Wenn der Zeuge zweimal lügt…?

Samstagnachmittag in der Flüchtlingsunterkunft in der Bahnhofstraße. Öffnet man im zweiten Stock die Tür zu einem Zimmer, in dem mehrere Gambier wohnen, bietet sich einem ein seltsames Bild: zwei Männer sitzen dort, einer offenbar afrikanischer Herkunft, haben Bibeln auf dem Schoß und diskutieren mit einem der Flüchtlinge. Missionierung im Flüchtlingsheim? Das darf wohl nicht sein. Kurze Pause der Geschichte: ein Besuch in der Bleicherstraße ist nötig. Von dort ein Anruf aus der Bahnhofstraße und zurück geht’s dorthin mit dem Fahrrad. Die beiden Männer mit den Bibeln sitzen immer noch da. Auf Nachfrage geben sie sich als Zeugen jehovas zu erkennen. Dass ihre Missionsarbeit nicht gestattet sein soll, sei ihnen nicht bekannt. Frage: Soll ich die Security holen oder die Polizei. Einer der beiden entscheidet sich für die Security, die wir dann gemeinsam aufsuchen. Fazit: Missionsarbeit sei nicht gestattet.
Rückkehr aufs Zimmer. Der zweite Mann hat sich mittlerweile vom Tatort entfernt. Der Missionar aus Afrika aber behauptet, von dem Verbot nichts zu wissen. Dann hat ihn wohl seine „Kirche“ schlecht informiert. Und er behauptet noch etwas Weiteres: Im Flüchtlingsheim in der Bleicherstraße dürfe er missionieren. Das habe er schriftlich vom Landratsamt. Kaum zu glauben, dass das LRA das genehmigt haben soll. In der Hausordnung, die in der Bleicherstraße aushängt, ist von Missionsarbeit allerdings nirgends etwas zu lesen. Da wird man wohl noch einmal nachfragen müssen.
Mehr zum Thema hier.

In München sieht man die Dinge so:
„Frage 1: Ist der Oberbürgermeister auch der Meinung, dass die Flüchtlinge, die verunsichert und oft traumatisiert endlich in München, in staatlichen und städtischen Einrichtungen sicher untergekommen sind, vor Sektenmitgliedern und anderen Fanatikern geschützt werden müssen?
Antwort:
Alle neu in München ankommenden Flüchtlinge suchen bei uns in erster
Linie ein sicheres Leben, sie suchen die Achtung ihrer Menschenwürde
und ihrer Menschenrechte. Was sie sicher nicht suchen, ist eine neue Religion.
Das Ausnutzen ihrer etwaigen Traumatisierung oder Unsicherheit im
neuen Lebensumfeld zu Missionierungen jeglicher Art ist nicht vereinbar
mit dem uneingeschränkten Grundrecht auf Religions- und Meinungsfreiheit
in Deutschland und muss verhindert werden. Besonders unsichere
oder einsame Menschen bzw. Menschen in unsicheren Lebenssituationen
lassen sich von Sekten leicht abhängig machen“

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