm. Ich gehöre dem namenlosen Millionen-Heer der „schon-immer-und-auch-in-Zukunft-hier-Steuerzahlenden“ an, die sich, ganz schlicht, nichts anderes wünschen, als in Ruhe ihrem Schaff („ihrer Tätigkeit“ – für die Nicht-Kurmainzer) nachzugehen.
    Ich interessiere mich weder für die Hautfarbe, noch für die sexuelle Orientierung, Religion oder Kultur meiner Nachbarn. Diese sind mir herzlich egal, denn was jemand hinter seiner geschlossenen Türe treibt, zu welchem Phantasiefreund er betet oder was seine bevorzugte Kamasutrastellung ist, geht mich nichts an. Finde ich. Umgekehrt gehe ich meinem Nächsten mit meinem Klimbim ja auch nicht auf den Zeiger. Hoffe ich. Ich fände es nur ganz einfach nett, wenn mich die Nachbarn im Treppenaus zurückgrüßen, ihren Müll nicht herumstehen lassen und wenn ich mich auf dem Weg zur Treppe nicht durch Fahrräder oder Rotz auf dem Boden kämpfen müsste. Das würde mir genügen. Mir und Millionen Anderen wohl auch.
    Nennen Sie das meinetwegen „Leitkultur“ oder „Deutsch“
    Ich erwarte von meinem Staat, dessen kleinste Zelle ich bin, dass er all diejenigen hier mitmachen lässt, die selbst „ihren Schaff“ machen und in und an diesem Staat mitwirken wollen. Völlig losgelöst von ihren sonstigen Marotten. Und ich erwarte, dass der Staat diejenigen bekämpft, die sich der Allgemeinheit und dem sozialen Miteinander verweigern oder Individualität nicht von Asozialität unterscheiden können. Ob er sie nun einbuchtet oder rausschmeißt und wo und wohin er das tut, ist mir Latte (Macchiato).
    Er hat sich hierbei an die Gesetze zu halten, so, wie ich das auch mache. Denn ohne uns ordentliche Spießer bricht hier alles zusammen. Und nur wir pflichtbewussten Spießer halten diesen Laden hier am Laufen. Das macht kein Politiker, kein Abgeordneter und kein Revolutionär für uns. Wir sollten einander beistehen. Man möge uns einfach arbeiten lassen. Denn das machen wir vielleicht nicht immer gerne, aber das machen wir.
    Wir ziehen dabei unsere Kinder und Enkel groß und bringen ihnen bei, dass es nicht nett ist, jemandem „auf die Fresse“ zu geben oder wegen vermeintlich „verletzter Ehre“ einen Knäuel zu bilden. Und falls es sich doch nicht vermeiden lässt, aufzuhören, wenn der Gegner am Boden liegt, und ihm nicht auch noch final während der Handy-Liveübertragung den Schädel wegzutreten. Und wir werden tatsächlich Bahnsteigkarten für die Erstürmung des Bahnhofs lösen. Und die Obdachlosen dort nicht aus Jux und Tollerei anzünden, die haben es schon schwer genug. Denn sonst bricht das System zusammen und es herrscht Anarchie.
    Nennen Sie das meinetwegen „Leitkultur“, wenn Sie das brauchen. Nennen Sie das „Deutsch“, wenn Sie das verachten. Nennen Sie das „Spießertum“, wenn Sie alles anders machen. Aber kommen Sie bitte pünktlich zu Ihren Terminen und putzen Sie sich die Schuhe vor dem Eintreten ab. Es ist unhöflich, jemanden warten zu lassen und es ist respektlos und zeugt von mangelnder Wertschätzung, ihm die Wohnung einzusauen.
    Braucht noch jemand was vom Bäcker? Ich bringe gerne etwas mit.

