Realistischeres Deutsch: Emad ärgert sich

Das Leben in den Flüchtlingsheimen kommt in den Deutschbüchern für Flüchtlinge nicht vor. Dabei ließe sich da viel lernen. Und Diskussionsstoff für den Unterricht gäbe es auch noch.
Hier mal ein Text zu den reflexiven Verben.

Emad ärgert sich. Gerade hat er sich hingelegt, um zu schlafen. Er hat sich die Decke über den Kopf gezogen, damit die Straßenlampe ihm nicht ins Gesicht scheint. Er hat sich auf eine ruhige Nacht gefreut.

Da öffnet sich die Tür. Hamid, Hassan und Joseph kommen herein und setzen sich an den Tisch. Sie unterhalten sich laut, drehen sich Zigaretten und zünden sie sich an. Emad dreht sich weg von ihnen.

Emad sagt sich: „Ich muss ruhig bleiben. Es hat keinen Zweck, sich zu ärgern. Die vier hören sowieso nicht auf mich. Wenn sie sich einmal warm geredet haben, unterhalten sie sich bis morgens um fünf.

Ich aber muss um sieben Uhr in den Deutschunterricht. Wie soll ich mich da konzentrieren?“ So versucht er sich zu beruhigen. Aber nach einer halben Stunde kann er sich nicht mehr zusammennehmen.

Er zieht sich die Decke vom Kopf. Er setzt sich im Bett auf. Die anderen haben sich inzwischen die Spielkarten aus dem Schrank geholt. Emad wendet sich an sie: „Seid doch bitte leise. Ich muss mich wirklich ausruhen. Ich habe mich für die Prüfung am Freitag angemeldet und will mich nicht blamieren.“

Aber die anderen sagen nur: „Ok, ok!“. Sie widmen sich weiter ihrem Spiel. Emad legt sich wieder hin, zieht sich wieder die Decke über den Kopf und denkt sich: „Ich darf mich nicht aufregen. Ich summe mich jetzt in den Schlaf. Und bis Freitag kenne ich mich bestimmt auch mit den reflexiven Verben aus!“
Zwei Tage später freut sich Emad. Einer der Kartenspieler, Hamid ist zu ihm ins Zimmer gekommen. Er hat sich besonnen und will sich entschuldigen: „Wir hatten uns so auf das Kartenspiel gefreut und haben daher nicht an dich gedacht. Ich möchte mich entschuldigen. Und ich schwöre, dass wir uns in Zukunft besser benehmen. Ich weiß ja, wie es ist, wenn man müde ist und sich im Deutschkurs nicht konzentrieren kann.“

Emad sagt: „ich vergebe dir, Bruder. Aber sprich einmal mit den anderen, damit sie sich auch ändern. Ich möchte mich nicht wieder über sie ärgern.“

Hamid legt die Hand auf die Brust: „Ich verspreche es dir. Ich werde mich nachher mit ihnen unterhalten, damit sie dich besser verstehen. Wir müssen uns gegenseitig respektieren sonst machen wir uns hier im Heim das Leben zur Hölle.“

Emad strahlt: „Danke, Bruder, dass du mich verstehst. Aber darf ich jetzt wieder schlafen?“

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Ein Gedanke zu „Realistischeres Deutsch: Emad ärgert sich“

  1. Gibt es hier in Deutschland o. zumindest in Biberach einen Menschen, den diese geistige Blase interessiert?
    P.S.: Unsere Jungs haben heute Abend Nordirland 1 : 0 platt gemacht. Yeeahh, gut gemacht… *freu

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