  9. Blood Sweat & Tears – Spinning Wheel
    What goes up must come down
    Spinnin‘ wheel got to go ‚round
    Talkin‘ ‚bout your troubles it’s a cryin‘ sin
    Ride a painted pony let the spinnin‘ wheel spin
    You got no money and you got no home
    Spinnin‘ wheel all alone
    Talkin‘ ‚bout your troubles and you, you never learn
    Ride a painted pony let the spinnin‘ wheel turn
    Did you find the directing sign on the
    Straight and narrow highway
    Would you mind a reflecting sign
    Just let it shine within your mind
    And show you the colors that are real
    Someone is waiting just for you
    Spinnin‘ wheel, spinnin‘ true
    Drop all your troubles by the riverside
    Catch a painted pony on the spinning wheel ride
    Someone is waiting just for you
    Spinnin‘ wheel, spinnin‘ true
    Drop all your troubles by the riverside
    Ride a painted pony let the spinnin‘ wheel fly

    Blood Sweat & Tears – Spinning Wheel (Übersetzung)
    Was hoch fliegt, fällt auch wieder runter
    Das Schicksalsrad muss sich halt drehen
    Um dein Problem zu benennen: Es ist eine jämmerliches Vergehen
    Reite ein bemaltes Pony und lass dem Schicksal seinen Lauf
    Du hast kein Geld und kein Zuhause
    Nur dein eigene Mühle
    Um über dich und dein Problem zu reden: Du wirst es nie verstehen
    Reite ein bemaltes Pony und lass dem Schicksal seinen Lauf
    Hast du etwa den Richtungspfeil übersehen?
    Die Autobahn ist doch schnurgerade
    Wie wäre es mit einem reflektierenden Zeichen?
    Lass es doch einfach in deinem Geist aufleuchten!
    Schau dir endlich Farben an, die echt sind
    Sicher wartet jemand auf dich
    Schicksalsrad, Schicksalswahrheit
    Lass deine Sorgen am Flussufer liegen
    Schnapp dir ein bemaltes Pony für deinem Ritt durchs Schicksal
    Sicher wartet jemand auf dich
    Schicksalsrad, Schicksalswahrheit
    Lass deine Sorgen am Flussufer liegen
    Reite ein bemaltes Pony und lass das Schicksal endlich frei

  10. Es gehört also deutlich mehr dazu, als nur eine rapide ansteigende grassierende Abneigung, um endgültig zu zerstören, was immer mehr Menschen so ungemein stört. Der Grund dafür ist einfach: Facebook gründet auf einer Sucht, die direkt da wirkt, wo wir am empfänglichsten und verletzlichsten sind, am Wesenskern des Menschseins, am Sozialverhalten, das uns auf seiner Ideallinie zu liebenswerten und mitfühlenden Wesen macht.

  11. Die große Angst vor Fake-Ärzten aus Drittstaaten

    Kurz vor Weihnachten hatte das Deutsche Ärzteblatt noch eine stimmungsvolle Nachricht für seine Leser parat: Sechzehn „geflohene“ Ärzte hätten in Hessen die Approbation erhalten und dürften nun uneingeschränkt als Mediziner in Deutschland arbeiten. Sechs Wochen später nennt der Präsident der Bundesärztekammer, Montgomery, es „überhaupt nicht mehr tragbar“, Berufszulassungen und Approbationen nur auf der Grundlage von Sprachprüfungen und nach Kontrolle der eingereichten schriftlichen Unterlagen auszusprechen.
    Man müsse zum Beispiel ausschließen, so Montgomery weiter, „dass Menschen als Arzt tätig werden, die sich in ihren Heimatländern Zertifikate gekauft haben, ohne jemals die Universität besucht zu haben“. Auch habe man mittlerweile festgestellt, „dass das Qualitätsniveau einiger Drittstaatler (also Personen aus dem Nicht-EU-Ausland) so schlecht ist, dass man es mit der alleinigen Überprüfung der Dokumente und durch Kenntnisprüfung nicht auseichend feststellen kann“.
    Gefordert wird eine obligatorische Prüfung auf Niveau des zweiten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung, also der schriftlichen Prüfung nach dem 10. Fachsemester (sogenanntes „Hammerexamen“) und der mündlichen nach dem anschließenden praktischen Jahr. Montgomery kündigt zügige Gespräche mit der Gesundheitsministerkonferenz an, denn für Änderungen seien entsprechende Beschlüsse der Gesundheits- und Bildungsministerkonferenz erforderlich.
    „Anerkennungstourismus aus strukturschwachen Ländern“
    Der Bundesärztekammer-Präsident hält den Ball ansonsten eher flach. Statt einer markigen Presseerklärung – wie zum Beispiel zur Altersfeststellung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen – belässt er es bei einem Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt, das darüber knapp berichtet. Wahrscheinlich ist das ganze eine Reaktion auf die kurz vorher erhobenen entsprechenden Forderungen der Präsidentin der Niedersächsischen Ärztekammer, Wenker. Die ist schon länger in dieser Sache unterwegs und kritisierte bereits im Mai 2017 „den im Kielwasser des Flüchtlingsstroms entstandenen Anerkennungstourismus aus strukturschwachen Ländern“.
    Dazu muss man wissen, dass es bundesweit 22 regionale Approbationsbehörden gibt, die getrennt vor sich hin prüfen. Erst seit September 2017 existiert als Pilotprojekt eine zentrale Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe – also nicht nur für Mediziner – mit einem geplanten Arbeitsvolumen für 3.000 Anträge pro Jahr, die in enger Kooperation mit den Landesbehörden die eingereichten Unterlagen prüfen soll.
    Es handelt sich keinesfalls um ein zahlenmäßig unbedeutendes Problem: Allein in Niedersachsen sind knapp 3.700 Ärzte aus Drittstaaten tätig. Allerdings stieß die Initiative der dortigen Ärztekammer, zum Schutz der Patienten die bestehenden Zulassungsregeln für Drittstaatärzte zu verschärfen, auf Ablehnung bei der niedersächsischen Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Sie berief sich dabei auf die Bundesregierung, die die derzeitigen Anerkennungsregeln auch für gelungen halte.
    Dilettierende Drittstaatärzte im Krankenhaus
    Was nun in den letzten beiden Jahren, in welcher Häufigkeit, konkret vorgefallen ist, dass sich der Bundesärztekammer-Präsident Sorgen um das Patientenwohl machen muss, ist bisher kaum öffentlich geworden. Eine Ausnahme findet sich hier in der Neuen Westfälischen. Ansonsten scheint die Medien das Thema nicht zu interessieren. Diese Art von Skandalen schätzt man dort offenbar nicht besonders.
    Ab und an hört man natürlich das ein oder andere von den geschätzten Kollegen und ist dann jeweils froh, nicht mehr in verantwortlicher Position im Krankenhaus tätig zu sein. Aber natürlich haben weder Aufsichtsbehörden noch Krankenhäuser oder dilettierende Drittstaatärzte ein Interesse daran, ihre Verfehlungen öffentlich zu machen.

  12. Wollt Ihr den Totalen Gesinnungsstaat?

    oder

    Kämpfen wir für unseren Rechts- und Sozialstaat
    Zitat aus einem Urteil des OLG Koblenz vom 14.02.2018 bezüglich der illegalen Einreise in die Bundesrepublik:
    „Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt.“

  13. Erst Fahrverbote, dann dann Denkverbote?

    Die Bundesregierung will, dem Urteil des Gerichts vorgreifend, Fahrverbote gesetzlich ermöglichen. Sie gibt damit ihr eigenes Versagen zu, und der Bürger darf es mal wieder ausbaden, indem er enteignet wird. Statt daß die Bundesregierung die willkürlich von Brüssel festgelegten und uns übergestülpten Grenzwerte wissenschaftlich zu hinterfragen!
    Wird jetzt auch ein Fahr-, Einlauf- und Liegeverbot für Schiffe erlassen? Noch einmal: ein in Hamburg liegendes Kreuzfahrtschiff pustet in 24 Stunden Liegezeit soviel Schadstoffe in die Hamburger Luft wie 100.000 grün-plakettierte Pkw in einem ganzen Jahr.
    Hat diese Bundesregierung wirklich noch nie etwas von dem Begriff „Verhältnismäßigkeit“ und deren Bedeutung gehört?
    Damit ist für mich die Frage erledigt, wer bei der nächsten Bundestagswahl meine Stimmen erhalten wird.
    Welch ein jämmerliches, totales Versagen. Aber diese Herrschaften sacken ja ausreichend Kohle ein, halten sich am zwangsweise steuerzahlenden „Wahlvieh“ schadlos.
    Schlimmer wie in jeder bisher bekannten Bananenrepublik!

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